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Terror in Paris: Wer die Täter sind - und womit der IS jetzt droht

Soldat vor Notre Dame: Paris sucht nach den Hintermännern des Terrors Zur Großansicht
AP/dpa

Soldat vor Notre Dame: Paris sucht nach den Hintermännern des Terrors

Wer sind die Attentäter von Paris? Wie haben sie die Anschlagsserie geplant, wer sind die Hintermänner? Und wie reagieren Politiker und Bürger? Die Entwicklungen vom Montag im Überblick.

Vor dem Café Le Carillon stapeln sich die Blumensträuße, Tränen fließen. Dutzende Menschen sind an diesem Ort in der Rue Bichat zusammengekommen. An diesem Tatort, wo am Freitagabend Terroristen Freunde, Geschwister, Nachbarn ermordeten.

Die Menschen vor dem Café sind nicht allein. In ganz Paris, ganz Frankreich, ganz Europa trauern die Menschen an diesem Montag um die Opfer der Terrorserie vom Wochenende. Unterdessen bringen Fahndungen und Polizeiaktionen immer mehr Details über die Hintergründe ans Licht. Was ist bekannt über die Hintermänner der Taten? Wie reagieren Ermittler und Politiker? Der Überblick:

Wer steckt hinter den Anschlägen?

Die Gruppe Islamischer Staat (IS) hat sich zu der Terrorserie in Paris bekannt. Frankreichs Präsident François Hollande erklärte, die Anschläge seien von Islamisten in Syrien beschlossen und geplant und dann teils von Franzosen in Belgien organisiert worden.

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Abdelhamid Abaaoud: Der belgische Drahtzieher
Die Ermittler haben den 27 Jahre alten IS-Terroristen Abdelhamid Abaaoud als Drahtzieher unter Verdacht. Er lebte früher in dem als Islamistenhochburg bekannten Brüsseler Stadtteil Molenbeek und gilt als der meistgesuchte Islamist Belgiens. Abaaoud soll sich zuletzt in Syrien aufgehalten haben. Berichten zufolge soll er die Operation in Paris organisiert und überwacht haben.

International zur Fahndung ausgeschrieben ist Salah Abdeslam. Welchen Anteil an den Anschlägen er genau hatte, ist noch unklar. Der 26-Jährige hatte den schwarzen Polo gemietet, der vor der Konzerthalle Bataclan gesehen wurde. Abdeslam war Fahndern bei einer Verkehrskontrolle am Samstag durchgerutscht.

Fahndungsfoto Salahs: Seine Rolle ist unklar Zur Großansicht
Police Nationale/ REUTERS

Fahndungsfoto Salahs: Seine Rolle ist unklar

Die Islamistenszene in Belgien spielt offenbar eine zentrale Rolle in den Ermittlungen. Die belgische Justiz hat gegen zwei Verdächtige Strafverfahren wegen ihrer mutmaßlichen Beteiligung an den Attentaten eröffnet. Den beiden werde ein "Terroranschlag und die Teilnahme an den Aktivitäten einer Terrorgruppe" vorgeworfen, teilte die Staatsanwaltschaft in Brüssel mit. Die Namen der zwei Verdächtigen nannte sie nicht.

Welche Attentäter sind identifiziert?

An den Anschlagsorten in Paris wurden die Leichen von insgesamt sieben Terroristen gefunden. Bisher wurde die Identität von fünf getöteten Attentätern festgestellt.

Samy Amimour Zur Großansicht
AFP/ Amimour family

Samy Amimour

Als Täter im Konzertsaal Bataclan wurden Samy Amimour und Ismaël Omar Mostefaï identifiziert.

Brahim Abdeslam - der Bruder des flüchtigen Salah Abdeslam - sprengte sich vor der Brasserie Comptoir Voltaire in die Luft.

Bilal Hadfi war einer der Selbstmordattentäter vor dem Fußballstadion Stade de France.

Zudem wurde ein weiterer Selbstmordattentäter am Fußballstadion identifiziert. Bei ihm habe sich herausgestellt, dass er im Oktober als Flüchtling in Griechenland registriert worden sei, hieß es. Damals hatten griechische Behörden Fingerabdrücke genommen, die mit denen des Selbstmordattentäters übereinstimmen.

Mutmaßlicher Täter Almohammad: Fingerabdrücke erfasst Zur Großansicht
DPA

Mutmaßlicher Täter Almohammad: Fingerabdrücke erfasst

In der Nähe seiner Leiche wurde ein syrischer Pass auf den Namen Ahmad Almohammad gefunden. Demnach ist der Mann 25 Jahre alt. Allerdings war am Montag noch nicht abschließend klar, ob das Dokument echt ist. (Lesen Sie hier mehr über mögliche Gefahren von Islamisten unter Asylsuchenden.)

Gibt es neue Erkenntnisse über Planung und Hergang der Tat?

Tatorte in Paris: Wann und wo die Attentäter zuschlugen Zur Großansicht
SPIEGEL ONLINE

Tatorte in Paris: Wann und wo die Attentäter zuschlugen

Die Polizei in Belgien hat am Montag mehrere Wohnungen im Brüsseler Stadtteil Molenbeek durchsucht, ein wirklicher Fahndungserfolg gelang den Einsatzkräften aber offenbar nicht: Die Staatsanwaltschaft dementierte Berichte, wonach bei den Razzien der mutmaßliche Terrorist Abdeslam Salah festgenommen worden sei. In dem Viertel hat auch der mutmaßliche Drahtzieher der Terrorserie, Abdelhamid Abaaoud, gelebt.

