Philippinen Dutertes Antidrogenkampf fordert mehr als 20.000 Tote

Die philippinische Regierung brüstet sich mit neuen Zahlen zum sogenannten Antidrogenkampf: Demnach wurden fast 4000 Kriminelle getötet - dazu kommen mehr als 16.000 ungeklärte Todesfälle.

Rodrigo Duterte
AFP

Rodrigo Duterte


Er wolle die Drogenkriminalität in seinem Land ausrotten. Mit diesem Versprechen war Rodrigo Duterte im Juni 2016 als Präsident der Philippinen angetreten. Nun gibt es neue Zahlen zum sogenannten Antidrogenkampf seiner Regierung: Mehr als 20.000 Menschen kamen einer offiziellen Zählung zufolge zwischen Juli 2016 und November 2017 gewaltsam ums Leben. Bislang war die Zahl der Todesopfer nur auf etwa die Hälfte dessen geschätzt worden.

Die philippinische Polizei sei zu knapp 80.000 Einsätzen im Zusammenhang mit Drogenkriminalität ausgerückt, teilte sie mit. Fast 4000 Drogenkriminelle - zu denen nach Ansicht der Regierung Abhängige und Dealer zählen - seien bei Polizeiaktionen gestorben. Weitere 16.355 mutmaßliche Mordfälle würden untersucht.

Tatsächlich kommt es so gut wie nie zu Ermittlungsverfahren oder gar Gerichtsprozessen um die Tötungen, die mit Dutertes Antidrogenkampf in Zusammenhang stehen. Darauf weisen Menschenrechtsorganisationen seit Langem hin. Mehr als die Hälfte der Morde sollen von Todesschwadronen ausgeführt worden sein. Es gibt Angaben, wonach Behörden sie beauftragen. Belegen lässt sich das derzeit nicht.

Die Polizei gibt zu den Toten während der Einsätze meist an, diese seien bewaffnet gewesen, es habe sich also um Notwehr gehandelt. Zumindest im Fall des 17-jährigen Kian war es aber offenbar nicht so. Es gibt Aufnahmen einer Überwachungskamera, die beweisen sollen, dass der Schüler unbewaffnet war und sich nicht gegen die Beamten wehrte. Eine Obduktion seiner Leiche ergab, dass er von hinten erschossen wurde.

Oppositionssprecher Antonio Trillanes zeigte sich Al Jazeera zufolge entsetzt über die neuen Zahlen: "Während das Land weiterhin über die makaberen Witze Dutertes lacht, sind 20.000 unserer Leute ermordet worden", sagte Trillanes. Es sei vollkommen klar, dass die Toten im Zusammenhang mit dem Antidrogenkampf stünden. Die Behörden hätten mit der Mitteilung indirekt zugegeben, dass es sich um "staatlich unterstützte Exekutionen" handele.

Im Video: Dutertes Drogenkrieg - Leben auf den Philippinen

Amnesty International

vks



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