Schmutzkampagne von Amerikas Rechten Das zweite Leid der Überlebenden

17 Menschen starben beim Highschool-Massaker in Florida. In den USA verbreitet sich eine abstruse Verschwörungstheorie: Überlebende, die jetzt gegen die Waffenlobby kämpfen, sollen Schauspieler sein.

Gedenken an die Opfer des Parkland-Massakers
AP

Gedenken an die Opfer des Parkland-Massakers


Emma Gonzalez und David Hogg haben überlebt. Als vergangene Woche ein 19-Jähriger durch ihre Schule zog und 17 Menschen tötete, kauerte Gonzalez auf dem Boden des Auditoriums. Hogg versteckte sich in einer Toilette. Den Horror dieses Tages an der Parkland-Highschool in Florida werden sie wohl nie vergessen.

Doch was bleibt, ist auch Wut. Die beiden Jugendlichen haben inzwischen ihre Stimme erhoben: Sie haben Interviews gegeben, Reden gehalten, sind im Fernsehen aufgetreten. Sie fordern schärfere Waffengesetze, gar die Ausschaltung der mächtigen Waffenlobbyorganisation NRA.

Emma Gonzalez
AFP

Emma Gonzalez

Gonzalez und Hogg sind für viele Opfer, Überlebende, die Gesichter einer neuen Protestbewegung.

Ihre Gegner sagen, sie sind Schauspieler.

In den USA passiert gerade etwas, dass es auch schon nach anderen Attentaten gegeben hat - nach dem Massaker in der Grundschule Sandy Hook, nach dem Massenmord in Las Vegas: Verschwörungstheoretiker behaupten, diese Taten seien inszeniert - oder zumindest die Überlebenden, die nun vor die Kameras treten, von jemandem engagiert.

Angebliche Inszenierung

Es gibt diese abstrusen Theorien seit Jahren. Vor allem rechte Plattformen und Akteure schüren den Verdacht, irgendwelche Mächte würden derartig brutale Fälle vorgaukeln, um ihre politische Agenda voranzutreiben - etwa US-Präsident Donald Trump zu schaden oder härtere Regeln für die Waffenindustrie durchzusetzen. Damit verbunden ist auch die Vorstellung, dass die Vereinigten Staaten in Wahrheit überhaupt kein Problem mit Waffengewalt haben.

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Florida: Tränen im Parlament

Früher waren das die Ideen einiger weniger Spinner - doch mittlerweile verbreiten sich die Verschwörungstheorien übers Internet rasend schnell.

Und sie treffen die beiden Schüler Hogg und Gonzalez mit voller Wucht. Seit Tagen kursieren auf YouTube Videos, die etwa Hogg als jemanden darstellen, der von Krise zu Krise eilt, um dort eine Rolle zu spielen. Einige dieser Filmchen wurden von Hunderttausenden Menschen gesehen. Als vermeintlichen Beleg präsentieren die Verschwörungstheoretiker etwa das Video eines TV-Senders, der Hogg im vergangenen Sommer an einem kalifornischen Strand zur Auseinandersetzung zwischen einem Rettungsschwimmer und einem Surfer interviewt hatte.

David Hogg
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David Hogg

Andere wittern ein Manöver der Geheimdienste gegen Trump, weil Hoggs Vater früher beim FBI gearbeitet hat. Echte Beweise, dass all das etwas mit dem Attentat zu tun hat, gibt es natürlich nicht.

Angriffe nehmen zu

Die Angriffe auf Hogg und Gonzalez nehmen zu. Schon Stunden nach dem Parkland-Massaker gab es etwa auf Forum "4chan" erste Beiträge, die die Berichterstattung über das Massaker infrage stellten. Kaum hatten sich erste Überlebende öffentlich geäußert, griffen andere Online-Dienste die skurrilen Zweifel auf. Die rechte Webseite Gateway Pundit nannte Hogg einen "Aktivisten", stellte das FBI-Emblem zu einem Foto von ihm - und schrieb dazu: "Enthüllt".

Schnell verbreitete sich das Gerede von "Krisenschauspielern" auch über die sozialen Netzwerke, auch über Social Bots wird laut Medienberichten Stimmung gemacht. Sogar Donald Trump Jr., der älteste Sohn des Präsidenten, verbreitete zwei Beiträge auf Twitter, die nahelegten, Hogg sei für seinen Vater im Einsatz.

