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Ökonomische Supermacht: Chinas Aufstieg macht Deutschen Angst

Von , Washington

In der Außenpolitik rücksichtslos, gegenüber den eigenen Bürgern repressiv: So sehen die Deutschen laut einer aktuellen Umfrage die Weltmacht China. Eine klare Mehrheit der Bundesbürger fürchtet sich vor dem Aufstieg des Landes zur Supermacht.

Polizist vor der Verbotenen Stadt in Peking: Deutsche sehen China skeptisch Zur Großansicht
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Polizist vor der Verbotenen Stadt in Peking: Deutsche sehen China skeptisch

Die Bundesbürger halten den Aufstieg Chinas zur führenden wirtschaftlichen Supermacht zunehmend für unausweichlich - und fürchten sich gleichzeitig davor. 70 Prozent der Deutschen geben in einer repräsentativen Umfrage des renommierten Pew-Research-Center an, Peking nehme auf Interessen anderer Nationen wenig oder gar keine Rücksicht. Nur 28 Prozent der deutschen Bürger haben einen positiven Eindruck von dem Land und seiner Politik - weniger als in jedem anderen europäischen Land. 87 Prozent der Deutschen glauben zudem, China respektiere die individuellen Rechte seiner Bürger nicht.

Allerdings antworteten knapp 60 Prozent der Deutschen auch, China werde die kommende wirtschaftliche Supermacht der Welt sein. Die USA sehen nur noch 19 Prozent in dieser Rolle, und lediglich 14 Prozent die Staaten der Europäischen Union. Im Jahr 2008, also vor Beginn der Euro-Krise, hielten noch 36 Prozent der Deutschen die globale ökonomische Führungsrolle der EU für denkbar.

Folgerichtig geben sich die Deutschen nun pragmatisch: Mehr Bundesbürger als noch vor zwei Jahren (28 Prozent) wollen China eher als möglichen Partner sehen. Trotz aller Ressentiments stuft zudem nur jeder zehnte Deutsche das Land als "Feind" ein. Ähnliches ist im hoch verschuldeten Griechenland zu beobachten: Dort hat eine klare Mehrheit der Bürger gar einen positiven Eindruck vom finanzstarken China.

Die Pew-Meinungsforscher kontrastierten Zahlen über deutsches Misstrauen gegenüber China mit wohlwollenden Einstellungen der Deutschen zu den USA. So stehen 53 Prozent der Bundesbürger den Vereinigten Staaten positiv gegenüber. Mehr als zwei Drittel geben an, Vertrauen in die Außenpolitik von US-Präsident Barack Obama zu haben - und rund die Hälfte glaubt, die US-Regierung ziehe Interessen anderer Länder bei internationalen Entscheidungen zumindest in Betracht.

"Amerikas weltweites Ansehen bleibt positiver als das Chinas", schlussfolgern die Autoren der Pew-Studie - mit einer wichtigen Einschränkung: Die Umfrage fand noch vor den jüngsten Enthüllungen über US-Spähprogramme statt, die für Empörung in Deutschland und Europa sorgten. Laut einer aktuellen Umfrage von ARD-Deutschlandtrend hat das Vertrauen der Deutschen zum Bündnispartner USA inzwischen stark gelitten - die Zahl derer, die Amerika als vertrauenswürdigen Partner bezeichnen, ist von 65 auf 49 Prozent gefallen. So niedrig war der Wert zuletzt unter US-Präsident George W. Bush.

