Republikaner im US-Wahlkampf Romney macht Paul Ryan zum Vizekandidaten

Lange wurde spekuliert, jetzt ist es offiziell: Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney macht den Kongressabgeordneten Paul Ryan zu seiner Nummer zwei. Der 42-Jährige gilt als Nachwuchsstar und Hoffnungsträger der Partei.


Washington - Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney macht den Kongressabgeordneten Paul Ryan aus Wisconsin zu seinem Vize. Die Bestätigung ließ Romney über eine eigens von seinem Team entwickelte App "Mitt's VP" verschicken. Ryan sei Romneys Kandidat, heisst es da: "Streut diese Botschaft!" Ryan meldete sich wenig später via Twitter: "Ich fühle mich geehrt, @MittRomney in Amerikas Comeback-Team zu unterstützen."

Der 42-Jährige gilt als Nachwuchsstar seiner Partei, im Repräsentantenhaus ist er der Chef des Haushaltsausschusses. Er wurde 1998 zum Abgeordneten des Repräsentantenhauses gewählt, mit gerade einmal 28 Jahren. Dort vertritt er den ersten Kongresswahlbezirk von Wisconsin. Ryan setzt sich für Steuersenkungen und Sozialkürzungen ein - und ist damit einer der Lieblingsgegner von Obamas Leuten. Als wichtigstes politisches Ziel hat Ryan immer wieder ausgegeben, eine schuldenfreie Nation an die nächste Generation übergeben zu wollen.

Im April 2011 sorgte Ryan für Aufregung, als er den republikanischen Haushaltsentwurf unter dem Titel "Der Weg des Wohlstands" ("The Path of Prosperity") vorstellte. Der Abgeordnete fordert darin dramatische Veränderungen bei der medizinischen Versorgung: Er will die staatlichen Gesundheitsprogramme für arme und ältere Menschen kürzen und teil privatisieren, was die Demokraten empört. Obama kritisierte Ryans Plan als "kaum verschleierten Sozialdarwinismus", wie "USA Today" schrieb.

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US-Wahlkampf: Paul Ryan - der Mann an Romneys Seite
Romney versteht sich persönlich außerordentlich gut mit Ryan, im Wahlkampf erschienen sie nahezu wie Vater und Sohn. Nun wollen die beiden das Demokraten-Duo Barack Obama und Joe Biden bei den Wahlen im November schlagen. Ryan ist Katholik, verheiratet und hat eine Tochter und zwei Söhne mit seiner Frau Janna. Nach seiner größten Schwäche gefragt, sagte Ryan dem Blog "Politico", er trinke "zwei Tassen Kaffee jeden Morgen". Dieses Laster unterscheidet ihn von Romney: Der darf aus Glaubensgründen kein Koffein konsumieren, er ist Mormone.

Der Präsidentschaftskandiat will seine Nummer zwei gegen 15 Uhr deutscher Zeit bei einer Wahlkampfveranstaltung in Norfolk im Bundesstaat Virginia persönlich bekanntgeben. Das soll an Bord des US-Kriegsschiffs "USS Wisconsin", das im Zweiten Weltkrieg eingesetzt worden war, geschehen.

Die Nominierung zu diesem Zeitpunkt ermöglicht es Romney, seinen Vize mit auf eine wichtige Wahlkampftour in die Bundesstaaten Virginia, North Carolina, Florida und Ohio mitzunehmen. Dort hatte Präsident Obama bei den Wahlen 2008 gewonnen. Die Staaten dürften bei den Wahlen im November besonders umkämpft sein.

In den vergangenen Wochen hatte es in den USA immer wieder Spekulationen um die Personalie gegeben. In einem Interview mit NBC hatte Romney am Donnerstag gesagt, er suche einen "running mate" mit einem "starken Charakter" und "einer Vision, die etwas zum politischen Diskurs über die Richtung des Landes beiträgt". Ein Wahlkampf mit Ryan als Vizekandidat der Republikaner könnte zu einer Grundsatzdebatte über die Zukunft der US-Haushaltspolitik führen.

Neben Ryan wurden diverse Namen gehandelt: der frühere Gouverneur von Minnesota, Tim Pawlenty, Senator Rob Portman aus Ohio und der Gouverneur von Virginia, Bob McDonnell. Auch die Namen von Senator Marco Rubio aus Florida und dem Gouverneur von Louisiana, Bobby Jindal, wurden als mögliche Kandidaten ins Spiel gebracht. Romney soll Ende August auf dem Parteitag der Republikaner in Tampa im Bundesstaat Florida offiziell zum Herausforderer von Obama gewählt werden.

heb/Reuters/AP/AFP

insgesamt 65 Beiträge
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Rheinwein, 11.08.2012
1. Wen interessiert das?
Ob sich irgendein Amerikaner wohl dafür interessiert, wen Rot-Grün im Wahlkampf als Vizekanzler präsentiert? Leben wir in einer Kolonie?
kotangens 11.08.2012
2. Soweit ich weiß ...
...möchte Ryan vor allem die diskretionären, ad hoc orientierten, Ausgabenspielräume der Bundesregierung kappen. Da wären alle Etats von betroffen, nicht nur Soziales. Medicaid und Medicare möchte Ryan meines Wissens sogar ausbauen.
ulli7 11.08.2012
3. Paul Ryan will Rad der US-Geschichte zurückdrehen
"Zudem sieht der Plan (von Paul Ryan) eine Senkung des Spitzensteuersatzes vor sowie Kürzungen von Transferleistungen bei gleichzeitiger Erhöhung des Militärbudgets." (aus WIKIPEDIA) Jetzt kommt es auf die Intelligenz der amerikanischen Wähler(innen) an !
veto111 11.08.2012
4. In Ding-Dong ist Sack Kartofel umgefallen
Zitat von sysopAPLange wurde spekuliert, jetzt hat sich der designierte republikanische US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney festgelegt: Paul Ryan soll seine Nummer zwei werden. Der 42-Jährige ist Chef des Haushaltsausschusses im Kongress. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,849476,00.html
Und das ist viel interessanter.Liebe Leute,wir Europäer haben doch genug unseren Sorgen.Selbst wenn der M.Romney bereits gewählt wäre, wen jukt's schon wer sein Vice wird.
h.hass 11.08.2012
5. .
War ja klar, dass Mitt einen auserwählen würde, dessen einziges Ziel es ist, mehr Kohle von unten nach oben zu schaufeln. Kann es wirklich sein, dass die Amis solche Figuren ins Weiße Haus wählen?
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