Erster Prozess in Russlandaffäre Am Ende geht es um Trumps Schicksal

Drei von Donald Trumps Ex-Beratern erklärten sich in der Russlandaffäre für schuldig. Nur der frühere Wahlkampfchef Paul Manafort nicht. Jetzt steht er wegen Millionenbetrugs und Geldwäsche vor Gericht.

Paul Manafort im Prozess (Gerichtszeichnung)
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Paul Manafort im Prozess (Gerichtszeichnung)

Aus Alexandria, Virginia, berichtet


Paul Manafort hat sich herausgeputzt. Bei früheren Gerichtsterminen trug er noch Sträflingsoveralls, doch jetzt, wo sein Prozess offiziell beginnt, hat er einen schwarzen Anzug an. Wobei fraglich ist, ob der feine Zwirn seiner Millionen-Dollar-Garderobe entstammt, die das FBI im September bei ihm konfiszierte.

Aufrecht und regungslos sitzt Manafort am Anklagetisch im Saal 600 des US-Bezirksgerichts in Alexandria, einem Vorort von Washington. Von hinten sind seine markanten weißen Schläfen zu erkennen. Fünf Anwälte flankieren ihn.

Manafort, 69, war mal Donald Trumps Wahlkampfchef, man erinnert sich. Nicht irgendeiner in der langen Liste geschasster Trump-Chargen. Sondern derjenige, der beim Republikaner-Parteitag im Sommer 2016 die letzten Dissidenten auf Linie brachte, damit Trump genug Delegiertenstimmen bekam, um Präsidentschaftskandidat zu werden - und Präsident.

Video: "Trumps Kampagne gegen Mueller wird immer unglaubwürdiger"

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Nach diesem Parteitagstriumph posierte Manafort vor TV-Kameras aus der ganzen Welt. Fast genau zwei Jahre später posiert er nun - unfreiwillig - im Bezirksgericht des Bundesstaats Virginia, wo er prunkvoll wohnte, bis er hinter Gittern landete, nicht mal eine halbe U-Bahnstunde vom Weißen Haus entfernt.

Drei Ex-Berater erklärten sich schuldig

Mehr als 150 Schaulustige und Reporter drängen sich in den Saal, viele müssen auf einen Reserveraum ausweichen. Darunter auch Manaforts blasse Ehefrau Kathleen, die erst im letzten Moment in der vorderen Reihe Platz nehmen darf.

Der Andrang ist verständlich: Dies ist der erste Prozess, den der Russland-Sonderermittler Robert Mueller initiiert hat. Mueller prüft Moskaus Einmischung in die US-Wahlen und den Verdacht, dass Trumps Team dabei die Finger im Spiel hatte. Drei Ex-Berater haben sich bereits schuldig erklärt. Nur einer nicht - Paul Manafort.

Viel hängt also am Verlauf dieses Prozesses. Auch wenn es hier zumindest auf dem Papier erst mal weder um Trump noch um Russland geht, sondern um Manaforts dubiose Beratergeschäfte, bevor er bei Trump anheuerte.

Paul Manafort
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Paul Manafort

Es ging um 75 Millionen Dollar

Bei diesen Geschäften - meist mit russischen Oligarchen und pro-russischen Politikern in der Ukraine - soll er bis zu 75 Millionen Dollar unter dem Tisch verdient haben.

Trotzdem: Auch wenn das direkt nichts mit Trump zu tun hat, erwuchs dieses Verfahren doch aus den Ermittlungen Muellers, bei denen der über die früheren Aktivitäten Manaforts stolperte. Sollten seine Staatsanwälte diesen Prozess gewinnen, dann kann Trump ihnen kaum mehr eine "Hexenjagd" vorwerfen.

Am frühen Morgen rollen Gerichtsdiener Dutzende Kartons voller schwarzer Aktenordner mit Handwagen in den Saal und stapeln sie hinter der Richterbank auf. Richter Thomas Ellis fasst die 32 Anklagepunkte in einer eindrucksvollen Litanei zusammen: Steuerhinterziehung, Unterschlagung von Einkommen, Bank- und Kreditbetrug. Allein die Steuervorwürfe reichen von 2010 bis 2014, danach beginnt der mutmaßliche Bankbetrug.

Nichts dürfte Zufall sein

Das Timing ist wichtig: 2014 ist nämlich das Jahr, da Manaforts Hauptfinanzier, der damalige ukrainische Präsident Wiktor Janukowytsch, ins russische Exil verjagt wurde. Um seinen luxuriösen Lebensstil in den USA beibehalten zu können, so die Anklage, habe Manafort sich fortan Millionendarlehen erschlichen. Das endete wiederum zur selben Zeit, da er zu Trump wechselte.

Nichts dürfte Zufall sein - und manches erst der Anfang einer langen Geschichte, die über die nächsten drei Wochen hier erzählt wird. Um Manaforts Exzesse zu illustrieren, führt die 37-seitige, von Robert Mueller persönlich unterzeichnete Anklageschrift penibel Buch über Manaforts Einkäufe und Ausgaben.

6,4 Millionen Dollar für Anwesen in Manhattan, Brooklyn und Virginia. 1,4 Millionen Dollar für Herrenkleidung aus New York und Beverly Hills. 934.350 Dollar für antike Teppiche, 623.910 Dollar für sonstige Antiquitäten. 820.000 Dollar für die Gärtner. 122.8256 Dollar für eine Home-Entertainment-Anlage.

