Philippinen Duterte soll Morde persönlich befohlen haben

Der philippinische Präsident Duterte soll zahlreiche Morde befehligt haben: Vergewaltiger, Dealer und Kritiker waren die Opfer. Das wirft ihm nun ein Aussteiger der Todesschwadronen aus Davao vor.

Rodrigo Duterte
AFP

Rodrigo Duterte


Menschenrechtsorganisationen beschuldigen den philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte schon lange, in die Ermordung durch Todesschwadronen in seiner Heimatstadt Davao verwickelt gewesen zu sein. Nachweisen ließ sich das aber bislang nicht zweifelsfrei.

Nun wird der ehemalige Bürgermeister der Stadt von einem Ex-Mitglied einer Todesschwadron schwer belastet: Edgar Matobato sagte am Donnerstag vor dem Senat in Manila, dass Duterte persönlich die Ermordung zahlreicher Menschen angeordnet habe. Einen Vertreter des Justizministeriums soll Duterte sogar selbst erschossen haben.

Zwischen 1988 und 2013 habe die Schwadron in der südphilippinischen Stadt angebliche "Kriminelle, Vergewaltiger, Dealer und Diebe" getötet, sagte der 57-jährige Matobato unter Eid. Er schätzt die Zahl der Opfer auf etwa tausend, Menschenrechtsanwälte gehen von etwa 1400 Getöteten aus. Zu den Ermordeten zählten nach Matobatos Aussage auch der Freund von Dutertes Schwester, der Duterte-Kritiker Jun Pala, Leibwächter eines örtlichen Rivalen sowie Gegner von Dutertes Sohn Paolo, dem derzeitigen Vizebürgermeister von Davao.

In einem Fall habe er 1993 miterlebt, wie Duterte selbst einen Ermittler des Justizministeriums getötet habe, berichtete Matobato weiter. Auf einer Straße habe es eine Schießerei zwischen der Schwadron und dem Mann gegeben, bei der dieser verletzt worden sei; dann sei Duterte eingetroffen und habe ihn erschossen.

In einer ersten Reaktion bezeichnete der philippinische Justizminister Vitaliano Aguirre die Aussagen des Zeugen als "Lügen" und "Konstrukte". Ganz offensichtlich sage Matobato nicht die Wahrheit, sagte der Minister.

Auch Dutertes Sprecher Martin Andanar wies die Vorwürfe zurück. Die Menschenrechtskommission der Regierung habe die Anschuldigungen schon "vor langer Zeit" geprüft, doch habe es nie eine Anklage gegeben. Der Präsidentensohn Paolo Duterte sagte, Matobato sei "verrückt", und seine Aussagen beruhten auf "reinen Gerüchten".

"Wie Hühner abgeschlachtet"

Der 57-jährige Zeuge hatte nach eigenen Angaben 2013 die Todesschwadron verlassen wollen und wurde daraufhin gefoltert. Er habe das Morden eines Tages nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren können und sich dem Justizministerium anvertraut, das ihn in sein Zeugenschutzprogramm aufgenommen habe.

Die Mitglieder der Todesschwadron in Davao - vorwiegend Polizisten und ehemalige kommunistische Rebellen - hätten ihre Opfer damals "wie Hühner abgeschlachtet" und deren Leichen meist in einem Steinbruch entsorgt, berichtete der 57-Jährige weiter. Andere Opfer seien ins Meer geworfen, eines sei bei lebendigem Leib den Krokodilen zum Fraß vorgeworfen worden, sagte er.

Duterte war mit dem Versprechen gewählt worden, die Kriminalität auf den Philippinen binnen eines halben Jahres auszumerzen. Seit seinem Amtsantritt im Juni wurden nach Angaben der Polizei bereits mehr als 3100 Menschen in dem südostasiatischen Land getötet. Mindestens 1894 von ihnen wurden unter nicht geklärten Umständen umgebracht. Menschenrechtler führen diese Morde auf Bürgerwehren, Auftragsmörder und Sicherheitskräfte zurück, die auf eigene Faust handeln.

Die Senatorin Leila de Lima, auf deren Initiative die Senatsanhörung Matobatos zurückgeht, will die Ergebnisse der Anhörung dem Ombudsmann der Philippinen übergeben, der für Ermittlungen gegen kriminelle Regierungsvertreter zuständig ist. Amtierende Präsidenten sind allerdings durch eine Immunitätsregelung vor einer Strafverfolgung geschützt.

Philippinischer Präsident Duterte

vks/dpa/AFP

insgesamt 19 Beiträge
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Bueckstueck 15.09.2016
1. Mutiger Mann
Der Zeuge wird vom Justizministerium geschützt und der Justizminister, der offensichtlich mit dem Massenmörder Duterte unter einer Decke steckt, nennt ihn einen Lügner. Schlimmer kanns kaum kommen. Ein Wunder wenn der Zeuge den Ausgang der Ermittlungen erlebt...
DMenakker 15.09.2016
2.
Ich liebe das Land, ich liebe die Leute ich liebe meine Velobte, die von dort kommt, aber was sichdie Philippinen regelmäßig an Regierungen an die Backe wählen, geht nun wirklich gar nicht mehr. Für die einzelnen Eltern, die mit Entsetzen aber vollkommen hilflos mitansehen müssen, wie die eigenen Kinder von irgendwelchen Minidealern auf der Suche nach neuen Kunden angefixt werden. Von daher gibt es schon ein gewisses Miniverständnis dafür, dass Duarte gewählt wurde. Zumal es ja kein Geheimnis war. Er hat angekündigt, was er vorhat. Auch, und das ist nicht ganz unwichtig, muss gesagt werden, dass er es ernst meint. Er will mit seinen Radkikalaktionen tatsächlich der Bevölkerung helfen. Wenn schon diese illegalen Methoden, dann müssten sie gegen die zahllosen Mr. & Mrs. 10 % angewendet werden. Denn diese sind die wirkliche Pest in diesem wunderschönen Land. Wenn man die Korruption losbekommen würde, hätten die Phil das Zeug zu einem der reichsten Länder in SEA zu werden. Nur, wird das unter Duarte nicht werden.
betonklotz 15.09.2016
3. Gibt es eigentlich eine Reisewarnung?
Angesichts der Geschehnisse dort halte ich das für dringend angezeigt.
xc6lx45 15.09.2016
4. Alles ganz einfach
Die Wenigsten würden unsere kränkelnde Demokratie wohl als eine Glanzleistung der Zivilisation empfinden. Aber irgendwie ist sie es dann am Ende vielleicht doch.
blitzunddonner 15.09.2016
5. nun, die geschichte wird ein passendes ende finden.
nun, die geschichte wird ein passendes ende finden. da bin ich ziemlich sicher. für viele wahrscheinlich zu spät.
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