Peking empört Japan will Chinas Fackelwächter stoppen

Chinas ominöse Spezialkräfte zum Schutz des olympischen Feuers sind berüchtigt - und in Japan nicht willkommen. Für den Fackellauf in Nagano verbitten sich die japanischen Organisatoren den Einsatz der Chinesen. Peking reagiert empört und trommelt sogar noch zusätzliche Wächter zusammen.


Tokio - Die Ansage ist klar: Japan wird beim bevorstehenden olympischen Fackellauf im eigenen Land keine chinesischen Sicherheitskräfte akzeptieren. "Wir sollten uns an das Prinzip halten, dass die japanische Polizei für die Sicherheit sorgt", sagte Shinya Izumi, Vorsitzender der japanischen nationalen Kommission für öffentliche Sicherheit, am Freitag vor Journalisten. Die olympische Flamme kommt am 26. April in die zentraljapanische Stadt Nagano.

Olympische Fackel mit chinesischen Aufpassern: In Japan nicht willkommen
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Olympische Fackel mit chinesischen Aufpassern: In Japan nicht willkommen

Schon bei den Fackelläufen in London, Paris und San Francisco waren chinesische Sicherheitskräfte dabei. Im Gegensatz zu anderen Ländern akzeptiere Japan die in Blau gekleideten chinesischen Sicherheitskräfte nicht, sagte Izumi. Bei ihnen handelt es sich um Angehörige einer Sondereinheit der Polizei. Izumi betonte, dass die Wahrung der Sicherheit "unsere Rolle ist". Als Kabinettsminister ist er verantwortlich für die Beaufsichtigung der landesweiten Polizeikräfte in Japan.

Die Chinesen reagieren mit Unverständnis auf die Forderungen Japans. Der chinesische Botschafter in Japan hat nun den Polizeichef von Nagano getroffen und bat zumindest um Kooperation bei der Sicherung des Fackellaufes, wie die Agentur Kyodo berichtete.

Von Rückzug keine Spur - im Gegenteil. Für den verbleibenden internationalen Teil des Fackellaufs wurden die Sicherheitstrupps weiter verstärkt. Dies teilte IOC-Sprecherin Giselle Davies am Freitag in Peking nach einem Treffen von IOC-Mitgliedern mit Liu Qi mit, dem Leiter des Pekinger Organisationskomitees. Er habe dem IOC versichert, dass jedes Risiko, wenn es denn eines gebe, verringert werde.

Eine "Überraschung" in Buenos Aires?

Der Fackellauf hat sich zu einem Debakel für China entwickelt. Proteste gab es unter anderem in London, Paris und San Francisco. Die Demonstranten nutzen dabei das öffentliche Interesse, um auf Menschenrechtsverletzungen in China, die Unterdrückung in Tibet und die Haltung der Regierung in Peking in den Konflikten im Sudan und in Burma hinzuweisen. In Paris musste der Fackellauf wegen der Proteste gegen die Tibet-Politik Chinas gar abgebrochen werden.

Auch in Argentinien, wo die Fackel am Freitag 14,5 Kilometer durch Buenos Aires getragen werden sollte, werden wieder Proteste erwartet - Demonstranten kündigten gar eine "Buenos-Aires-Überraschung" an. Wegen erwarteter Proteste von Exil-Tibetern hat die Polizei die Strecke des Fackellaufs am Freitag bereits halbiert. Zum Schutz der Veranstaltung wurden mehr als 5000 Polizisten abgestellt.

Aus Protest gegen chinesische Menschenrechtsverletzungen sagte auch die kenianische Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai ihre Teilnahme am olympischen Fackellauf am Wochenende in Tansania ab. Diese Olympischen Spiele hätten keinen verbindenden Charakter mehr, sie entzweiten die Menschen, erklärte Maathai. Die Umweltaktivistin hatte 2004 den Friedensnobelpreis erhalten.

Maathai kritisierte das Vorgehen Chinas in Tibet und die Haltung der Regierung in Peking zu den Konflikten im Sudan und in Burma. In all diesen Konflikten könne China eine wichtige Rolle spielen und genau dies fordere die Welt, sagte sie.

Auch Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon lässt seine Teilnahme an der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking offen. Er sei möglicherweise bei der Feier nicht anwesend, sagte eine Sprecherin am Donnerstag. "Der Generalsekretär hatte der chinesischen Regierung vor einigen Monaten mitgeteilt, dass er der Einladung aus terminlichen Gründen möglicherweise nicht nachkommen wird", sagte Uno-Sprecherin Marie Okabe. Ban plane stattdessen einen "substanziellen" Besuch der Volksrepublik.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der britische Premierminister Gordon Brown nehmen nicht an der Olympia-Eröffnung im August teil. Auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy erwägt, den Termin nicht wahrzunehmen. Die demokratischen Bewerber um die US-Präsidentschaftskandidatur, Barack Obama und Hillary Clinton, haben Präsident George W. Bush zum Boykott der Feier aufgefordert.

ffr/AP/dpa

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