Philippinen Tausende demonstrieren gegen Präsident Duterte

Der philippinische Präsident Duterte ist für sein brutales Vorgehen gegen vermeintliche Drogenkriminelle berüchtigt - und im Volk beliebt. Doch es gibt Widerstand: Tausende Kritiker protestierten in Manila gegen ihn.

Demonstration in Manila
MALASIG/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Demonstration in Manila


In der philippinischen Hauptstadt Manila sind am Donnerstag Tausende Menschen auf die Straße gegangen, um die brutale Politik von Präsident Rodrigo Duterte anzuprangern. Polizisten säumten den Protestmarsch, der einer der größten Demonstrationen auf den Philippinen seit der Amtsübernahme von Duterte gewesen sein soll.

Der Präsident hatte im Mai über den Süden des Landes das Kriegsrecht verhängt, nachdem es dort Angriffe von Islamisten gab, die sich dem "Islamischen Staat" (IS) zugehörig fühlen. Bislang konnten seine Streitkräfte dort die Lage nicht beruhigen. Der Präsident drohte, das Gesetz auf das gesamte Land anzuwenden, wenn nationale Ordnung bedroht würde.

Er rief die Demonstranten dazu auf, die Proteste nicht eskalieren zu lassen. "Ich scheue nicht davor zurück, Gewalt anwenden zu lassen, auch wenn es das Ende meiner Präsidentschaft bedeutet. Merkt euch das", sagte Duterte. Er wird für seine brachiale Rhetorik von seinen Anhängern geschätzt; seine Zustimmungswerte lagen zuletzt bei mehr als 80 Prozent.

Tod eines Schülers sorgte für Entrüstung

Seine Kritiker werfen ihm vor, genauso wie Diktator Ferdinand Marcos das Volk mit Repressionen zu unterdrücken und Menschenrechtsverletzungen zu begehen, die sich kontinuierlich steigerten. Die Kriegsrechts-Ära der Marcos-Diktatur dauerte damals von 1972 bis 1981 an und war durch eine gewalttätige Unterdrückung der Bevölkerung gekennzeichnet. Am Donnerstag jährte sich die Ausrufung des Kriegsrechts durch Marcos zum 45. Mal.

International steht Duterte für seinen brutalen Antidrogenkampf in der Kritik. Seitdem er vor 13 Monaten vereidigt worden war und Drogenkriminelle öffentlich zum Abschuss freigegeben hatte, wurden mehr als 7000 Menschen bei Polizeirazzien und durch Auftragskiller ermordet. Im August starben in nur drei Nächten fast 100 Menschen durch Polizeikugeln, darunter auch der 17-jährige Kian. Der Tod des Schülers löste Entrüstung in der Bevölkerung aus.

Tötungen in Manila und Umgebung in der vergangenen Woche
SPIEGEL ONLINE

Tötungen in Manila und Umgebung in der vergangenen Woche

Auf den Plakaten bei den Protesten am Donnerstag war "Stoppt die Tötungen" zu lesen, außerdem das Kürzel DU30, das für den Namen Duterte steht. Sprechchöre skandierten: "Nie mehr wieder, nie mehr Kriegsrecht". Vizepräsidentin und Duterte-Gegnerin Leni Robredo mahnte bei einer der Kundgebungen, die "Anzeichen der Tyrannei" ernst zu nehmen.

vks/Reuters/AP



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.