Trump über "Time"-Auszeichnung für Merkel "Sie haben die Person gewählt, die Deutschland ruiniert"

Donald Trump als schlechter Verlierer: Die "Time" kürte Angela Merkel zur Person des Jahres - nicht ihn. Die Wahl sei auf eine Frau gefallen, "die Deutschland ruiniert", raunzte der US-Präsidentschaftsbewerber. Er sei nämlich der große Favorit gewesen.

"Time"-Cover: "Kanzlerin der freien Welt"
AFP/ TIME

"Time"-Cover: "Kanzlerin der freien Welt"


Im Weltbild des Donald Trump kommt an erster Stelle Donald Trump, dann Donald Trump und dann wahrscheinlich gleich noch mal - genau: Donald Trump. Jedenfalls kann es sein riesiges Ego nicht vertragen, dass die "Time" nicht ihn, sondern Angela Merkel zur Person des Jahres 2015 gekürt hat.

"Ich habe euch doch gleich gesagt, dass die 'Time' mich niemals zur Person des Jahres ernennen würde, obwohl ich der große Favorit war", schrieb Trump gut eine Stunde nach Bekanntgabe der Entscheidung auf Twitter. "Sie haben die Person gewählt, die Deutschland ruiniert."

Die "Time" sah das anders: Merkel habe diese Auszeichnung verdient, "weil sie mehr von ihrem Land verlangt als die meisten Politiker wagen würden, wie sie sich der Tyrannei entgegenstellt und weil sie moralische Führung gibt - in einer Welt, in der es daran mangelt", hieß es in der Begründung von "Time"-Chefredakteurin Nancy Gibbs. Die Kanzlerin habe in jede Krise, die Europa bewältigen müsse, eingegriffen und sei damit die "Kanzlerin der freien Welt".

Trump war in der Rangliste der Personen des Jahres nur auf dem dritten Platz gelandet - hinter dem Chef der Terrororganisation "Islamischer Staat", Abu Bakr al-Baghdadi. Der Titel "Person of the Year" ist nicht immer als Auszeichnung gemeint. In der Liste finden sich auch einflussreiche Personen, die die Welt negativ geprägt und verändert haben. Deshalb wurde 1938 Adolf Hitler zur Person des Jahres ernannt.

Auch das Urteil der "Time" über Trump fällt in diesem Jahr wenig schmeichelhaft aus. "Er kann die Leute lesen und er glaubt, dass die Nation bereit ist für einen Mafiapaten im Kriegsmodus", schreibt das Magazin über den US-Präsidentschaftsbewerber. "Er entschuldigt sich nicht, selbst wenn er falsch liegt oder Menschen verprügelt. Seine Worte sind Waffen, die das nationale Bewusstsein durchschneiden."

Zuletzt hatte Trump ein generelles Einreiseverbot für Muslime in die USA gefordert.

syd

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