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Trump trifft Schüler aus Parkland: "Ich verstehe euch"

Am Montag meldete sich ein Mitarbeiter des Republikaners Shawn Harrison bei einem Journalisten von Floridas größter Zeitung, der "Tampa Bay Times". Benjamin Kelly schrieb in einer E-Mail, die beiden Jugendlichen Gonzalez und Hogg seien "keine Schüler hier, sondern Schauspieler, die zu verschiedenen Krisenorten reisen". Die Zeitung machte die Angelegenheit öffentlich, Kelly musste seinen Posten räumen.

Doch der Fall zeigt: Die gruseligen Gedankenspiele sind längst in der Politik angekommen.

Video: Parkland-Schüler bei Donald Trump

"Dein Ruf ist fantastisch"

Möglich gemacht haben das auch Männer wie Alex Jones. Der ultrarechte Moderator ist für seine hetzerische Propaganda berüchtigt. Sein Einfluss ist kaum zu unterschätzen, über seine Radio-Show und seine Webseite erreicht er Millionen von Amerikanern. Präsident Trump selbst schmeichelte ihm einmal: "Dein Ruf ist fantastisch."

Als 2012 der Täter bei dem Amoklauf an der Sandy-Hook-Grundschule in Connecticut 20 Kinder, sechs Angestellte, seine Mutter und sich selbst tötete, sagte Jones: "Niemand ist gestorben." Die Eltern hätten den Tod ihrer Kinder inszeniert.

Was ist wahr, was nicht - vielen Menschen in den USA fällt es zunehmend schwer zwischen seriösen Berichten und Hetze zu unterscheiden. Laut Umfragen glaubt etwa die Hälfte der Amerikaner zumindest an eine Verschwörungstheorie. Noch immer kursiert etwa die Vermutung, die damalige Bush-Regierung stecke hinter den Anschlägen vom 11. September.

Emma Gonzalez und David Hogg müssen nun mit den persönlichen Attacken umgehen - und sich sogar verteidigen. Er hasse es, sagte Hogg der "Washington Post". Aber das sei eben Teil der amerikanischen Demokratie. "Bin ich ein Schauspieler? Nein. Bin ich ein Zeuge? Ja."

kev

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Seite 1
denn76 22.02.2018
1.
Das Internet, und im Speziellen Youtube, Facebook und Twitter, ist ein ekelhafter Raum für Lügen, Hetze und dümmste Verschwörungstheorien geworden. Leute, die den Mist glauben, fühlen sich in der Regel auch noch überlegen und glauben die ultimative Wahrheit zu kennen. Diskutieren ist mit denen meist auch überhaupt nicht möglich, man selbst ist ja immer das dumme Schlafschaf...
MannAusmNorden 22.02.2018
2. Peinlich... und sowas als Weltpolizei!
Ich finde es langsam einfach nur noch peinlich, wie sich einige Menschen in den USA verhalten. Verschwörungstheorien, bei denen ganze Familien den Tod eines Kindes vortäuschen? "Schonmal selbst ein Kind verloren?" möchte ich ihm ins Gesicht schreien. Leider sind in Amerika immer noch viel zu viele Menschen anhänger von Verschwörungstheorien. Und das mag vor allem an der Informationspolitik liegen, die seit einem halben Jahrhundert betrieben wird. Immer nur häppchenweise, und dann so zugeschnitten, dass es passt. Oder totschweigen. Kommt es mir nur so vor oder läuft es in Deutschland da etwas anders?
der Guru 22.02.2018
3. die Medien sind zu schnelllebig
Die Fakten interessieren kaum einen. Das Warum mit vermeintlichen Hintergründen wird schon am nächsten Tag durch die Landschaft getragen und ist wichtiger als die Tat/der Fakt selber. Da ist es doch kein Wunder dass Verschwörungstheoretiker in soviel Aufwind bekommen, wenn die Fakten (vermeintlich) so schnell unwichtig werden. Danke an dieser Stelle an Herrn Böhmermann mit seinem "Varoufake"
denny101 22.02.2018
4.
Das zeigt doch ganz deutlich, welch unbegenzte Bereitschaft zum Lügen dieses ganze rechte Ges..cks hat. Das ist der eigentliche Riss, der durch die Gesellschaft geht: schamlos und skrupellos sowohl andere als auch sich selbst belügen...
tchantchès 22.02.2018
5. Sprachlos
Man kann schon wieder garnicht soviel Liebermann zitieren...
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