Ausbildung von US-Offizieren Pentagon kippt antiislamisches Planspiel

Es ging um den "totalen Krieg" gegen Muslime und ihre "Ausrottung": Ein Planspiel mit solchen Vorgaben setzte ein US-Oberstleutnant bei der Ausbildung von Offizieren ein. Nach Beschwerden eines Kursteilnehmers verbot das Pentagon den Unterricht, der Ausbilder bleibt jedoch an der Schule.


Washington - Das US-Verteidigungsministerium hat eine umstrittenes Planspiel für Soldaten mit fiktiven Vorgaben wie etwa Massenmorden an Muslimen abgesetzt. Das bestätigte das Pentagon am Freitag. Der für die Lehrstunde zuständige Offizier bleibe zwar am Joint Forces Staff College in Norfolk (Virgina), unterrichte aber vorerst nicht mehr.

Der Oberstleutnant hatte nach Informationen des Magazins "Wired" in Planspielen und Simulationen Massenmorde an Muslimen ins Auge gefasst. Dabei war von einem "totalen Krieg" gegen Muslime sowie von deren "Ausrottung" die Rede.

Zwar räumte der Offizier in dem Planspiel vom vergangenen Sommer selbst ein, dass solche Überlegungen "in den Augen vieler, sowohl innerhalb der USA als auch außerhalb, nicht 'politisch korrekt'" seien.

Dennoch beinhaltet das Planspiel radikale Szenarien, wonach etwa "Saudi-Arabien mit einer Hungersnot gedroht" und die heiligen Städte Mekka und Medina zerstört werden könnten. Im Kurs wurde auch gelehrt, dass nicht nur Terroristen, sondern der Islam insgesamt Amerikas Gegner sei. "Sie hassen alles, für das ihr steht und werden euch niemals tolerieren, wenn ihr euch nicht unterwerft", hatte der Offizier bereits im vergangenen Juli während einer Präsentation erklärt.

Ausdrücklich wurden auch Schläge gegen die Zivilbevölkerung durchgespielt, die Bombardierung Dresdens sowie die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki sollten dabei als "Modell" dienen. Die Genfer Konvention sei angesichts des Vorgehens islamistischer Terroristen nicht mehr relevant. "Dies würde erneut die Option eröffnen, den Krieg auf zivile Bevölkerung zu richten, wo immer dies notwendig ist", heißt es.

Generalstabschef Martin Dempsey verurteilte das Planspiel auf das Schärfste. "Das war vollkommen verwerflich, gegen unsere Werte." Zudem sei ein solches Modell "akademisch unverantwortlich".

Er habe davon durch einen Studenten erfahren, der daran Anstoß genommen habe. Der Ausbilder lehre nicht mehr. Zudem werde untersucht, wie es dazu kommen konnte und wie solche Auswüchse vermieden werden könnten.

In den vergangenen Monaten hatten US-Soldaten mehrere Skandale in Afghanistan ausgelöst. Unter anderem hatten Soldaten auf Fotos mit Leichen von Aufständischen posiert. Bereits im Januar war ein Video aufgetaucht, auf dem amerikanische Soldaten auf tote Taliban-Kämpfer urinierten. Im Februar waren auf einer US-Basis Koranexemplare verbrannt worden. Ein US-Soldat ist derzeit angeklagt, bei einem Massaker im März 17 afghanische Zivilisten ermordet zu haben.

cai/dpa/AP



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insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
Ghanima22 12.05.2012
1. Titel
Zitat von sysopEs ging um den "totalen Krieg" gegen Muslime und ihre "Ausrottung": Ein Planspiel mit solchen Vorgaben setzte ein US-Oberstleutnant bei der Ausbildung von Offizieren ein. Nach Beschwerden eines Kursteilnehmers verbot das Pentagon den Unterricht. Der Offizier bleibt jedoch an der Schule. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,832773,00.html
Die Staaten werden, wenn die Finanzkrise erstmal voll auf Sie zurückschlägt, die grösste Mühe haben, etwas aufrechtzuerhalten, was auch nur annähernd einer Demokratie entspricht. Wenn dem Millitär das Geld ausgeht, dann ist die Bevölkerung längst soweit das Sie einen "starken" Mann akzeptiert.
RagabAbdelaty 12.05.2012
2. Na gut
Wer die Überschreitungen der Amerikaner in den letzten Monaten bemerkt, kann verstehen, dass weder Amerika noch Europa ein gutes wirtschaftliches oder soziales Modell für die Araber und Muslime sind. Einfach sprechen sie über Demokratie und Menschenrechte, sind aber es die ersten, die sie beim Umgang mit Muslimen verletzen ... Außerdem ist Terror kein islamisches Phänomen; alles, was die US-Amerikaner seit der Besatzung des Iraks machen, ist meiner Meinung nach auch Terror; sie töten Kinder, Zivilisten, rauben ... und urinieren auf Leichen ..
Bernhard.R 12.05.2012
3. Unrechtsstaat USA
Ein Staat, der über anderen Staaten fliegende Mordmaschinen einsetzt, um Verdächtige zu liquidieren, statt einen Auslieferungsantrag zu stellen, der Gegner jahrelang ohne Urteil gefangenhält und foltert, ein solcher Staat gebiert so eine Geisteshaltung. Die USA. die ihre "großen Kriegsverbrecher" Bush und Schergen für den verbrecherischen Irak-Krieg nicht bestraft, hat natürlich auch viele "kleine Kriegsverbrecher".
Deep Thought 12.05.2012
4.
Die eigentliche Dramatik liegt in einem einzigen wort, welches ganz unauffällig ist: "Er habe davon durch EINEN (!!) Studenten erfahren, der daran Anstoß genommen habe. " Das heißt, daß in der ganzen zeit, in der dieser Irre gelehrt hat, NUR EIN EINZIGER OFFIZIER der meinung war, daß Staatsterror gegen Zivilbevölkerung und Naziideologien inakzeptabel sind. der vorgang beweist auch ganz klar, daß die vielen Skandale von Abu Ghareib bis zu den lustvollen Tötngsaktionen selbsternannter Killerkomandos von US-Soldaten keineswegs "Unglückliche Einzelfälle" sind, sondern daß die Indoktrinierung der Offiziersriege im US-Militär in Richtung Herrenrasse gang und gäbe ist. EIN EINZIGER Offizier war also der meinung, dass die Genfer Konvention einen Wert hat und daß Massentötungen von Zivilisten inakzeptabel seien. EIN EINZIGER! Erschütternd - auch, daß er weiter dort beschäftigt ist und nicht unehrenhaft entlassen und wegen Volksverhetzung in den Knast kommt.
frubi 12.05.2012
5.
Ich würde diese Leute eher als Faschisten bezeichnen. Es sind zudem die selben Leute, denen das wirtschaftliche Wachstum mehr bedeutet als die Einhaltung der Menschenrechte. Ich mache den vernünftige Menschen in Amerika auch den Vorwurf, dass sie sich nicht gegen solche Strömungen wehren und es mit sich machen lassen. Ein ähnliches Problem hatten wir hier auch in den 30er Jahren.
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