Peinlicher Versprecher Palin verbündet sich versehentlich mit Nordkorea

Nächster Fauxpas von Sarah Palin: Ausgerechnet in der Radiosendung ihres erzkonservativen Verbündeten Glenn Beck leistete sie sich einen peinlichen Versprecher zum Thema Korea-Krise - der Spott ließ nicht lange auf sich warten.

Palin bei einer Buchvorstellung in Phoenix, Arizona: Peinlicher Patzer in Radiosendung
dpa

Palin bei einer Buchvorstellung in Phoenix, Arizona: Peinlicher Patzer in Radiosendung


Phoenix - Für unglückliche Äußerungen in Bezug auf Außenpolitik ist Sarah Palin bekannt. Als Vizepräsidentschaftskandidatin wurde sie 2008 nach ihrer außenpolitischen Kompetenz in Bezug auf Russland gefragt. Die Antwort: Man kann Russland von Alaska aus sehen. Die Komikerin Tina Fey machte in ihrer Parodie daraus den Satz: "I can see Russia from my house" - ein Bonmot, das weltweit Kultstatus erlangte.

Nun hat Palin den Kritikern erneut einen Grund geliefert, an ihrer Kompetenz zu zweifeln. In der Radiosendung von Glenn Beck - wie Palin eine Ikone der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung - wurde die 46-Jährige gefragt, wie sie als mögliche Präsidentin mit einer Situation wie der aktuellen Krise in Korea umgehen würde. Palin äußerte zunächst Zweifel, dass die Regierung Obama das Richtige tun werde, und dann folgte der Satz:

"Aber natürlich müssen wir unseren nordkoreanischen Verbündeten beistehen. Wir sind vertraglich daran gebunden. Wir sind auch daran gebunden... "

Ein Kollege von Beck unterbricht: "Südkorea".

Palin fährt anscheinend unbeirrt fort: "Ja, und wir sind auch durch Vernunft daran gebunden, an der Seite unserer südkoreanischen Verbündeten zu stehen."

Das Interview lässt sich auf der Homepage der Sendung nachhören und nachlesen.

Die USA gelten als wichtigster Verbündeter Südkoreas und haben den jüngsten Artillerieangriff des kommunistischen Nordens am Dienstag auf das Nachbarland scharf verurteilt. Nach dem Granatenbeschuss droht Nordkorea mit weiteren Angriffen. Ohne zu zögern, werde die Volksarmee "eine zweite und dritte Runde von Vergeltungsschlägen ausführen, sollten Kriegstreiber in Südkorea erneut rücksichtslos militärisch provozieren", teilte das das Regime am Donnerstag mit. Südkorea kündigte an, die Streitkräfte auf seinen fünf Inseln nahe der umstrittenen Seegrenze im Gelben Meer zu verstärken.

Bei dem nordkoreanischen Angriff wurden vier Menschen getötet, darunter auch zwei Zivilisten. Nach südkoreanischen Angaben feuerte Nordkorea mehr als 170 Geschosse. Davon seien 80 auf der nahe der Seegrenze im Gelben Meer liegenden Insel Yeonpyeong eingeschlagen. Südkorea habe das Feuer erwidert. Das Gefecht dauerte danach rund eine Stunde. Zahlreiche Gebäude wurden zerstört oder beschädigt.

"Unsere Verbündeten in North Dakota"

Die neuen Drohungen Nordkoreas kamen einen Tag, nachdem die USA und Südkoreas ein weiteres Seemanöver im Gelben Meer angekündigt hatten, um militärische Stärke zu demonstrieren. Zu der von Sonntag bis Mittwoch geplanten Übung schicken die Vereinigten Staaten ihren atombetriebenen Flugzeugträger "USS George Washington".

Palins Ausführungen lassen indes keinen Zweifel zu, dass sie sich nur versprochen hat - doch als mögliche Präsidentschaftskandidatin ist ein solcher Fauxpas gerade in der aktuell sehr angespannten Situation unglücklich.

Natürlich ließ die Häme nicht lange auf sich warten. Twitter-User "chriistiineeee" spottet: "I wonder if Sarah Palin can also see North Korea from her Window" ("Ich frage mich, ob Sarah Palin Nordkorea von ihrem Fenster aus sehen kann"). Und User "Cory Frye" ätzt ironisch: "Like the brave Sarah Palin, I, too, support our allies in North Dakota" ("Wie die tapfere Sarah Palin unterstütze auch ich unsere Verbündeten in North Dakota").

Zum Zeitpunkt des Interviews war Palin gerade in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona. Dort präsentierte sie ihr neues Buch "America by Heart: Reflections on Family, Faith and Flag" - ein Pamphlet, das sich wie eine Bewerbung für die Präsidentschaftswahl 2012 liest. Die Republikanerin und frühere Gouverneurin von Alaska steht an der Spitze der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung, sie gilt als deren Hoffnungsträgerin - und daran wird auch der jüngste Patzer wenig ändern.

hut/dpa

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