Pläne für europäische Armee Putin stichelt gegen Trump

Im Streit mit Donald Trump über eine mögliche europäische Armee erhält die EU Unterstützung von unerwarteter Seite: Russlands Präsident Wladimir Putin findet die Pläne von Emmanuel Macron nachvollziehbar.

Wladimir Putin und Donald Trump in Paris
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Wladimir Putin und Donald Trump in Paris


Mit seinem Plädoyer für mehr europäische Eigenständigkeit in der Sicherheitspolitik hat Emmanuel Macron in den vergangenen Tagen Donald Trump schwer verärgert. In einem Interview mit dem Radiosender Europe 1 hatte der französische Präsident von der Notwendigkeit einer eigenen europäischen Armee gesprochen, um sich vor äußeren Bedrohungen zu schützen.

Trump twitterte an Bord der Air Force One, dieser Vorschlag sei "sehr kränkend". Der Zwist überschattete den Besuch des US-Präsidenten in Paris zum 100. Jahrestag des Endes des Ersten Weltkriegs. Zumal Macron seine Rede zu scharfer Kritik an Trump und dessen nationalistischer Politik nutzte.

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Weltkriegsgedenken in Paris: Ernster Macron, grinsender Trump

Russlands Präsident Wladimir Putin nutzte seinen Besuch beim Weltkriegsgedenken in Frankreich zu Sticheleien gegen Donald Trump. Der Kremlchef nannte Macrons Überlegungen sinnvoll. "Europa ist eine starke wirtschaftliche Union und es ist ziemlich normal, dass Europa in Fragen der Verteidigung und Sicherheit unabhängig, eigenständig und souverän sein möchte", sagte Putin dem russischen Fernsehsender RT.

Er selbst habe auch während des Mittagessens im Élysée-Palast am Sonntag mit Trump gesprochen, sagte Putin russischen Journalisten. Das Gespräch sei "gut" gewesen. Wie lange die Unterhaltung ging und worüber beide sprachen, blieb zunächst unklar.

Ausführliches Gespräch Ende November in Argentinien

Zuvor hatte Putins Pressesprecher Dmitri Peskow gesagt, die beiden Staatschefs hätten in Paris keine Gelegenheit zu einem persönlichen Gespräch. Trump und Putin wollten ihre jeweiligen Terminpläne nicht durcheinanderbringen, außerdem hätten die französischen Gastgeber darauf gedrängt, dass kein bilaterales Treffen stattfinden solle. Stattdessen wollten beide beim G20-Gipfel ausführlich miteinander reden, der am 30. November in Argentinien beginnt.

Bei dem Treffen dürfte es auch um die Zukunft des sogenannten INF-Vertrags gehen. Die USA beschuldigen Moskau, den Vertrag verletzt zu haben und wollen ihn deshalb aufkündigen. INF steht für "Intermediate Range Nuclear Forces" und ist eine Vereinbarung aus dem Jahr 1987 zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion. Sie untersagt den Bau und Besitz landgestützter, atomar bewaffneter Raketen oder Marschflugkörper mit einer Reichweite von 500 bis 5500 Kilometern.

syd/Reuters

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missourians 11.11.2018
1.
Unabhängig von Putins Kommentar, muss die EU endlich sich von Allen emanzipieren und dazu gehört auch eine eigen EU Truppe mit hoffenltich eigenen, EU entwickelten Waffen, damit das Geld und die Arbeitsplätze in der EU bleiben!
maschinenschlosser 11.11.2018
2. Wieso beleidigt?
Die USA bekämpfen Europa wo es nur geht, Handel, Wirtschaft Umwelt, Finanzen. Sie sagen wir sollen mehr für unsere Rüstung tun, genau das schlägt Herr Macron doch vor. Was wollen die Amerikaner? Sie bestimmen die Geschicke in Europa, in der Bundeswehr sogar die Beschaffung über amerikanische Organisationen wie Mc Kinsey. Mein Eindruck ist, das sie besorgt sind, das Europa erwachsen wird.
quark2@mailinator.com 11.11.2018
3.
Das Bild ist einfach göttlich :-) ... Das Putin Macron unterstützt ist logisch ... wenn USA und EU sich entzweien wird es für RU angenehmer.
Atheist_Crusader 11.11.2018
4.
Natürlich ist es für Putin wünschenswert, dass die EU und die USA sich voneinander entfernen. Denn das Endresultat ist entweder ein schwaches Europa (wenn man keinen NATO-Ersatz auf die Kette kriegt) oder zumindest ein Europa dass nicht mehr als verlängerter Arm der USA agiert. Beides wäre für Russland vorteilhaft. Und letzteres wäre auch für Europa wünschenswert. Trump derweil begreift auch weiterhin nicht, dass Verbündete - selbst wenn man sie finanziell unterstützt (was im Falle der NATO allerdings nicht wirklich gegeben ist) - zur Sicherheit der USA beitragen - direkt, aber vor allem auch indirekt. Er behandelt Verbündete wie Leibeigene, die ihm einerseits Loyalität schulden aber andererseits für dieses "Privileg" bezahlen sollen und zerstört damit so ziemlich alle Verbindungen die seit dem Zweiten Weltkrieg errichtet wurden. Russland freut es, die Chinesen können ihr Glück kaum fassen... und Europa sollte besser den Ernst der Lage begreifen.
GustavN 11.11.2018
5.
Ich erkenne da irgendwie keine Stichelei. Das ist doch ein ganz normaler, diplomatischer Allgemeinplatz von Putin. Was soll er denn sonst sagen?
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