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Pharma-Kooperation: Palästinenser liefern Medikamente nach Europa

Aus Ramallah berichtet

Historischer Schulterschluss in Ramallah: Eine palästinensische Pharmafirma hat in Zusammenarbeit mit einem deutschen Unternehmen den Export von Medikamenten nach Deutschland und Europa gestartet. Die Beteiligten feiern die Kooperation als Zeichen der Hoffnung.

Ramallah - Der letzte Termin auf seiner Reise durch Israel und die palästinensischen Gebiete war ein "Zeichen der Hoffnung" für Jürgen Rüttgers, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Bei einem Fest in Bitunia, einem modernen Stadtteil von Ramallah im Westjordanland, gaben der CDU-Politiker und der palästinensische Premierminister Salam Fayyed den Startschuss zum Export von Medikamenten aus dem Westjordanland nach Deutschland und Europa.

Die Firma Pharmacare plc stellt in Zusammenarbeit mit dem Aachener Unternehmen Grünenthal dort Arzneimittel her. 120 Arbeitsplätze gibt es bereits, bis zum Jahr 2010 sollen es 400 werden - viel für eine Region, in der jeder Zweite arbeitslos ist. Für Fayyed ist der Startschuss zum Export daher auch ein "sehr wichtiges Ereignis in der Geschichte der palästinensischen Industrie". Bei Rüttgers bedankte er sich überschwenglich. "Nordrhein-Westfalen hat den Menschen in den palästinensischen Gebieten geholfen auf dem Weg zu einem besseren Leben." Die Menschen in Ramallah feierten die deutsch-palästinensische Zusammenarbeit begeistert.

Dabei wäre die Hilfe fast noch an typisch deutschen Ängsten gescheitert. Experten vom Gesundheitsministerium in Düsseldorf hatten sich vor ihrer Inspektionsreise auf der Homepage des Auswärtigen Amts über die Reiseempfehlungen für die Palästinensergebiete informiert. Danach erschien ihnen das Unternehmen viel zu gefährlich - die Pläne wären beinahe geplatzt. Erst als die deutschen Diplomaten vom Vertretungsbüro in Ramallah den Besuchern einen gepanzerten Dienstwagen anboten, ließen sich die Fachleute überzeugen.

Zweimal besuchten die Düsseldorfer in den vergangenen Monaten die Produktionsanlagen von Pharmacare und machten schließlich den Weg frei für die erforderlichen Lizenzen. Die Bezirksregierung Düsseldorf kümmerte sich um die aufwendige Freigabe durch den deutschen Zoll.

"Wirtschaftlicher Erfolg ist entscheidend für eine friedliche Zukunft", sagte Rüttgers. Ein Hindernis für eine reibungslose Entwicklung sieht Rüttgers allerdings, der auf seiner Reise durch Israel stets die Existenzrechte des Staates bekräftigt hat: den jüdischen Siedlungsbau. Eine "friedliche Lösung", sagte er, würde durch den "Sicherheitszaun und die fehlende Bereitschaft zur Zusammenarbeit behindert".

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