Parlamentswahlen Zapateros Sozialisten gewinnen in Spanien

Erfolg für Spaniens Regierungschef Zapatero: Seine Sozialisten haben in der Parlamentswahl über die konservative Volkspartei triumphiert. Die absolute Mehrheit verfehlten sie dabei jedoch voraussichtlich.


Madrid – Triumph für José Luis Rodríguez Zapatero: Der spanische Ministerpräsident wird im Amt bleiben. Bei den Parlamentswahlen erhielten seine regierenden Sozialisten (PSOE) die meisten Stimmen.

Zapatero: Der Sozialist kann Regierungschef in Spanien bleiben
Getty Images

Zapatero: Der Sozialist kann Regierungschef in Spanien bleiben

Nach Auszählung fast aller Stimmen lag die PSOE laut Innenministerium bei 43,7 Prozent, die konservativen Volkspartei (PP) von Oppositionsführer Mariano Rajoy nur 40,1 Prozent. Für eine absolute Mehrheit der Sozialisten reicht dieses Ergebnis trotz eines deutlichen Zugewinns an Mandaten aber nicht. Nach den vorliegenden Ergebnissen kommen die Sozialisten auf 168 Sitze (plus vier). Die absolute Mehrheit liegt bei 176 Mandaten. Die Volkspartei gewinnt 154 Mandate (plus sechs).

Am späten Abend erklärten sich die Sozialisten zum Wahlsieger. Zapatero dankte den Wählern für den "klaren Sieg". "Das spanische Volk hat deutlich gesprochen und sich für den Beginn einer neuen Ära entschieden", sagte Zapatero vor jubelnden Anhängern am Sonntagabend in Madrid. Zapatero sei nun in einer besseren Position, sagte Parteisprecher José Blanco. In den nächsten vier Jahren werde es eine neue Ära von "Veränderung und Fortschritt" geben.

Zapatero sagte, er habe bereits die Glückwünsche des unterlegenen Oppositionsführers Rajoy entgegengenommen. Rajoy sprach trotz der Niederlage von einem "exzellenten Ergebnis" seiner Partei. "Wir haben von allen Parteien am meisten Stimmen und Sitze dazugewonnen", sagte er vor der Parteizentrale in Madrid.

Die Wahlbeteiligung lag den Schätzungen des Innenministeriums zufolge bei etwa 75 Prozent und damit auf dem Rekordniveau von vor vier Jahren.

Zapatero hatte sich in den vergangenen vier Jahren von der Vereinten Linken (IU) und regionalen Parteien unterstützen lassen. Bei der Wahl wurde ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen beiden Lagern erwartet. Im Mittelpunkt des Wahlkampfs stand die sich abschwächende Wirtschaft. Wachsende Arbeitslosigkeit, hohe Inflation und ein Ende des Baubooms bedrohen das Wachstum, das in den vergangenen Jahren stets eines der höchsten in der Europäischen Union war.

Wahlkampf nach Mordanschlag frühzeitig abgebrochen

Die Parteien stritten auch über die Einwanderung. Die Konservativen warfen der Regierung vor, Spanien zu einem Magneten für Flüchtlinge gemacht zu haben. Sie wollen Einwanderer zwingen, spanische Traditionen zu respektieren und die Sprache zu lernen. Die Sozialisten kritisieren diese Haltung als fremdenfeindlich.

Nach dem Attentat auf den früheren sozialistischen Stadtrat Isaías Carrasco am Freitag brachen die beiden großen Parteien ihren Wahlkampf ab. Die Regierung von Zapatero machte die baskische Untergrundorganisation Eta für den Anschlag verantwortlich. Am Samstag nahmen bei einer Trauerfeier im Baskenland rund 3000 Menschen Abschied von dem Getöteten.

Auf einem Banner stand zu lesen: "Wir sind alle Isaias". Der 43 Jahre alte Isaías Carrasco war am Freitag von drei Schüssen getroffen worden, als er aus seinem Wagen stieg, um zu seiner Arbeit an einer Autobahnzahlstelle zu gehen. Seine älteste Tochter Sandra rief am Samstag die Menschen auf, zur Wahl zu gehen. Sie könnten so ihre Solidarität mit ihrem Vater zeigen und zugleich den Mördern demonstrieren, dass sie sich nicht einschüchtern ließen. Sie und ihre Mutter wurden von Leibwächtern begleitet, als sie am Sonntag ihre Stimmen abgaben.

als/tno/dpa/AP/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.