Pazifik-Gipfel Perus Präsident warnt Trump vor Abschottung

Auf dem Wirtschaftsgipfel in Lima debattieren Regierungschefs die Zukunft des globalen Freihandels. Perus Präsident warnt nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten vor weltweitem Protektionismus.

Perus Präsident Pedro Pablo Kuczynski
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Perus Präsident Pedro Pablo Kuczynski


Angesichts der Skepsis des designierten US-Präsidenten Donald Trump gegenüber der Globalisierung hat Perus Präsident zum Start des Pazifik-Gipfels vor Protektionismus gewarnt. Die US-Wirtschaft dürfe sich nicht abschotten, sagte Pedro Pablo Kuczynski zur Eröffnung des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (Apec) in Lima. Es sei wichtig, "dass der Welthandel wieder wächst und dass Protektionismus besiegt wird", sagte er. Vom Apec-Gipfel müsse eine "sehr starke Botschaft" für den Freihandel ausgehen, forderte Kuczynski.

In seinem Wahlkampf hatte sich Trump sehr skeptisch gegenüber Freihandelsabkommen geäußert. Geplante Freihandelsabkommen wie das zwischen den USA und der EU (TTIP) oder das zwischen Amerika und Asien (TPP) lehnt er ab. Darüber hinaus will er die US-Wirtschaft mit hohen Strafzöllen etwa gegenüber Konkurrenz aus China schützen.

Im Fokus des Pazifik-Gipfels, an dem 21 Staaten teilnehmen, steht daher die Frage, was aus der 2015 beschlossenen, weltweit größten Freihandelszone - dem TPP-Bündnis im Asien-Pazifikraum - werden soll. Leider seien sowohl in den USA als auch in Großbritannien protektionistische Kräfte auf dem Vormarsch, sagte Kuczynski am Freitag vor seinen Apec-Kollegen in Lima. Ausdrücklich warb der peruanische Präsident für das transpazifische Handelsabkommen TPP. Der Vertrag zwischen zwölf Pazifik-Anrainerstaaten soll eigentlich noch vor Ende der Amtszeit von US-Präsident Barack Obama im Januar vom Kongress in Washington ratifiziert werden.

Der US-Handelsbeauftragte Michael Froman versuchte die Apec-Delegierten zu beruhigen. Die Präsidentenwahl in den USA sei erst zehn Tage her, sagte er in Lima. Die neue Regierung brauche jetzt erst einmal Zeit, um den Übergangsprozess zu Ende zu bringen und erste Entscheidungen zu treffen. Froman sagte, dass "Untätigkeit erhebliche Kosten" verursachen werde. Er verwies auf eine neue Studie, wonach ein Scheitern des TPP-Abkommens die USA allein im ersten Jahr rund 94 Milliarden Dollar (88,8 Milliarden Euro) kosten würde.

Mögliches Zusammentreffen von Obama und Putin

Auf dem Wirtschaftsgipfel in Lima, der letzten Station der Auslandsreise des bisherigen US-Präsidenten Barack Obama, wird mit Spannung auch ein Zusammentreffen mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin nach dem Zerwürfnis wegen des Syrien-Kriegs erwartet. Ein bilaterales Gespräch war zunächst nicht geplant, eine kurze Begegnung gilt aber als möglich. Beide wollen im Rahmen des Wirtschaftsforums reden. Ebenso nimmt Chinas Staatschef Xi Jinping am Gipfel teil.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte zuvor Obamas Ratschlag an Nachfolger Donald Trump scharf kritisiert, nicht auf Schmusekurs zu Moskau zu gehen. "Die russisch-amerikanischen Beziehungen sind schlecht. Wenn Präsident Obama möchte, dass dies so bleibt, ist dies vermutlich nicht im Interesse der amerikanischen Bevölkerung", sagte er im Staatsfernsehen. Obama hatte seinen designierten Nachfolger vor einer zu großen Annäherung an Putins Russland gewarnt. Trump solle sich nicht auf Deals einlassen, die dann zu Nachteilen etwa für kleinere Länder in Konfliktregionen führen könnten.

Zugleich hatte Obama für Nato und EU geworben. "Wenn wir kein starkes transatlantisches Bündnis haben, werden wir unseren Kindern eine schlechtere Welt hinterlassen." Ohne Trumps Namen zu nennen, sagte der US-Präsident: "Wenn man nicht seriös ist in diesem Job ist, dann hat man ihn vermutlich nicht lange."

Interessant dürfte in Lima auch der Auftritt des populistischen Präsidenten der Philippinen, Rodrigo Duterte, werden. Er hatte Obama als "Hurensohn" beschimpft. Bei Trump hört sich das anders an: Dem gratulierte Duterte sofort. Andere Apec-Länder wie Südkorea befürchten ein geringeres US-Engagement unter Trump im Kampf gegen das Streben Nordkoreas nach der Atombombe.

kig/AFP/dpa/Reuters



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