Washington - Der zurückgetretene CIA-Chef David Petraeus hat sich Fragen zu dem tödlichen Angriff im September auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi gestellt. Zunächst sagte er vor dem Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses aus, anschließend erschien er vor dem Geheimdienstausschuss im Senat. Beide Anhörungen fanden hinter verschlossenen Türen statt. Petraeus erreichte den Kongress abgeschirmt von der Öffentlichkeit und abseits aller Kameras durch unterirdische Gänge.
Nach Angaben von Teilnehmern erklärte Petraeus am Freitag, dass er von Beginn an einen terroristischen Hintergrund der Attacke vermutet habe. Seinen Angaben zufolge waren in der ursprünglichen Version des Berichts die Terrorgruppen Ansar al-Schariah und al-Qaida im Islamischen Maghreb genannt worden. Die Namen wurden demnach aber durch die vage Formulierung "Extremisten" ersetzt, wie ein Kongressmitarbeiter von der Aussage Petraeus' berichtete.
Die CIA war wegen ihres Umgangs mit der Bengasi-Attacke am 11. September, bei der Botschafter Chris Stevens und drei weitere US-Bürger getötet worden waren, in die Kritik geraten.
Die Opposition wirft der Regierung vor, das Konsulat nicht genügend geschützt zu haben. Zudem habe die Regierung die Öffentlichkeit über die wahren Hintergründe des Angriffs zunächst getäuscht. Sie habe den Angriff zunächst als spontane Demonstration ausgegeben, bei der radikale Muslime ihre Wut über ein anti-muslimisches Schmähvideo aus den USA ausgelassen hätten. Der republikanische Abgeordnete Peter King sagte, dass Petraeus' Aussage abgewichen sei von den Angaben, die dieser kurz nach der Attacke in Bengasi vom 11. September dieses Jahres vor dem Kongress gemacht habe.
Auch Präsident Barack Obama geriet unter verbalen Beschuss von Republikanern. Sie werfen ihm vor, den terroristischen Hintergrund zunächst aus wahltaktischen Gründen verschwiegen zu haben. Bei dem Streit um die Bengasi-Attacke geht es auch um die mögliche Nominierung der amerikanischen Uno-Botschafterin Susan Rice als Obamas künftige Außenministerin. Einige Republikaner werfen ihr vor, den wahren Charakter der Attacke von Bengasi verschleiert zu haben. Sie seien daher entschlossen, die notwendige Zustimmung für Rice im Senat zu verhindern.
Bei der Anhörung am Freitag ging es nicht um den Rücktritt von Petraeus als CIA-Chef. Der einstige Vier-Sterne-General war am vergangenen Freitag wegen einer außerehelichen Beziehung mit seiner Biografin Paula Broadwell zurückgetreten.
Bei der Anhörung am Freitag vor dem Repräsentantenhaus sagte Petraeus nach Angaben des republikanischen Abgeordneten Peter King, dass er die Situation "bedauert". Den Grund für seinen Rücktritt habe er nicht genannt. Dem Nachrichtensender CNN zufolge hatte Petraeus in den vergangenen Tagen aber deutlich gemacht, dass sein Rückzug nicht mit den Ereignissen in Bengasi zusammenhänge.
lgr/dpa/AFP
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