US-Republikaner in Cleveland Donald Trumps Festival der Lügen

Selten wurde auf einem US-Parteitag so viel gelogen wie jetzt beim Treffen der Republikaner. Das ist ganz im Sinne des frisch gekürten Präsidentschaftskandidaten - Trumps gesamter Wahlkampf fußt auf Unwahrheiten.

Trump-Video in Cleveland
REUTERS

Trump-Video in Cleveland

Aus Cleveland berichtet


Kerry Woolard ist wohl die erste Winzerin, die auf einem US-Wahlparteitag eine Ansprache zur besten Redezeit hält. Da steht sie, die Chefin der Trump Winery, in flammendem Republikaner-Rot. Vor ihr sprachen ein Gouverneur, nach ihr kommt eine Senatorin, alle reden von hoher Politik. Woolard redet von Wein.

Besser gesagt vom Weingeschäft: "Die Einnahmen sind eindrucksvoll", sagt sie. "Fast hundert Prozent Umsatzwachstum in fünf Jahren." Und das nur dank Donald Trump, der das Weingut 2011 gekauft und gerettet habe. Fazit: Trump sei "ein Visionär", der "das Leben der Menschen verbessern" werde.

Eine hübsche Geschichte. Sie hat nur einen Haken: Die Trump Winery ist weder "das größte Weingut an der Ostküste", wie Trump gerne prahlt - noch gehört sie ihm. Wie so oft leiht er nur seinen Namen. Die Kellerei selbst stellt auf ihrer Internetseite klar, sie habe "mit Donald J. Trump nichts zu tun".

Flunkern, schwindeln, schamlos lügen

Selten wurde auf einem US-Parteitag die Wahrheit so mit Füßen getreten wie bei dem Republikaner-Treffen in Cleveland. Ein Redner nach dem anderen tritt da ans Podium der Quicken Loans Arena, benannt nach einer unter Betrugsverdacht stehenden Hypothekenfirma, und beschwört eine bizarre Fantasiewelt, in der Amerika am Abgrund steht, Hillary Clinton eine Mörderin ist und Donald Trump ein ehrenwerter Geschäftsmann/Winzer. Und je schamloser die Lüge, desto lauter der Jubel der Delegierten.

Sicher: US-Wahlkämpfe sind selten Fanale der Fakten. Sogenannte Spin-Doctors manipulieren die Medien, Parteitage sind Infomercials, TV-Spots sind oft Mittel infamen Rufmords. Schon 2005 erfand Comedian Stephen Colbert den Begriff "truthiness" für George W. Bushs Halbwahrheiten.

Doch nie zuvor ging es so weit wie jetzt in Cleveland. Willkommen beim Festival der Lügen.

Der Mini-Skandal um Melania

Es ging am Montag los: Unter großem Beifall beschuldigten da zwei Ex-Marineinfanteristen die damalige Außenministerin Clinton, sie 2012 während des Terroranschlags von Bengasi eiskalt im Stich gelassen zu haben - obwohl dieses Szenario lange widerlegt sind. Sie mache Clinton persönlich dafür verantwortlich, sagte auch Pat Smith, die Mutter des in Bengasi umgekommenen Diplomaten Sean Smith.

So ging es weiter. Unter Präsident Barack Obama seien Amerikas Städte viel unsicherer geworden (das Gegenteil ist der Fall), sei die Arbeitslosenquote gestiegen (das Gegenteil ist der Fall), seien die Löhne gesunken (das Gegenteil ist der Fall).

Der bisherige Höhepunkt aber war ungeplant: Der Wirbel um Melania Trumps Lobrede auf ihren Gatten, die teils von einer Rede Michelle Obamas geklaut war. Der Mini-Skandal wäre schnell wieder abgeflaut, hätte Trumps Team nicht alles noch schlimmer gemacht: Auch am Dienstag dementierte es das klare Plagiat weiter - und verstrickte sich so noch tiefer in der Lüge.

In Cleveland offenbart sich Trumps wahre Welt

"Lügen ist seine zweite Natur", sagt Tony Schwartz, der Ghostwriter des Trump-Bestsellers "The Art of the Deal", in einem Interview mit dem "New Yorker", das diese Woche für zahlreiche Schlagzeilen sorgte. Denn Trumps kompletter Wahlkampf ist von den "Weisheiten" seines Ratgeberbuchs inspiriert - und Schwartz enthüllt nun auch diese Trump-Kreation als weitgehende Fiktion.

Trump sei ein pathologischer Lügner, sagt Schwartz: "Mehr als jeder andere hat Trump die Fähigkeit, sich selbst davon zu überzeugen, dass, was immer er auch sagt wahr ist - oder irgendwie wahr oder zumindest wahr sein sollte."

