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Terrorermittlungen: Pariser Angreifer nutzte 20 Identitäten in sieben Ländern

Mit einem Beil bewaffnet ging ein Mann Anfang Januar auf Polizisten in Paris los. Nun wurden mehr Details über den Angreifer bekannt: Vor der Tat reiste der 24-Jährige unbemerkt unter falschen Namen durch die EU.

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AP

Polizisten in Paris: Angreifer erschossen

Der Mann, der am Jahrestag des Angriffs auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" auf Polizisten in Paris losgegangenen ist, hat vor der Tat in sieben europäischen Ländern Asyl beantragt. Der 24-Jährige habe dabei 20 Identitäten vorgetäuscht und sei strafffällig geworden, sagte der Chef des Landeskriminalamtes (LKA) Nordrhein-Westfalen, Uwe Jacob. Bislang waren der Polizei sieben Identitäten bekannt gewesen.

Den Ermittlungen zufolge war der Tunesier bereits 2011 nach Rumänien eingereist und später in sein Heimatland abgeschoben worden. 2013 soll er dann das erste Mal nach Deutschland eingereist sein. Seit 2014 lebte er als Asylbewerber im nordrhein-westfälischen Recklinghausen. In jenem Heim gab es am Freitag eine Razzia des LKA. Auch die Wohnungen von Leuten, zu denen er Kontakt hatte, seien durchsucht worden. In NRW habe er zudem eine einmonatige Freiheitsstrafe verbüßt, sagte Jacob.

Jacob kritisierte angesichts der Erkenntnisse die europäische Asyl-Datenbank Eurodac. Sie gehöre auf den Prüfstand. Der Polizei müssten außerdem alle verfügbaren Daten zur Verfügung gestellt werden, um umherreisende Straftäter erkennen zu können, sagte der LKA-Chef.

Der Tunesier war am 7. Januar, dem ersten Jahrestag des Anschlags auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo", in Paris auf zwei Polizisten zugelaufen. Er hatte "Allah ist groß" gerufen und ein Schlachterbeil gezogen. Die Beamten erschossen ihn.

Kurz nach der Tat hatten bereits erste Spuren nach Deutschland geführt, so fanden die Ermittler unter anderem eine deutsche Sim-Karte bei dem Mann. Bei seiner Tat handelte der mutmaßliche Islamist aber wohl allein. Hinweise auf ein islamistisches Netzwerk hätten sich nicht bestätigt, sagte Jacob.

Zeitgleich zur Razzia des Landeskriminalamts durchsuchten Polizisten zwei Asylunterkünfte in Recklinghausen. Dabei wurden neun Menschen festgenommen. In drei Fällen werde illegaler Aufenthalt vermutet, teilte die Polizei mit. Sechs Personen würden des Diebstahls verdächtigt. Es seien Diebesgut, Einbruchswerkzeuge und offenbar auch Drogen sichergestellt worden.

brk/dpa

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Der aktuelle Ermittlungsstand zu den Täter und Anschlägen von Paris

Fläche: 543.965 km²

Bevölkerung: 64,204 Mio.

Hauptstadt: Paris

Staatsoberhaupt:
François Hollande

Regierungschef: Manuel Valls

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