"Die Anschuldigungen bedeuten keinerlei Schuldbeweis"

Einen Großteil der Gelder soll Manafort in Offshore-Konten und Schattenfirmen versteckt haben. Sein Geschäftspartner Rick Gates - den er zu Trump mitnahm - war ebenfalls angeklagt, doch der bekannte sich schnell schuldig und kooperiert nun mit Mueller. Gates soll hier als Zeuge der Anklage gegen Manafort aussagen.

Trotz dieser enormen Beweislast betont Richter Ellis die Unschuldsvermutung, als er die 65 Kandidaten begrüßt, aus denen die zwölf Geschworenen ausgesucht werden: "Die Anschuldigungen bedeuten keinerlei Schuldbeweis."

Die meisten der Geschworenen sind Weiße. Das entspricht in etwa auch den demografischen Verhältnisse dieses Bezirks. "Wir sind politisch, aber sehr liberal", versichert ein Besucher im Saal im Gespräch. Weshalb die Verteidigung versucht hatte, den Prozess in einen anderen Ort zu verlegen, doch Richter Ellis blieb hart.

Ellis, 78, ist ein alter Hase, der im Saal gerne scherzt, aber sonst nicht mit sich scherzen lässt. Er amtiert seit 1987 und hat schon mehr als 1000 Urteile gefällt. So wies er 2006 auch die Klage des Deutsch-Libanesen Khaled el-Masri, der von der CIA nach Afghanistan verschleppt worden war, gegen die US-Regierung ab.

Als Ellis die potenziellen Geschworenen aufruft, dreht sich Manafort das erste Mal um und lächelt die Männer und Frauen an. Kein Wunder: Sie könnten über den Rest seines Lebens bestimmen - und letztlich über das Schicksal Trumps.



insgesamt 78 Beiträge
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Seite 1
2wwk 31.07.2018
1. typisch Pitzke ... Unsinn
das hat nichts mit Russland Affaere zu tun. Man sollte nicht vergessen, dass Manafort mit Podesta in der Ukraine zusammen gearbeitet hat, fuer den gleichen Oligarchen. Podesta Gruppe war auch der Obama Berater fuer die Ukraine.
asdfdfdfdfdf 31.07.2018
2. Ja genau. Jetzt geht es um Trumps Schicksal
Sorry, aber ich kann das nicht mehr hören. Jeder normale Wahlkampf ist bei „you can grab them by the pussy“ vorbei. Jeder Kommentator sagt/schreibt seit Jahren, dass es jetzt aber wirklich mit Trump vorbei ist. „Jetzt ist es vorbei. Jetzt ist es auch Trumps Schicksal. Jetzt geht es um seinen Kopf.“ Jaja... es wird nichts passieren. Russland Ermittlungen? Comey Entlassung? Seine Familie bereichert sich an seiner Politik! Warum kein Einreisestopp für Saudi-Arabien? It’s all about business. Kommt da was? Es kommt nicht dabei raus. Es wird nichts passieren. No Impeachment. Nothing.
bigmitt 31.07.2018
3. Wieder mal unsauber.....
...berichtet. Gates habe sich "in der Russlandaffäre" schuldig bekannt. Dies liest sich als hätte Gates zugegeben der Trump Kampagne mit illegalen Mitteln und mit Hilfe russischer Beihilfe zum Wahlsieg zu verhelfen. Gates hat sich lediglich dazu bekannt Ermittlern die Unwahrheit gesagt zu haben, ähnlich wie bei Flynn. Der 2 . Anklagepunkt war "Verschwörung gegen die Vereinigten Staaten von Amerika " und bezieht sich auf die möglicherweise hinterzogene Steuerschuld. Oder hat der Autor diesen Anklagepunkt falsch verstanden? https://www.vox.com/policy-and-politics/2017/10/30/16570580/rick-gates-guilty-plea-deal-conspiracy-against-the-united-states-paul-manafort
meybauer 31.07.2018
4. Am Ende geht es um Trumps Schicksal!
So steht es in der Überschrift! Und dann: "Auch wenn es hier zumindest auf dem Papier erst mal weder um Trump noch um Russland geht ..." und "Trotzdem: Auch wenn das direkt nichts mit Trump zu tun hat ..." Steuerhinterziehung, Pitzke, Steuerhinterziehung! Augeflogen bei der Müller Untersuchung. Will und der "Journalist" hier was vormachen, was es garnicht so gibt?
KingTut 31.07.2018
5. Der Inhalt des Artikels
deckt sich mit der Berichterstattung in den USA. Wenn Manafort etwas weiß, das Trump belastet, dann dürfte er angesichts in Aussicht gestellten Haft von bis zu 305 Jahren sicher kooperieren. Es ist auch nicht richtig, wenn schon wieder behauptet wird, Manafort habe mit der Russland Affäre nichts zu tun. Das ist die gleiche Beschwichtigung, die das Weiße Haus betreibt: "Manafort who?" heißt es laufend, um die Rolle des früheren Wahlkampf-Chefs von Trump herunterzuspielen. Er habe nur 49 Tage für Trump gearbeitet, sagte dieser, was in CNN als Lüge entlarvt wurde. Wenn Manafort so unwichtig war, warum wurde er zu dem Treffen mit Vertretern Russlands, an dem Kushner teilnahm hinzugezogen? Man erachtete ihn damals offenbar so wichtig, dass er an dem Meeting unbedingt teilnehmen musste. Der Fall widerlegt auch jene Stimmen, die gebetsmühlenartig behauptet haben, die Ermittlungen von Robert Müller hätten noch keine Erkenntnisse gebracht. Das ist erst der Anfang. Es gibt bereits Schuldeingeständnisse mehrerer Personen. Man muss nur googeln "Mueller indictments". Da kann ich nur sagen: gute Arbeit, Mr. Mueller!
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