IS-Treueschwur Bekennervideo von Supermarkt-Geiselnehmer aufgetaucht

Im Web kursiert ein Bekennervideo, das den Pariser Supermarkt-Geiselnehmer Coulibaly zeigen soll. Darin übernimmt er die Verantwortung für den Anschlag - im Namen des "Islamischen Staats". Und er hat offenbar ein weiteres Verbrechen begangen.

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Hamburg - Am Sonntag ist ein Video aufgetaucht, in dem eine Person, die mutmaßlich der von der Polizei erschossene Supermarket-Geiselnehmer Amedy Coulibaly ist, Auskunft über sich und ihre Terrormission gibt. Die Behörden prüfen derzeit die Authentizität des knapp sieben Minuten langen Clips.

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Heft 3/2015
Anschlag auf die Freiheit

Coulibaly hatte am Freitag in einem jüdischen Supermarkt mehr als ein Dutzend Geiseln genommen, von denen er vier erschoss. Auch für den Tod einer Polizistin in Montrouge soll er verantwortlich sein. Es wird außerdem vermutet, dass der 32-Jährige noch einen weiteren Anschlag verübt hat: Die Staatsanwaltschaft stellte eine Verbindung zwischen Amedy Coulibaly und den Schüssen auf einen gleichaltrigen Jogger am Mittwochabend in Fontenay-aux-Roses südlich von Paris her. Das Opfer war lebensgefährlich verletzt worden.

Das Video ist aus verschiedenen Szenen in verschiedenen Settings zusammengeschnitten. Zu Beginn zeigt es, wie sich der athletische Coulibaly mit Laufen und Liegestützen für den Dschihad stählt. Über die Bilder gelegt ist ein Zitat der Koransure 8,60, in der es heißt: "Und haltet für sie bereit, was ihr an Kraft und an kampfbereiten Pferden aufbieten könnt, um damit den Feinden Allahs und euren Feinden Angst zu machen, sowie anderen außer ihnen, die ihr nicht kennt."

Der Bekenner posiert im traditionellen muslimischen Gewand vor einem weißen Laken und einem Plakat mit arabischen Schriftzeichen, später im Kampfanzug mit schusssicherer Weste, dann in schwarzer Lederjacke mit Sturmgewehr.

In Schriftzügen ist zu lesen, dass "Der Soldat des Kalifats" mit dem Kampfnamen Abou Bassir AbdAllah al-Ifriqi am 8. Januar in Montrouge "eine Polizistin exekutiert hat". Auch für die Geiselname in dem jüdischen Lebensmittelgeschäft in Porte de Vincennes im Osten von Paris sei er verantwortlich.

Treueeid auf den Kalifen

Wie bereits zuvor in einem Telefoninterview mit dem französischen Fernsehsender BFMTV erklärt Coulibaly in dem Video, er habe seine Anschläge mit den "Charlie Hebdo"-Attentätern, den Brüdern Chérif und Saïd Kouachi, "abgestimmt". "Die Brüder unseres Teams haben 'Charlie Hebdo' gemacht", sagte er weiter. "Ich bin auch ein bisschen gegen die Polizei vorgegangen", fügt er hinzu, "damit die Wirkung größer ist."

"Ich wende mich zuerst an den Kalifen der Muslime, Abu Bakr al-Bagdadi", sagte er in Anspielung auf den Chef der in Syrien und im Irak aktiven IS-Miliz. "Ich habe den Treueeid auf den Kalifen seit der Ausrufung des Kalifats abgelegt", so der Dschihadist.

Mit Blick auf Frankreich und die Franzosen hebt der mutmaßliche Attentäter hervor, die Anschläge seien "völlig legitim, wenn man sich ansieht, was sie machen". Und: "Ihr greift das Kalifat an, wir greifen euch an." Das Land ist mit Luftangriffen im Irak an der internationalen Koalition gegen IS beteiligt. Coulibalys Familie stammt aus Mali, wo Frankreich mit seinem Militäreinsatz den Vormarsch der Islamisten im Norden des Landes stoppen konnte.

Am Ende des Videos fordert Coulibaly Mitstreiter auf, seinem Beispiel zu folgen und ebenfalls Anschläge zu begehen.

Gezielt jüdische Opfer ausgesucht

Der Geiselnehmer hatte vor seiner Tötung durch die Polizei erklärt, er habe sich das jüdische Geschäft gezielt ausgesucht. Jetzt sollen jüdische Schulen und Synagogen in Frankreich notfalls von der Armee geschützt werden. Den Einrichtungen seien zusätzliche Schutzmaßnahmen zugesichert worden, sagte der Präsident des jüdischen Dachverbandes Crif, Roger Cukierman, nach einem Treffen mit Staatspräsident François Hollande. Notfalls übernehme die Armee die Schutzaufgaben der Polizei.

Frankreich hat neben der größten muslimischen auch die größte jüdische Gemeinde in Europa. Rund 550.000 Juden leben hier. Im vergangenen Jahr hat sich die Zahl antisemitischer Vorfälle mehr als verdoppelt.

ala/AFP/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 21 Beiträge
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denkdochmal 11.01.2015
1. Verantwortung?
Wie können entmenschte Gestalten wie diese von "Verantwortung" schwafeln? Sie haben abscheulicher Verbrechen begangen, somit sind sie abscheuliche Verbrecher. Nichts sonst.
question2001 11.01.2015
2. Schiere Dummheit, und...Selbstmord
Schiere Dummheit ist offenkundig ein nicht unwesentlicher Bestandteil dieser speziellen Verbrecherkarrieren. Diese lächerliche Posing macht das Geschehen noch tragsicher. Was noch keinem aufzufallen scheint ist der Fakt dass diese Leute offenbar gerne ihr Leben wegwerfen, das offenbar keinen Reiz für sie hat. Sie töten nicht nur andere sondern ja faktisch auch sich selbst. Achtung wieder: nicht weil sie hier diskriminiert werden! Denn Selbstmordattentäter, und das sind sie ja mehr oder weniger alle, gibt es in Afrika und Asien auch zur Genüge. Eine Kultur in der Liebe, unbefangene Freude und freie Kreativität offenbar einen so geringen Stellenwert haben, bietet eben wenig Aussicht auf ein reizvolles Leben. Da der Islam Selbstmord verbietet ist das eine Option, und man kann sein Geltungsbedürfnis und seinen Frust abreagieren. Ein attraktives Angebot also. Mangel an Grips und Bildung ist nicht entscheidend, da der Anteil an Leuten mit guter Ausbildung (sieh 9/11-Attentäter) etwa dem Bevölkerungsdurchschnitt entsprechen dürfte. Insofern könnte man auch mal damit aufhören Bildungsprobleme an denen auch "wir" schuld sind in den Vordergrund zu rücken.
digibkk 11.01.2015
3. Ähm
Es bekennt sich in dem Video zur der Geiselnahme und dem Mord an den Geiseln? Wie geht das den?
ToRisto 11.01.2015
4. wer sagt denn
dass nicht andere schwachköpfe das video nachträglich hergestellt haben?
ToRisto 11.01.2015
5. youtube abschalten
unsere behörden sollten endlich gegen die gewaltaufrufe und gewaltverherrlichenden sequenzen auf youtube & co. vorgehen. es widert mich an zu sehen wie diese feige fratze vin verantwortung etc schwaffelt.
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