Washington/Tampa - Kollegen beschreiben Frederick W. Humphries II. als "Bulldogge", als "Veteranen, der hart rangeht" und bei Fällen auch schon einmal "leidenschaftlich bis besessen" sein kann. Fotos zeigen ihn bei der Untersuchung eines Tatorts, der Schädel kahl rasiert, das kantige Gesicht ernst und konzentriert. Nun wird klar, dass Humphries eine wichtige Figur in dem Skandal um den zurückgetretenen CIA-Chef David Petraeus sein dürfte.
Er war es, der die Untersuchung der mysteriösen Droh-E-Mails veranlasste, die im Sommer 2012 bei Jill Kelley landeten. In diesen anonymen Nachrichten wird der Society-Lady aus Florida dringend nahegelegt, sich von Petraeus fernzuhalten. Mit diesem war Kelley seit Jahren befreundet. Die Absenderin der belästigenden E-Mails: Paula Broadwell, Biografin von Petraeus und dessen Geliebte.
Kelley und FBI-Mann Humphries kannten sich seit Jahren - weshalb sich die 37-Jährige dem Fahnder anvertraute. Was darauf folgte, beschäftigt inzwischen höchste Sicherheitskreise der USA und wirft erhebliche Zweifel über die Arbeit der FBI-Ermittler auf. Zentrale Fragen sind: Ab wann wusste das FBI von dem Verhältnis zwischen Petraeus und Biografin Broadwell? Vertraute der CIA-Boss seiner Bettgefährtin möglicherweise sicherheitsrelevante Informationen an? Wann wurden Weißes Haus und Kongress von den Vorgängen informiert?
Klar ist, dass Humphries die Angelegenheit zunächst als simplen Fall von Cyberstalking einstufte und an die entsprechende Abteilung beim FBI weiterleitete. Diese enttarnte Broadwell als Absenderin der E-Mails - und deckte ihre Affäre mit Petraeus auf.
Eine Sprecherin für Jill Kelley schilderte am Mittwoch vor Journalisten die Version ihrer Mandantin, wie die spektakuläre Ermittlung ins Rollen geraten war.
So soll Kelley den FBI-Agenten zu den E-Mails gefragt haben: "Was hältst Du davon?"
Dieser habe geantwortet: "Das ist eine ernste Sache. Der Absender scheint eine Menge über die Terminpläne einiger Generäle zu wissen."
Humphries blieb an der Affäre dran
Die Generäle waren in diesem Fall Petraeus und John Allen, dessen Nachfolger als Befehlshaber der US-Truppen in Afghanistan. Auch diesem soll Broadwell unter dem Pseudonym "kelleypatrol" E-Mails geschickt haben, in denen vor dem Umgang mit Jill Kelley gewarnt wird.
Humphries "Leidenschaft und Besessenheit", die er für Fälle entwickeln kann, zeigte sich später offenbar auch in der Cyberstalking-Affäre. Obwohl er nicht mehr mit den Ermittlungen betraut war, verfolgte Humphries den Fall weiter. Laut "New York Times" fürchtete er offenbar, dass die Ermittlungen - mit Blick auf die Prominenz der Beteiligten - "unter den Teppich gekehrt" werden könnten.
Um dies zu verhindern, informierte Humphries das republikanische Kongress-Mitglied David Reichert - so zumindest der bisherige Stand der Ermittlungen. Von diesem wurden die sensiblen Informationen offenbar an den republikanischen Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, Eric Cantor weitergegeben. Wann ist allerdings unklar.
Nach Informationen der "New York Times" informierte dessen Büro am 31. Oktober den FBI-Direktor über die Hinweise des Agenten aus Florida. Das Weiße Haus und der Kongress wurden offiziell erst am 8. November von den skandalösen Vorgängen rund um den CIA-Chef unterrichtet.
Obama ist nicht amüsiert
Es bleibt noch einiges aufzuklären in dieser Affäre. Noch immer ist längst nicht belegt, wer, wen, wann über was informiert hat. Klar ist jedoch, dass vor allem die Arbeit des FBI in dem Fall genauer durchleuchtet werden wird. In seiner ersten Stellungnahme zu dem Fall kritisierte US-Präsident Barack Obama das Vorgehen der Ermittler nicht offen.
Er wurde jedoch gefragt, ob er nicht früher von den Unregelmäßigkeiten im Umfeld seines CIA-Chefs hätte wissen müssen. Er halte sich "mit einem Urteil noch zurück", so der Präsident. "Wir haben noch nicht alle nötigen Informationen."
jok
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