Anschlag in Peking Chinas Polizei fahndet nach Uiguren

Was steckt hinter dem mysteriösen Unfall mit fünf Todesopfern auf dem Tiananmen-Platz? Chinesische Behörden gehen offenbar von einem Selbstmordanschlag aus. Berichten zufolge verdächtigen sie zwei Uiguren - und ermahnten örtliche Hotels zu erhöhter Wachsamkeit.

Rauch über dem Tiananmen-Platz: Suche nach mutmaßlichen Attentätern
REUTERS

Rauch über dem Tiananmen-Platz: Suche nach mutmaßlichen Attentätern


Peking - Ein rätselhafter Vorfall auf dem zentralen Tiananmen-Platz sorgt für Anspannung in Peking. Einen Tag, nachdem ein Auto vor der Verbotenen Stadt in eine Menschenmenge gerast war, fahnden chinesische Behörden Berichten zufolge nach zwei Männern mit uigurischen Nachnamen aus der Unruheprovinz Xinjiang. Bei dem Zwischenfall am Montag waren die drei Insassen des Wagens sowie zwei Touristen ums Leben gekommen und 38 Menschen verletzt worden, wie die Polizei mitteilte.

Ein schlichter Verkehrsunfall? Oder eine politische Aktion? Inzwischen gehen die Behörden von einem Selbstmordanschlag aus, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. "Es sieht nach einem geplanten Selbstmordanschlag aus", zitiert die Agentur eine mit den Ermittlungen vertraute Person. "Das war kein Unfall. Der Geländewagen durchbrach Barrikaden und steuerte in die Passanten. Die drei Männer hatten keine Absicht zu fliehen." Es werde jedoch weiter ermittelt. Die Identitäten jener drei Personen, die sich zum Zeitpunkt des Unfalls im Wagen befanden, seien noch ungeklärt.

In einer Mitteilung an Hotels in der Stadt erfragten die Ermittler laut der Nahrichtenagentur AP Informationen über zwei Männer, einen Geländewagen sowie vier Nummernschilder aus der westchinesischen Provinz Xinjiang. In Xinjiang gibt es seit Jahrzehnten Spannungen zwischen der ethnischen Minderheit der Uiguren und der zugezogenen Han-Bevölkerung. Ein Polizeisprecher bestätigte die Anfrage gegenüber der staatlichen Zeitung "Global Times", aber äußerte sich nicht, ob sie mit dem Vorfall vom Montag in Zusammenhang steht.

Der Fall wirft auch ein Schlaglicht auf die zweifelhafte Informationspolitik der chinesischen Führung. Die Medien berichteten äußerst zurückhaltend über den tödlichen Vorfall. Er wurde meist nur auf dem unteren Teil der Titelseiten erwähnt. Praktisch alle Zeitungen druckten dabei den Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua, der sich auf den Rettungseinsatz konzentrierte und nicht auf die möglichen Hintergründe des Vorfalls einging.

Platz ist einer der bestbewachten Orte Chinas

Die ersten Nachrichten waren am Montag - wie üblich - über Chinas Kurznachrichtendienst Sina Weibo bekannt geworden. Um etwa 12.05 Uhr (Ortszeit) war ein Geländewagen auf dem Vorplatz zum Eingang der Verbotenen Stadt gegen eine Steinsäule geprallt und in Brand geraten. Passanten posteten Handy-Fotos, die eine Rauchsäule über dem Tiananmen-Platz zeigten. Sofort aber wurden diese Bilder und alle Posts, die sich auf den Vorfall bezogen, aus dem Netz gelöscht.

Ausländische Journalistenbüros erhielten Anrufe von Beamten der Öffentlichen Sicherheit, die sich erkundigten, ob die Korrespondenten planten, über den Vorfall zu berichten. Gleichzeitig wurden die U-Bahn-Station Tiananmen-Ost geschlossen und die Umgebung des Unfallorts weiträumig abgesperrt. Touristen, die die Verbotene Stadt besuchen wollten, wurde mitgeteilt, Pekings wichtigste Attraktion sei für den Rest des Nachmittags geschlossen. Zwei AFP-Reporter wurden vorübergehend festgenommen. Vor ihrer Freilassung wurden Bilder von ihren Kameras gelöscht.

Der Eingang zur Verbotenen Stadt ist einer der politisch sensibelsten und deshalb bestbewachten Orte Chinas. Vom Balkon des großen roten Torbogens, auf dem immer noch sein Bild prangt, rief Mao Zedong 1949 die Volksrepublik China aus. 40 Jahre später, am 4. Juni 1989, versammelten sich gegenüber auf dem Platz des Himmlischen Friedens Tausende Studenten, um gegen Korruption und für mehr Meinungsfreiheit zu demonstrieren.

Seither patrouillieren Tag und Nacht Dutzende Sicherheitsleute in Uniform und Zivil. Auf den zahlreichen Laternenmasten sind Hunderte von Videokameras angebracht. Trotzdem kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu kleinen Demonstrationen, die allerdings binnen Minuten von Beamten der Öffentlichen Sicherheit im Keim erstickt wurden.

vme/Reuters/dpa

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insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
osmanian 29.10.2013
1. Uiguren
So wie die Kurden es geschafft haben, werden auch die Uiguren mit Geduld ihre Rechte nach und nach bekommen.
alexkie 29.10.2013
2. Möglicherweise ein Missverständnis:
Zitat von osmanianSo wie die Kurden es geschafft haben, werden auch die Uiguren mit Geduld ihre Rechte nach und nach bekommen.
Sie sprechen hier von Gewalt in Form von Selbstmordanschlägen? Gott behüte.
matz-bam 29.10.2013
3. ja, eine welle
Zitat von osmanianSo wie die Kurden es geschafft haben, werden auch die Uiguren mit Geduld ihre Rechte nach und nach bekommen.
selbst hier in der eifel findet das streben nach unabhängigkeit täglich neue mitstreiter.
jb283 29.10.2013
4. optional
" Tödlicher Zwischenfall in Peking: Chinas Polizei fahndet nach Uiguren Was steckt hinter dem mysteriösen Unfall mit fünf Todesopfern auf dem Tiananmen-Platz? Chinesische Behörden gehen offenbar von einem Selbstmordanschlag aus. Berichten zufolge verdächtigen sie zwei Uiguren - und ermahnten örtliche Hotels zu erhöhter Wachsamkeit." Nur damit ich den Zusammenhang hier richtig verstehe: die chinesische Polizei fahndet nach 2 Uiguren, die einen Selbstmordanschlag verübt haben??
wwwwalter 29.10.2013
5. Wie lächerlich
Die Bilder der Journalisten zu löschen ist wirklich komplett lächerlich. Das geht heutzutage in Echtzeit ins Netz. Keine Staatsmacht der Welt wird solche Fotos mehr stoppen können. Bei aller Überwachung... das ist ein mächtiges Instrument, um die Wahrheit ans Tageslicht zu bringen und die Mächtigen das Fürchten zu lehren.
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