Washington - Dilworth ist das Utopia der amerikanischen Upper-Middleclass. Alte Kastanienbäume, gepflegte Vorgärten und gediegene Einfamilienhäuser prägen das Bild in dem Viertel von Charlotte im Bundesstaat North Carolina. Hier lebte Paula Broadwell bis vor kurzem ihr Doppelleben.
Die Gesichter der 40-Jährigen könnten unterschiedlicher kaum sein: Sie war Fitness-Ass an der Elite-Militärakademie West Point, Model für einen Maschinengewehr-Hersteller, arbeitete für Spezialeinheiten. Seit dem Jahr 2010 war die Elitesoldatin Stammgast im afghanischen Kabul - und selten weit weg von General David Petraeus, der damals die US-Streitkräfte in dem Krisenland befehligte und dessen Karriere nach einer Affäre mit Broadwell beendet sein dürfte.
Die "New York Times" jedoch berichtet noch über eine andere Seite der Paula Broadwell, die kaum zum Image der eisenharten Kämpferin und berechnenden Karrieristin passen will. Nachbarn beschreiben sie als "Soccer Mom", also als Prototyp der amerikanischen Vorstadt-Mutti, die die Kinder zum Fußball kutschiert und Haus und Hof in Schuss hält.
Man habe sie regelmäßig gesehen, wie sie die beiden Söhne Lucien und Landon morgens zum Schulbus gebracht habe, zitiert die "New York Times" Anwohner aus Dilworth. Dort bewohnt Broadwell mit ihrem Ehemann, einem Radiologen, und den Kindern ein zweistöckiges Haus. An Halloween sei sie im Kostüm an die Tür gekommen, um Süßigkeiten zu verteilen.
"Es war nicht ungewöhnlich, wenn beim Abendessen nur Kerzenschein aus ihrem Esszimmer drang" sagte Nachbar Sarah Crume der "New York Times". "Hier war sie Paula, die Nachbarin, Ehefrau und Mutter. Es ging selten darum, was sie sonst so gemacht hat", so Crume weiter.
Was Broadwell "sonst so gemacht hat", hält die USA seit Tagen in Atem. Für ihre Arbeit an der Biografie "All In" kam sie dem General und späteren CIA-Chef Petraeus sehr nah - zu nah. Beide begannen eine Affäre, von der irgendwann auch die Ermittler des FBI erfuhren. Am Freitag erklärte Petraeus seinen Rücktritt von der Spitze des US-Geheimdienstes.
Spontane Grillpartys für neue Nachbarn
Die Liebesbeziehung mit dem Top-Militär elektrisiert die Nation. Da kommt alles zusammen, was zu einem echten Skandal gehört: Prominenz, Sex, Eifersucht - und Politik. Seitdem stürzen sich die amerikanischen Medien auf jedes Detail in Lebenslauf und Privatleben der Paula Broadwell.
Zu erfahren ist, dass sie im Bundesstaat North Dakota geboren wurde, Abschlussrednerin an ihrer Highschool und Präsidentin der Studentenvereinigung in ihrem Staat war. Dass sie spontane Grillabende schmiss, wenn neue Nachbarn in ihr Viertel zogen - und dass sie immer wieder Geld für Kriegsveteranen sammelte.
Gleichzeitig arbeitete sie an dem Buch über den Mustersoldaten Petraeus, für das sie mindestens sechs Reisen nach Afghanistan unternehmen musste. Dort wohnte die Broadwell mit Kampfeinheiten zusammen und führte immer wieder stundenlange Interviews mit dem Top-General.
Die Familie hält sich versteckt
Öffentliche Momente der Schwäche leistete sie sich trotz ihrer Doppelbelastung - und der sich anbahnenden Affäre - nur selten. Nur einer Web-Journalistin, die sie während der Arbeit an dem Manuskript kennenlernte, vertraute sie sich hin und wieder an. "Sie hat sich immer für unverwundbar gehalten und dachte, sie könne einfach alles schaffen. Erst die Erziehung der beiden Kinder hat ihr die eigenen Grenzen aufgezeigt", sagte Claudia Chan. Ob die beiden auch über das Verhältnis zu Petraeus gesprochen haben, lässt sie offen.
Seitdem der Skandal international für erhebliche Schlagzeilen gesorgt hat, liegt das Haus der Broadwells nach Angaben der "New York Times" verwaist da. Die Familie habe sich wegen des erheblichen Medieninteresses an einen unbekannten Ort zurückgezogen, heißt es.
Eigentlich habe man für den Dezember eine Buch-Party mit Paula Broadwell geplant, berichtet Nachbarin Sarah Crume. "Daraus wird jetzt wohl nichts. Es ist klar, dass Paula einen Fehler gemacht hat. Aber wenn irgendjemand mit der Situation fertig wird, dann sie."
jok
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