Schon in der Nacht hatte es auch in Frankreich mehr als 150 Durchsuchungen gegeben. In der Region von Lyon und Villefranche-sur-Saône fanden Polizisten laut Angaben aus Ermittlerkreisen bei einem Verdächtigen einen Raketenwerfer, Splitterschutzwesten, mehrere Pistolen und ein Sturmgewehr. Ob es einen Zusammenhang mit den Anschlägen in Paris gibt, ist jedoch noch nicht bekannt.

Unklar ist auch, ob die Anschläge hätten verhindert werden können. Aus türkischen Regierungskreisen hieß es, man habe Paris schon vor etwa einem Jahr vor dem Selbstmordattentäter Ismaël Omar Mostefaï gewarnt. Auch der Irak hatte Frankreich nach Angaben des irakischen Außenministers Ibrahim Al-Jaafari über mögliche Anschläge in mehreren Staaten informiert.

Spekulationen gibt es über mögliche Motive der Terroristen: Der IS gab in einem Bekennerschreiben an, ein Konzert in der Veranstaltungshalle Bataclan etwa wegen einer "perversen Feier" darin angegriffen zu haben. Möglicherweise spielte aber auch Antisemitismus eine Rolle: Das Konzerthaus wurde jahrzehntelang von jüdischen Eigentümern geführt, am Freitag trat dort eine als israelfreundlich geltende Band auf.

Gibt es Verbindungen nach Deutschland?

Nach den Anschlägen wurde bekannt, dass bayerische Fahnder bereits am 5. November bei Rosenheim einen Mann aus Montenegro aufhielten und in dessen Auto ein Waffenarsenal fanden. Laut Navigationsgerät war der 51-Jährige von Montenegro aus nach Paris unterwegs. Ob es einen Zusammenhang zu der Terrorserie in Paris gebe, sei derzeit offen, erklärte die Münchner Staatsanwaltschaft.

Zudem wurde im sauerländischen Arnsberg ein 39 Jahre alter Algerier verhaftet. Er soll mehrere Tage vor den Attacken in einer Flüchtlingsunterkunft gegenüber Mitbewohnern aus Syrien geäußert haben, dass in Paris etwas passieren werde, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Der Mann sei wegen "Nichtanzeigens einer Straftat" in Untersuchungshaft. Es werde geprüft, ob er sich nur wichtig tun wolle oder ob er wirklich von den geplanten Anschlägen gewusst habe.

Gibt es Hinweise auf künftige Anschlagsziele?

Der IS hat in einem Video weitere Anschläge angekündigt. Im Visier sind offenbar Staaten, die sich an Luftangriffen gegen die Miliz beteiligen - explizit nannte der Dschihadist die US-Hauptstadt Washington.

Schweißt der IS-Terror die internationale Gemeinschaft zusammen?

Als Reaktion auf die Anschläge in Paris flog Frankreich Luftangriffe auf IS-Stellungen in Syrien. Präsident François Hollande kündigte an, den Uno-Sicherheitsrat im Kampf gegen den IS anzurufen. Besonders Deutschland ist aber mit Blick auf militärische Lösungen zurückhaltend. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich nicht konkret zu Spekulationen, ob ein Uno-Mandat für einen internationalen Einsatz gegen den IS in Syrien mit Beteiligung der Bundeswehr vorbereitet werde.

US-Präsident Barack Obama sprach sich gegen Bodentruppen gegen die IS-Miliz aus. Auf dem G20-Gipfel der großen Industrie- und Schwellenländer im türkischen Belek waren die Anschläge in Paris ein wichtiges Thema. Die G20-Länder beschlossen ein ganzes Paket mit Anti-Terror-Maßnahmen. So soll dem Terrorismus der Geldhahn zugedreht werden. Grenzen und Flughäfen werden strenger überwacht. Die Geheimdienste wollen enger zusammenarbeiten.

Sowohl Merkel als auch US-Präsident Barack Obama hatten während des G20-Gipfels mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über die Situation in Syrien gesprochen. Konfliktpunkt bleibt aber offenbar die Rolle des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad, der von Moskau gestützt wird.

Welche Reaktionen gibt es in der Gesellschaft?

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Anschläge von Paris: Trauer und Trotz
Ein Zeichen gegen Terrorismus setzten am Mittag Hunderttausende Europäer bei einer Schweigeminute, zu der die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union aufgerufen hatten. Das Fußballländerspiel der deutschen Nationalelf gegen die Niederlande soll am Dienstag stattfinden, um "ein Zeichen gegen den Terror" zu setzen. Abgesagt ist hingegen die ursprünglich für Sonntag angesetzte Ausstrahlung eines "Tatort" mit Til Schweiger - weil eine Szene aus dem Zweiteiler laut ARD an die Terroranschläge erinnert.

Im Netz bekämpfen Hacker den IS, indem sie IS-Accounts bei Twitter brandmarken, Websites attackieren und Daten an US-Behörden weiterleiten.

Unmittelbar betroffen sind Urlauber in Frankreich, wo derzeit Staatstrauer herrscht: Reisende müssen mit massiven Verspätungen an Flughäfen und Bahnhöfen rechnen, zudem bleiben einige Sehenswürdigkeiten geschlossen.

Video: Jagd auf Attentäter und Hintermänner

Islamistisches Propaganda-Magazin

mmq/mxw

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Fläche: 543.965 km²

Bevölkerung: 64,204 Mio.

Hauptstadt: Paris

Staatsoberhaupt:
François Hollande

Regierungschef: Manuel Valls

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