Tiananmen-Massaker in Peking: Ex-Bürgermeister bereut blutige Protest-Niederschlagung
Im Juni 1989 walzten chinesische Panzer die Demokratiebewegung in Peking nieder - nun hat sich der damalige Bürgermeister für seine Rolle beim Massaker entschuldigt. "Niemand hätte sterben müssen", sagte er - und kratzt damit an einem politischen Tabu.
Peking - Der frühere Bürgermeister von Peking hat sich für die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung auf dem Tiananmen-Platz im Jahr 1989 entschuldigt. "Niemand hätte am 4. Juni sterben müssen, wenn richtig mit dem Vorfall umgegangen worden wäre", wird Chen Xitong in dem Buch "Gespräche mit Chen" zitiert, das am Freitag - drei Tage vor dem 23. Jahrestag - in Hongkong erscheinen wird. "Es tut mir leid, aber ich konnte nichts tun, es tut mir sehr leid", sagt Chen in dem Buch.
Chen gilt als eine der Schlüsselfiguren für die Niederschlagung der Proteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Der damalige Bürgermeister soll sich für den Einsatz der Armee ausgesprochen und gegenüber Staatschef Deng Xiaoping das Ausmaß der Proteste übertrieben haben.
Auf dem Tiananmen-Platz hatten chinesische Studenten und Menschenrechtler im Frühsommer 1989 für mehr Demokratie demonstriert. Die Regierung ließ die Kundgebungen am 4. Juni 1989 blutig niederschlagen; dabei wurden Hunderte, möglicherweise sogar mehrere tausend Menschen getötet.
In dem Buch weist der mittlerweile 81-Jährige Chen die Verantwortung für die Vorgänge mit der Begründung von sich, auf Befehl von oben gehandelt zu haben. "Ich bin sicher, dass die Wahrheit über die Geschichte von 1989 eines Tages aufgedeckt wird." Nach Angaben des Verlegers wird "Gespräche mit Chen" in China nicht erscheinen, da die Ereignisse auf dem Tiananmen-Platz in China nach wie vor ein Tabuthema sind.
Chens Aussagen dürften die Debatte vor der Machtübergabe innerhalb der Kommunistischen Partei Ende des Jahres befeuern, wenn die ältere Generation ihren Nachfolgern weichen wird. Dabei wird auch darüber gestritten, politische Tabus anzutasten.
Nach dem 4. Juni 1989 machte Chen in der Kommunistischen Partei Karriere. Nach einigen Jahren fiel er jedoch wieder in Ungnade und wurde 1998 in einem spektakulären Prozess wegen Korruption zu 16 Jahren Haft verurteilt; 2004 wurde er aus gesundheitlichen Gründen entlassen. Seinen Niedergang beschreibt Chen in dem Buch als "die größte Ungerechtigkeit seit der Kulturrevolution" in China.
fab/AFP/AP
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