Petraeus-Affäre: Die Unwiderstehliche

General David Petraeus galt als Muster-Militär: kühl, asketisch, ein perfekter Ehemann. Jetzt stürzte dieser amerikanische Held über eine Affäre. Seine Biografin Paula Broadwell, so heißt es in Washington, war seine Geliebte. Die attraktive Elitesoldatin war ihm bis nach Afghanistan gefolgt - nun gelten beide als Sicherheitsrisiko.

AP/ The Charlotte Magazine

Hamburg - David Petraeus hat sich im Laufe seiner Karriere eine lange Reihe von Auszeichnungen und Ehrungen erarbeitet. Doch was illustre Titel betrifft, kann Paula Broadwell mithalten: Sie war Fitness-Ass an der Elite-Militärakademie West Point, Ballkönigin und Abschlusslaudatorin an der Highschool, Studentensprecherin und Model für einen Maschinengewehr-Hersteller. Nun aber gilt Broadwell vor allem als die Frau, die einen amerikanischen Helden zu Fall brachte.

Petraeus, am Freitag zurückgetretener CIA-Chef und Ex-General, musste seine Karriere beenden. Offiziell, weil er eine Affäre hatte. Broadwell sei die Frau gewesen, für die der asketische Soldat nach fast 40 Jahren seine Ehe - und seine politische Laufbahn - aufs Spiel setzte, berichteten Informanten mehreren US-Medien.

Dass die beiden sich sehr gut kannten, ist keine Überraschung. Denn Broadwell hat eine enthusiastische Biografie über Petraeus verfasst. "All In: The Education of General David Petraeus", lautet der Titel. Der heute 60 Jahre alte Vier-Sterne-General gewährte der 20 Jahre jüngeren Soldatin ungewöhnliche Einblicke in sein Leben.

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David Petraeus: Sturz des Vorzeige-Generals

Broadwell, die mit einem Radiologen verheiratet ist und zwei Söhne hat, quartierte sich ab Sommer 2010 für ein gesamtes Jahr in Afghanistan ein, um ganz in der Nähe des damaligen ISAF-Kommandeurs zu sein.

Auf die Idee, dass sie und Petraeus eine Affäre haben könnten, ist wohl kaum jemand gekommen. Er ist seit 37 Jahren verheiratet und hat mit seiner Frau Holly einen Sohn und eine Tochter. Der Ex-General hatte zudem den Ruf eines Asketen, nicht eines Casanovas. Alkohol war für ihn angeblich tabu, Schlaf wurde auf wenige Stunden reduziert, jeden Tag stand Sport auf dem Programm.

Gemeinsame Läufe in der Höhenluft Afghanistans

Im Nachhinein wirkt Broadwell, Reserveoffizierin der US-Streitkräfte mit akademischer Laufbahn, da wie das perfekte Pendant: Wie Petraeus absolvierte sie eine militärische Laufbahn, an der Elite-Akademie West Point war sie in ihrem Jahrgang Fitness-Champion. Selbst im Vergleich mit den männlichen Kollegen habe sie zu den sportlichsten Absolventen gehört, berichtete Broadwell einem Journalisten. Sie arbeitete für Spezialeinheiten. Gespräche führte sie mit Petraeus, während beide in der Höhenluft Afghanistans Läufe absolvierten, wobei sie angeblich pro Meile nur sechs Minuten brauchten schrieb die "New York Times".

Man stellt sich eine breitschultrige, robuste Amazone vor. Doch als Broadwell in der beliebten US-Satire-Show von Jon Stewart ihr 2011 erschienenes Buch vorstellte, schwebte eine gutaussehende schlanke, hochgewachsene, dunkelhaarige Frau in einer schwarzen Neckholder-Bluse auf die Bühne. Schmale Schultern, schlanke, wohldefinierte Arme, Hochsteckfrisur. Perfekt gestylt forderte sie den Moderator zu einem Liegestütz-Wettbewerb heraus - und schlug ihn natürlich. Eine Überfliegerin.

Von Petraeus' Familie gibt es ein Bild, wie sie den General auf einem Rollfeld begrüßt. Seine Frau Holly - mit grauem Haar, Pagenfrisur, randloser Brille und etwas untersetzt - lässt sich vom Ehemann küssen, der dabei noch Sohn und Tochter mit den Armen umschließt.

Warum hielt das FBI seine Informationen so lange zurück?

Ersten Informationen zufolge war es nicht die Familie, die der Affäre des CIA-Chefs nun auf die Schliche kam. Aus Kreisen des FBI wurde bekannt, dass Ermittler den E-Mail-Verkehr des 60-Jährigen überwacht hatten. Er soll Hunderte Liebesmails von seinem privaten Account geschrieben haben. Das Verhalten des CIA-Direktors bedeutete einen klaren Verstoß gegen Sicherheitsregeln und hätte für die USA ein Sicherheitsrisiko bedeutet, wenn feindliche Mächte von der Affäre gewusst hätten. Es ist nun sogar möglich, dass Petraeus sich vor einem Militärgericht verantworten muss.

