Bagdad - Ministerpräsident Nuri al-Maliki kann fürs Erste wohl aufatmen. Seine Rechtsstaatsallianz konnte sich bei dem Urnengang am Sonntag in allen neun schiitischen Provinzen des Landes durchsetzen, wie am Montag aus ersten Ergebnissen hervorging. Nach Ansicht von Experten ist seine Wiederwahl dennoch fraglich, da seine Partei die Regierungsmehrheit verfehlen dürfte.
Wie die Nachrichtenagentur AFP am Montag von örtlichen Behördenvertretern erfuhr, lag die säkular auftretende Rechtsstaatsallianz in den mehrheitlich schiitischen Provinzen im Süden des Landes in Führung. Das schiitisch-sunnitische Bündnis Irakija um den früheren Regierungschef Ijad Alawi lag dagegen in den sunnitischen Provinzen Anbar, Salaheddin, Niniwe und Dijala vorne. In den mehrheitlich von Schiiten bewohnten Gegenden waren 119 Sitze zu vergeben, in den sunnitischen Provinzen 70.
In den sunnitischen Gebieten war Malikis Rechtsstaatsallianz bis auf die Provinz Dijala weit abgeschlagen. Alawis Bündnis landete den ersten Ergebnissen zufolge in den schiitischen Provinzen Muthanna, Babylon und Basra auf dem zweiten Platz, in sechs weiteren wurde es von der schiitisch-religiösen Nationalallianz überholt. In der nordirakischen Provinz Kirkuk setzte sich ebenso wie in den drei kurdischen Provinzen die Kurdische Allianz durch. Für die Hauptstadt Bagdad lagen noch keine Schätzungen vor. Die Wahlkommission wollte am Donnerstag erste Teilergebnisse bekanntgeben, das Endergebnis wurde für den 18. März erwartet.
30 Prozent für Malikis Allianz
Aufgerufen zur Wahl waren am Sonntag rund 19 Millionen Iraker. Während die Beteiligung in schiitischen Gebieten Schätzungen zufolge bei rund 55 Prozent lag, gaben in den sunnitischen Regionen bis zu 70 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Gerade die Beteiligung der Sunniten, die nach dem Sturz von Saddam Hussein im Frühjahr 2003 ihre Machtbasis verloren, gilt als entscheidend für die Fortsetzung eines Aussöhnungsprozesses im Irak.
Die hohe Beteiligung zeigte, dass sich die Iraker von den Anschlagsdrohungen des Terrornetzwerks al-Qaida nicht abschrecken ließen. Trotz strenger Sicherheitsvorkehrungen kamen bei Attentaten am Wahltag im ganzen Land 38 Menschen ums Leben.
Die Bundesregierung zeigte sich erleichtert über den Verlauf der Wahlen im Irak. Dass die große Mehrheit trotz der Anschläge an die Wahlurnen gegangen sei, sei "Ausdruck des Mutes und der Bestrebung, die irakische Demokratie zu stützen", sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in Berlin. Jetzt komme es darauf an, eine stabile Regierung zu bilden und die Institutionen weiter aufzubauen. Deutschland werde den Irak dabei gemeinsam mit den EU-Partnern unterstützen.
sev/AFP/Reuters
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