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insgesamt 203 Beiträge
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1. Wie man in den Wald ruft...
tiansworld 18.07.2013
Im größeren historischen Kontext ist der Aufstieg Chinas zur Weltmacht nur logisch. Nach der überbordenden Dominanz der westlichen Welt der letzten Jahrhunderte kommt es nun lediglich zu einem ganz natürlichen Ausgleich, den wir als relativen Abstieg wahrnehmen. Das Pendel schwingt halt jetzt einfach nur in die andere Richtung... Und da China brillant im kompieren sind, werden sie mit uns so umgehen, wie die Großmächte es mit China gemacht haben. Wie man in den Wald ruft... Das ist nun einmal der Preis dafür imperialistisches Denken und Handeln im Kontext Fressen oder Gefressen werden. Erst wenn wir uns aus diesem intellektuellen Amöbenstatus weiterentwickelt haben und erkennen, dass Kooperation langfristig wesentlich ertragreicher ist als Kompetition, wird es ruhiger und besser für uns alle werden. Aber dazu werden wir wahrscheinlich noch ein paar Jahrhunderte brauchen. (Nicht weil die 'Mächtigen' besser werden, sondern weil die 'Einfachen' dann endlich ihre demokratische Verantwortung aktiv wahrnehmen und nicht nur passiv einfordern).
2.
delaowai 18.07.2013
Abgesehen davon, dass es in China ja durchaus die Probleme mit Diktatur und Menschenrechten gibt. Dennoch finde ich das Ergebnis dieser Studie schade. Es gibt neben Diktatur und Tibetfrage eine Menge Interessantes in China zu entdecken und eine Vielzahl netter, liebenswerter Menschen. Leider wird grundsätzlich immer nur das schlechte kolportiert, So ist das Ergebnis leider nicht verwunderlich. delaowai
3. Selbsterfüllende Prophezeiung
laosichuan 18.07.2013
Wenn in den Medien in Deutschland regelmäßig ein verzerrtes, übertrieben negatives Bild von China transportiert wird, ist es nicht verwunderlich, wenn die Mehrheit der Deutschen China negativ sieht. Nur eine Minderheit hat die Möglichkeit, länger nach China zu reisen und zu sehen, wie das Land wirklich ist. In Wirklichkeit haben Deutschland/Europa und China mehr an Gemeinsamkeiten als Deutschland und die USA. An erster Stelle, daß beide (heute!) friedliche Nationen sind, pragmatisch, ohne ideologisches Sendungsbewußtsein und ohne Anspruch, die Welt beherrschen zu wollen. Deutschland und Europa sollten sich in ihren Beziehungen mehr nach Osten, zu China hin orientieren, als zu den USA, die Deutschland nie als gleichberechtigten Partner behandeln werden.
4. Vorbild?
APPEASEMENT 18.07.2013
Zitat von sysopAPIn der Außenpolitik rücksichtslos, gegenüber den eigenen Bürgern repressiv: So sehen die Deutschen laut einer aktuellen Umfrage die Weltmacht China. Eine klare Mehrheit der Bundesbürger fürchtet sich vor dem Aufstieg des Landes zur Supermacht. http://www.spiegel.de/politik/ausland/pew-studie-deutsche-sehen-aufstieg-chinas-skeptisch-a-911322.html
China ist ein Prüfstein für unser Demokratiemodel. China ist erfolgreich und wir haben eine gigantische Staatsverschuldung, Abhörmaßnahmen, Migrationsprobleme, usw. In China kann man seine repräsentative Diktatur nicht wählen, bei uns kann man sie wählen und EU und Regierungen machen dann was sie wollen. In China werden noch Entscheidungen getroffen, die bei uns kaum möglich sind. Die Folge: Solarfirmen in D gehen pleite, in CHina boomen sie. Die KP ist Ihrem Land noch verpflichtet. Die Bundesregierung auch? China wird als Supermacht wie die USA regieren. Müssen wir Angst davor haben`Haben die Tibeter Angst vor der KP? Sind die USA wirklich besser?
5. Die Angst ist übertrieben....
julian_becker 18.07.2013
Zitat von sysopAPIn der Außenpolitik rücksichtslos, gegenüber den eigenen Bürgern repressiv: So sehen die Deutschen laut einer aktuellen Umfrage die Weltmacht China. Eine klare Mehrheit der Bundesbürger fürchtet sich vor dem Aufstieg des Landes zur Supermacht. http://www.spiegel.de/politik/ausland/pew-studie-deutsche-sehen-aufstieg-chinas-skeptisch-a-911322.html
Sehr geehrte daheim gebliebene Bundesbürger, Ich lebe seit nun mehr 2 Jahren in China (zur Zeit in Changzhou) in der Provinz Jiangsu. Verglichen, was man derzeit über die USA hört, sollte man China nicht wirklich als Buhmann darstellen. Die Mehrzahl meiner Freund und Kollegen lebt ein bestimmt glücklicheres Leben als so manch einer in Deutschland. Ja, der Umweltschutz ist hier mancherorts noch ein Problem, aber die Anstrengungen, die unternommen werden um dies zu beseitingen sind ebenfalls enorm. Ich glaube, Deutschland sollte China eher als eine Chance begreifen sich aus alten Abhängigkeitsverhältnissen zu lösen und in gemeinsamer Partnerschaft an den Problemfragen der Zukunft zu arbeiten. Ich bin mir sicher, dass die Chinesen dazu besser in der Lage sind als so manche transatlantische Partnerschaft....
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Fläche: 9.572.900 km²

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Hauptstadt: Peking

Staatsoberhaupt: Xi Jinping

Regierungschef: Li Keqiang

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