Schwede Peter Dahlin Chinas Staatsfernsehen führt Aktivisten vor

Chinas Medien nennen es ein "Geständnis", seine Kollegen nennen es eine Inszenierung: Der Menschenrechtsaktivist Peter Dahlin hat sich im Staatsfernsehen für seine Arbeit entschuldigt. Der Schwede steht weiter unter Hausarrest.

Schwedischer Aktivist Dahlin: "Mit meinen Aktivitäten habe ich chinesische Gesetze verletzt"
AFP PHOTO / CHINESE URGENT ACTION WORKING GROUP

Schwedischer Aktivist Dahlin: "Mit meinen Aktivitäten habe ich chinesische Gesetze verletzt"


Anfang Januar war der schwedische Menschenrechtsaktivist Peter Dahlin wegen "Gefährdung der nationalen Sicherheit" in China festgenommen worden. Jetzt hat der 35-Jährige im chinesischen Staatsfernsehen sein angebliches Fehlverhalten erklärt. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua nennt den inszenierten TV-Auftritt ein "Geständnis".

Chinas Staatsmedien meldeten, Dahlin habe sich für seine Arbeit entschuldigt. Dazu veröffentlichten sie ein Video, das bei Bekannten Dahlins für Empörung sorgt. Darin erklärt der Aktivist, die Behörden hätten ihn die ganze Zeit über sehr gut behandelt. "Mit meinen Aktivitäten habe ich chinesische Gesetze verletzt und der chinesischen Regierung Schaden zugefügt", so Dahlin in der TV-Aufzeichnung.

Die Organisation Dahlins berät chinesische Bürger in juristischen Fragen und bildet Menschenrechtsanwälte aus. In der Aufzeichnung sagt Dahlin jedoch, seine Chinese Urgent Action Working Group habe Menschen "darin ausgebildet, Informationen über China zu sammeln, zu fingieren und zu verdrehen". Die Agentur deute auch an, der Aktivist könne ein ausländischer Spion sein.

Seit 3. Januar unter Hausarrest

Dahlins Kollege Michael Caster sagte dem britischen "Guardian", die Entschuldigung Dahlins sei inszeniert worden. Dahlin habe nie auch nur im Ansatz geglaubt, dass seine Arbeit der Regierung schaden könne. Das TV-Geständnis sei der Versuch, die Arbeit der Aktivisten zu diskreditieren.

Der Schwede war am 3. Januar auf dem Weg zum Pekinger Flughafen verschwunden. Laut Xinhua wird Dahlin vorgeworfen, er habe Chinesen dazu angestiftet, "sich in heikle Fälle einzumischen, absichtlich Konflikte zu verschärfen und Konfrontationen zwischen Öffentlichkeit und Behörden anzuzetteln, um Massenzwischenfälle auszulösen". Schwedische Diplomaten hätten Dahlin am Samstag getroffen. Seit seiner Festnahme stehe er unter Hausarrest.

cht/dpa

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 59 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
joshuaschneebaum 20.01.2016
1. Alles gut & richtig
Alles gut & richtig, wichtig gar das zu veröffentlichen. Warum dann aber so ein Satz: "Dahlin habe nie auch nur im Ansatz geglaubt, dass seine Arbeit der Regierung schaden könne." Das ist ja nun ein Schmarren oder die Gegen-Gegen-Propaganda. Selbstverständlich schadet eine demokratische Initiative einem faschistoid ausgerichteten System. Deshalb gehört doch Dahlin die Meldung und unsere Unterstützung.
sunny1 20.01.2016
2. Gehirnwäsche
oder Meinungsmanipulation ist einer von vielen Zaubertricks der kommunistischen Diktatur in China.
Blendy 20.01.2016
3. Wie kann man darüber verwundert sein?
Der Mann steht in China unter Hausarrest?! Würde er was anderes sagen, läge er morgen kopflos in der Gosse. Also was sollen solche dusseligen Aussagen?
antilobby 20.01.2016
4.
So ist halt die Leitkultur vor Ort, die jeder Einwanderer bitte zu beachten hat... ...
Vikko 20.01.2016
5. Zwiespältig
China hat eine ganz andere Mentalität als Westeuropa. Ich find es immer schwierig, wenn man als Externer ungefragt sagt "Du machst das falsch!". Chinesen sehen richtig und falsch anders. Da ist es doch ein bisschen vermessen einer Kultur, die schon seit Jahrtausenden existiert vorzuschreiben das unsere Kultur viel besser wäre. Und wenn ich mir die politische Haltung von manchen Chinesen angucke, sollte man schon fast froh sein, dass sie nicht so viel mitzubestimmen haben... Aber natürlich sind Menschenrechte gut und wichtig, aber die Überzeugung, dass sie das sind, muss von innen heraus erfolgen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.