Lagos - Seit Wochenbeginn protestiert die Bevölkerung Nigerias gegen die sprunghaft angestiegenen Benzinpreise, bei Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten kamen bisher mindestens fünf Menschen ums Leben. Nun gibt es zumindest für die kommenden Tage Entwarnung: Eine der größten Gewerkschaften des Landes, der "Nigerian Labour Congress" (NLC), will den Streik für zwei Tage unterbrechen. Die Bevölkerung solle ein "entspanntes" Wochenende genießen, sagte NLC-Chef Abdulwaheed Omar am Freitag vor Demonstranten in Abuja.
Durch die Pause solle zudem die Anreise der Verhandlungsführer zu Gesprächen mit Präsident Goodluck Jonathan am Samstag in Abuja ermöglicht werden. "Wenn bis Montag nichts geschieht, dann wird es zur Mutter aller Streiks kommen", sagte Omar.
Die Regierung von Jonathan hat zu Jahresbeginn die Benzinsubventionen abgeschafft. Die Preise verdoppelten sich über Nacht, seit Anfang Januar stiegen sie von umgerechnet 35 Cent auf 74 Cent pro Liter. Die meisten Nigerianer leben von etwa 1,50 Euro am Tag. Mit der Preissteigerung fiel für viele von ihnen der einzige Vorteil weg, den sie aus dem Ölreichtum des Landes ziehen können - das Opec-Mitglied gehört zu den größten Ölförderern Afrikas.
Durch den Streik wollen die Arbeiter nun erreichen, dass die Regierung die Streichung der Benzinzuschüsse - die mehr als zwei Jahrzehnte galten - wieder zurücknimmt. In Folge der Proteste verschlechterte sich die Versorgungslage im bevölkerungsreichsten Staat Afrikas. Die Transportkosten schossen in die Höhe und mit ihnen die Preise für Lebensmittel. In einigen Teilen des Landes übernahmen Jugendbanden die Kontrolle von einzelnen Straßenzügen.
Präsident Jonathan hat es bisher strikt abgelehnt, seine Entscheidung zu überdenken. Dabei steht er auch in anderen Fällen unter Druck: Ihm wird vorgeworfen, die zunehmend gewalttätigen Islamisten im Norden nicht unter Kontrolle bringen zu können. Die Sekte Boko Haram verübte Heiligabend ein Attentat auf eine Kirche, bei dem mindestens 37 Menschen ums Leben kamen. Laut Jonathan verfügen die Islamisten auch in seiner Regierung über Unterstützer.
aar/AFP/dapd/dpa
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