Pentagon-Studie Werber empfehlen US-Armee Image-Kampagne für Irak

Die US-Armee sollte mit Strategien aus der Werbebranche ihr Image im Irak und in Afghanistan verbessern: Das ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag des Pentagons. Ein grundlegender Ratschlag lautet: Die USA sollten nichts versprechen, was sie nicht halten können.


Washington - Die US-Armee solle einen zentralen Marketing-Grundsatz beachten, sagte Verhaltensforscher und Mitautor der Pentagon-Studie, Todd Helmus: "Kennen Sie Ihr Zielpublikum, so dass Sie seine Bedürfnisse befriedigen können." Um die Unterstützung der Zivilbevölkerung im Irak und in Afghanistan zu gewinnen, müssten die Truppen diese genau kennen, dieses Wissen anwenden und beobachten, wie die Menschen die US-Aktionen aufnehmen, riet die Studie weiter.

US-Soldat in Bagdad: Truppen sollen "starke Markenidentität aufbauen"
AP

US-Soldat in Bagdad: Truppen sollen "starke Markenidentität aufbauen"

Außerdem müsse die Bevölkerung der Einsatzländer in Versammlungen ihrem Willen Ausdruck verleihen können. Zudem sollten die Truppen "eine starke Markenidentität aufbauen". Schließlich hat die Studie noch einen ganz grundlegenden Tipp: Die Vereinigten Staaten sollten nichts versprechen, was sie nicht halten könnten.

Die Untersuchung wurde von der Denkfabrik "Rand" im Auftrag des US-Verteidigungsministeriums erstellt. Dafür waren Marketing-Fachleute sowie Soldaten im Ruhestand befragt worden.

PR-Auftritte statt Fehltritte

Die nun in Washington veröffentlichte Studie wies auf einige Fehltritte der US-Armee hin: Soldaten hätten ihre Beine aus Hubschraubern der US-geführten Koalitionstruppen hängen lassen, die Gebiete im Irak überflogen, und damit der Bevölkerung ihre Schuhsohlen gezeigt. Dies werde in arabischen Ländern jedoch als Beleidigung empfunden.

Außerdem seien Flugblätter mit dem Bild eines Augenpaars und der Aufschrift "Wir finden Dich und führen Dich der Gerechtigkeit zu" verteilt worden. Mit diesem "bösen Blick" habe die US-Armee jedoch nicht nur Aufständische erreicht, sondern auch die restliche Bevölkerung eingeschüchtert, heißt es in dem Papier. Vor ein paar Tagen erst wurde ein US-Marineinfanterist im Prozess um die Tötung eines behinderten Irakers schuldig gesprochen.

Die Untersuchung unterstrich, dass nicht allein die richtige Öffentlichkeitsarbeit die Einsätze im Irak und in Afghanistan zum Erfolg machen könne. "Es geht nicht nur darum, den Aktionen der US-Armee den richtigen 'Dreh' zu geben, denn Worte werden nicht allein die Unterstützung der Bevölkerung gewinnen", betonte Mitautor Helmus.

Die USA rutschen derzeit immer tiefer in die Irak-Falle: Abziehen und Chaos hinterlassen - oder bleiben und im Chaos versinken? Kaum einer will noch den Krieg - die US-Bürger haben genug von den Schreckensmeldungen und -bildern, Demokraten und Republikaner rücken von Bush ab. Doch der Präsident zeigt sich hart, während die Militärs insgeheim über Ausstiegsszenarien brüten.

Jüngst kam auch eine aktuelle Einschätzung der US-Geheimdienste zur Bedrohung der USA durch Terroristen zu dem Schluss: Die sechs Jahre "Krieg gegen den Terror" waren vergeblich.

fba/AFP



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