Phallus-Witze über Auschwitz-Foto Politikerin entschuldigt sich für geschmacklosen Facebook-Post

Eine kanadische Politikerin kommentierte bei Facebook ein Foto aus dem Konzentrationslager Auschwitz mit Phallus-Witzen. Auf die Entrüstung folgte ihre Entschuldigung - doch damit machte Alex Johnstone alles noch schlimmer.


Alex Johnstone wollte sich entschuldigen, aber jetzt steht sie erst recht in der Kritik. "Ich wusste gar nicht, was Auschwitz ist", sagte die Politikerin aus Kanada, die zugleich Verwaltungsmitglied einer Schule ist. "Zumindest bis jetzt nicht."

Dass Johnstone sich überhaupt zu einer Entschuldigung genötigt sah, liegt an einem Facebook-Post aus dem Jahr 2008. Damals kommentierte sie das Foto eines Beton-Zaunpfahls im Konzentrationslager Auschwitz mit folgenden Worten: "Ahhh, die berühmt-berüchtigten polnischen Phallus-Säulen... war ja klar, dass du davon Bilder machst", schrieb sie unter das Bild eines Bekannten.

Die Zeitung "The True North Time" grub den alten Post nun wieder aus. Wie zu erwarten war, folgte eine Welle der Empörung - und zunächst eine Entschuldigung von Johnstone via Facebook: Ihr Kommentar sei ganz offensichtlich unangemessen gewesen, schrieb sie vor wenigen Tagen.

Kurz danach wurde sie während einer Wahlkampfveranstaltung auf den Vorfall angesprochen. Johnstone will für die linke Partei NDP bei der Wahl am 19. Oktober ins Parlament einziehen und der Moderator wollte von ihr wissen, ob ihre Kampagne wohl unter der Geschichte leiden werde.

"Inakzeptabel", "Schockierend"

Als Antwort zog Johnstone zunächst über die "Schlammschlacht" der Zeitung her, und betonte dann, dass sie sich lieber über ihre Werte und ihre Arbeit definieren lassen wolle, als über einen sieben Jahre alten Facebook-Eintrag. Ob diese Nachricht denn nicht für ihre Werte stehe, wollte der Reporter daraufhin wissen. Und Johnstone antwortete, dass sie bis zu der Aufregung nicht gewusst habe, was Auschwitz sei.

In dem Konzentrations- und Vernichtungslager der Nationalsozialisten starben etwa 1,5 Millionen Menschen auf grausame Weise.

Es dauerte nicht lange, da gab es die ersten Reaktionen von Politiker-Kollegen. "Inakzeptabel, dass eine NDP-Kandidatin für das Parlament & ein Mitglied der Schulverwaltung noch nie von Auschwitz gehört hat und dann auch noch Witze darüber macht", twitterte beispielsweise Tyler Banham von der Liberalen Partei Kanadas.

Auch die jüdische Gemeinde hat sich in den Vorfall eingeschaltet. "Es ist schockierend für uns, dass sie diese Wissenslücke hat", zitiert die Zeitung "The Hamilton Spectator" den Menschenrechtsaktivisten Avi Benlolo, der dem kanadischen Simon-Wiesenthal-Zentrum vorsteht. Er habe Johnstone auf eine "Auschwitz-Bildungs-Tour" eingeladen.

Die Politikerin selbst ließ über ihren Facebook-Account eine Mitteilung veröffentlichen, in der sie Besserung gelobt. Sie wolle sich nun für den Kampf gegen Rassismus, Diskriminierung und Antisemitismus stark machen. "Ich habe vor, weiterhin mehr über den Holocaust zu lernen."

The following joint statement has been released by Alex Johnstone and B'nai Brith:September 24, 2015, TORONTO ¿...

Posted by Alex Johnstone on;Donnerstag, 24. September 2015

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