Mit Lügen wurde Trump überhaupt erst prominent

Sein Vermögen - dessen Höhe er immer skrupelloser übertreibt - beruht auf Erbschaften, öffentlichen Geldern, Seilschaften. Doch der Mythos vom Selfmade-Milliardär sitzt in den USA so tief, dass er nun die Grundlage seines Präsidentschaftsanspruchs bildet.

So begann selbst Trumps Einstieg in die Politik mit einer Lüge: Obama sei nicht in den USA geboren, behauptete er. Diese "Birther"-Legende, über Monate hinweg von Trump angefacht, wurde 2012 zur populärsten Verschwörungstheorie der Republikaner. Bis heute glaubt die Mehrheit der US-Konservativen daran.

Lügen prägen denn auch seinen aktuellen Wahlkampf - und den Parteitag. Von den mexikanischen Einwanderern, die er pauschal als Vergewaltiger diffamierte, bis hin zu diesen "einigen Leuten", die nach dem Massaker von Dallas zu einer Schweigeminute für den Attentäter aufgerufen hätten.

Die Faktencheck-Organisation PolitiFacts ermittelte, dass im bisherigen Wahlkampf nur drei Prozent der Äußerungen Trumps wahr gewesen seien.

Wie Trump auf Kritik reagiert

Doch wenn er dafür zur Rede gestellt wird, reagiert er stets gleich: Er legt noch einen drauf, bestreitet, gesagt zu haben, was er nachweislich gesagt hat, oder bezichtigt im Gegenzug andere der Lüge - vorzugsweise die Kritiker.

So nun auch bei dem Debakel um Melania Trumps partiell plagiierte Rede. Das Dementi ist jedoch diesmal so dreist, dass die US-Medien - lange die größten Trump-Fans - nicht mehr mitspielen. Gnadenlos haben sie sich in den Skandal verbissen, so dass er auch den zweiten Tag in Cleveland noch überschattet.

Na und? Trumps Ex-Rivale Ben Carson, einer der letzten Redner am Dienstag, findet es gar nicht schlimm, dass Mrs. Trump von Mrs. Obama geklaut habe: "Das ist etwas Wundervolles für Amerika", sagt er am Rande des Parteitags. "Demokraten und Republikaner haben dieselben Ideen."

Video: Auftritt Frau Trump, die Zweite

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gehirngebrauch 20.07.2016
1. all das
ist ja nichts neues im bundestag. heute gerade wieder über eine "abgeordnete" der SPD gelesen, die auch feste gelogen hat in ihrem lebenslauf. oder die vielen wahlkampflügen, versprechen und dann "vergessen". oder all die lügen, die ganze länder im nahen osten ins chaos stürzten. na und wie man hier auf kritik reagiert wissen wir auch seit einer ganzen weile, totschweigen, zensieren, mundtot machen. worüber dann bei trump aufregen ? da hat wohl eine politriege in berkin einen richtigen bammel vor diesem mann. im falle seiner wahl hieße das jafür viele: "weg vom fressnapf".
frankfurtbeat 20.07.2016
2. gleiches ...
gleiches triviales Vorgehen wie in der Türkei :-) nur eben über dem Teich. Möge sich keiner darüber ärgern was kommt - das Volk hat die Entscheidung. Schade und bitter zugleich das es auch hier mit dem Bildungsniveau nicht ganz so ist wie man es von einer Möchtegernweltmacht doch erwarten müsste. Oder vielleicht ist es genau aus diesem Grunde so?
observerlbg 20.07.2016
3. So what, the show must go on
D. Trumps Lügen sind wenigstens offensichtlich, da weiß man was man hat. Donald Trump repräsentiert die neoliberalen Vereinigten Staaten des konservativen Establishment. Und Hillery Clinton die Vereinigten Staaten des militärisch-industriellen Komplexes, vor dem schon Präsident Eisenhower gewarnt hatte. Und nun, liebe US.-Bürger, viel Spaß bei der großen Show.
olli08 20.07.2016
4. Sie sahen die Güterzüge rollen ...
... und haben doch von nichts gewusst? Es ist für (viele) Menschen nun einmal leichter, eine angenehme/passende/opportune Lüge zu glauben, möge sie auch noch so durchsichtigt sein, als die Wahrheit zu akzeptieren. Im schlimmsten Falle hat man es dann einfach nicht besser gewusst und wähnt sich fein raus ...
barrakuda64 20.07.2016
5. Fragt sich nur
WER hier lügt. Trump oder die Medien, die jeden nicht so optimalen Handgriff von Trump extrem überhöhen und versuchen, daraus jedes Mal einen Skandal zu machen. Würde man das bei Hillary Clinton machen, würde sie nicht besser dastehen. Aber sie ist ja "everybody´s darling" und um Trump zu schaden verbündet man sich sogar mit ihr. Diese Spielchen sind mittlerweile zur Genüge bekannt, ziehen aber leider bei den meisten Menschen (insbesondere den Deutschen) immer noch.
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