Auch wenn Petraeus sich zu einer Affäre bekannt hat, einige Fragen bleiben. Die "New York Times" weist darauf hin, dass das FBI seine Informationen offenbar lange zurückhielt - der US-Senat wurde erst diese Woche von der Petraeus-Affäre in Kenntnis gesetzt. Der zuständige Senatsausschuss habe bereits eine Untersuchung angekündigt.

Aus einem Test wurde mehr

Petraeus und Broadwell sollen sich 2006 erstmals begegnet sein. Er hielt einen Vortrag an der Harvard's Kennedy School of Government, einer Graduiertenschule, an der Broadwell ihren Master machte. Sie habe ihn angesprochen, er habe ihr seine Karte gegeben, schreibt Broadwell im Vorwort der Biografie.

Sie begann, ihre Doktorarbeit über "transformative Führung und organisatorische Neuerungen" am Beispiel von Petraeus zu verfassen. 2010 beschloss Broadwell, ein Buch daraus zu machen. Sie schrieb Petraeus eine Mail, dass sie ihn begleiten wolle, erzählte sie TV-Moderator Jon Stewart. "Ich bin mir nicht sicher, ob er mich ernst nahm, aber ich tauchte in Afghanistan auf."

Die gemeinsamen Langstreckenläufe seien eine gute Gelegenheit für Gespräche gewesen, erzählte sie: "Ich dachte, ich teste ihn mal, aber dann testete er mich. Am Ende war es für uns beide eine Prüfung, denn wir rannten sehr schnell. Das war der Ausgangspunkt unserer Beziehung."

Er habe sie als "ehrgeizige Schülerin" betrachtet, schrieb sie in ihrem 400-Seiten-Buch. Darin macht Broadwell aus ihrer Begeisterung für Petraeus keinen Hehl. Vor Fernsehpublikum gab sie sich ironisch. Als Moderator Stewart sie fragte, ob der General denn nun nur überwältigend oder unglaublich überwältigend sei, gab sie zurück: "Ich verrate Ihnen mal was: Er kann Wasser in abgefülltes Wasser verwandeln."

Egal, ob nun die Affäre mit Broadwell oder ein anderer Anlass der Grund war: Petraeus' Karriere ist ruiniert. Er bemüht sich nun offenbar, zumindest privat zu retten, was zu retten ist. In ungelenker Ausdrucksweise entschuldigte er sich: Er habe mit der Affäre ein "extrem schlechtes Urteilsvermögen bewiesen".

Das klingt nicht nach Happy End für ihn und Broadwell. Diese hatte vor Auffliegen der Affäre einmal gesagt, Familie sei ihr das Wichtigste. Sie sei eine "soccer mum" - eine leidenschaftliche Mutter. Nun schweigt sie. Als Reporter an ihrem Haus in Charlotte klingelten, blieb alles dunkel.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, Petraeus und Broadwell hätten in Afghanistan Sechs-Meilen-Läufe absolviert. Korrekt zitiert muss es aber heißen, dass sie pro Meile nur sechs Minuten brauchten. Wir bitten die Unklarheit zu entschuldigen.

mmq

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insgesamt 128 Beiträge
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1. Das ist beste Satire
chagall1985 10.11.2012
Wer kühl und rational killt ist ein Held! Wer vögelt ist ein Sicherheitsrisko! Make War not Love!
2. optional
Deepthought42.0815 10.11.2012
Soldaten können nie (menschliche) Elite sein, auch Frau Broadwell nicht. ;-)
3. Naja, P. pflegte Befehle zu erteilen
bold_ 10.11.2012
und erwartete deren augenblickliche Befolgung. Außerdem hat er ungeduldig auf sofortige Erfolge gedrängt. Bei Soldaten mag das funktionieren, aber so etwas kommt bei einem Apparat wie der CIA gar nicht gut an. Seine Affäre ist nur vorgeschoben - so, wie man "gesundheitliche" Probleme angibt bei Leuten, die gegangen werden. Phyisch krank sieht der nicht aus.
4. Ne oder?
Talan068 10.11.2012
Lieber SPON, ich habe den Bericht gar nicht gelesen. Aber das ist nicht euer Ernst, oder? Das ist der neue Leitartikel? Vielen Dank für den unerwarteten Lacher!
5. Hauptsache aus den USA kommt irgendwas.
prince62 10.11.2012
Zitat von panzerknacker51Nun langst es aber; der dritte Artikel zu dieser privaten Entgleisung eines Uniformträgers in so kurzer Zeit. Nebenbei bemerkt kann man den Mann verstehen, wenn man die schnuckelige Dame mit seiner Ollen vergleicht ...
.... wäre auch sonst nicht erwähnenswert, wenn es nicht in den USA laufen würde, denn "Nachrichten" aus den USA haben in Deutschland automatisch als Top-Schlagzeilen zu gelten.
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