Pikantes Geständnis Fidel Castros Schwester spionierte für die CIA

Bündnis mit dem Klassenfeind: Juanita Castro bekennt sich zur Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Geheimdienst - der ihren berühmten Bruder ermorden wollte. In einem Buch will die Schwester des kubanischen Revolutionsführers weitere Überraschungen enthüllen.

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Hamburg - Harmonie strahlt diese Familie selten aus: Der Clan des kubanischen Revolutionsführers Fidel Castro streitet sich sogar über Landesgrenzen hinaus. Fidels Tochter Alina beschimpft ihn aus Miami gern als "selbstgerechten Tyrannen". Was die jüngere Schwester des "Máximo Líder" nun aber enthüllt, ist besonders pikant: Sie hat jahrelang für den amerikanischen Geheimdienst CIA spioniert.

In einem Interview mit dem spanischsprachigen Fernsehsender "Noticias Univision 23" in Miami bekannte Juanita Castro, von 1961 bis 1964 für die USA spioniert zu haben - dem Erzfeind ihres Bruders. In dieser Zeit überlebte Fidel Castro zahlreiche Mordanschläge der CIA. Um den Revolutionär zu töten, schmiedeten die amerikanischen Agenten bisweilen skurrile Pläne: Mal erwog man hochgiftige Zigarren, mal mit Sprengstoff gefüllte Muscheln. Der ehemalige kubanische Abwehrchef Fabián Escalante behauptet, nicht weniger als 638 Anschläge auf Castro seien verübt worden - zumindest acht gab die CIA bisher zu.

Der US-Geheimdienst habe sie damals zu einem Gespräch eingeladen: "Ich war ziemlich schockiert, aber ich sagte zu." Die CIA habe mit ihr sprechen wollen, weil sie "mir interessante Dinge zu sagen hatten und mich um interessante Dinge bitten wollten". Die Zusammenarbeit endete erst, als Juanita 1964 nach Miami ins Exil floh und endgültig mit ihrem Bruder Fidel brach. Dieser regierte Kuba seit 1959 fast ein halbes Jahrhundert. Vor drei Jahren musste er das Amt krankheitsbedingt an seinen Bruder Raúl abgeben.

Die Enthüllung in dem Fernsehinterview kommt rechtzeitig zur Veröffentlichung von Juanitas Autobiografie "Fidel und Raúl, meine Brüder. Die geheime Geschichte", die sie gemeinsam mit der amerikanischen Journalistin María Antonieta Collins aufgezeichnet hat.

Geschickte Vermarktung der Geheimnisse

Geschickt treibt die Castro die Vermarktung ihres 432 Seiten starken Buches voran, das nun in Spanien, Kolumbien, Mexiko und den USA erscheint. Das begleitende Fernsehinterview wird in acht Fragmenten gesendet, in denen sie nach und nach Details über ihr Leben und das ihrer beiden revolutionären Brüder ausbreitet. Juanita ist die fünfälteste der sieben Castro-Geschwister und heute 76 Jahre alt.

Fern liegt die Vermutung nicht, dass die Geheimniskrämerei die Verkäufe steigern könnte. Die Exemplare seien angeblich in verschlossenen Kisten aufbewahrt und mit einem doppelten Siegel versehen worden. Der Nachrichtenchef des Fernsehsenders "Noticias Univision 23", Emilio Marrero, versprach Neuigkeiten, die von "historischer Bedeutung für Miami und die Welt sein werden".

Der Schriftsteller Carlos Alberto Montaner, der das Vorwort zum Buch geschrieben hat, orakelt laut "Basler Zeitung": "Neben dem eigentlichen Geheimnis werden auch andere interessante und unbekannte Neuigkeiten ans Licht kommen. Außerdem begründet Juanita, warum Raúl der bessere Mensch ist als Fidel."

"Raúl war fröhlich und feierte gerne"

Darüber hat sie aber schon vor zwei Jahren mit Montaner in einem anderen TV-Sendung geplaudert. Sie habe nur die besten Erinnerungen an Raúl: "Er war fröhlich, feierte gerne und machte Späße. Alle liebten ihn." Fidel hingegen habe einen völlig anderen Charakter: "Fidel ist ernster." Mit ihren Brüdern sprach Juanita das letzte Mal vor mehr als vier Jahrzehnten.

Seit ihrer Flucht aus Kuba Mitte der sechziger Jahre marschierte Juanita bei Demonstrationen der Exilkubaner in Miami mit. Einer ihrer Artikel inspirierte Andy Warhol zu der Filmsatire "The Life of Juanita Castro".

Wie sehr die Enthüllung ihrer CIA-Tätigkeit die Brüder schmerzt, kann nur vermutet werden. In einem Interview mit dem amerikanischen TV-Sender ABC sagte Fidel Castro 1977 über Juanita: "Wir haben dasselbe Blut in unseren Adern, aber wir haben unterschiedliche Auffassungen." Eine Schwester zu haben, "die mich angreift, weil wir Revolutionäre sind, nimmt mir nicht meine Ehre, es kränkt mich nicht einmal".

Mit Material von dpa

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insgesamt 20 Beiträge
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unente, 26.10.2009
1. die Schlange am Busen...
Kein Wunder, dass Fidel keinem traut - man kann eben niemandem trauen.
Berta, 26.10.2009
2. Fidel
Zitat von unenteKein Wunder, dass Fidel keinem traut - man kann eben niemandem trauen.
Vor allem den Amis nicht. Die spielen alle untereinander aus.
smokeonit 26.10.2009
3. mörder...
als wären Ché, Fidel & Raul Heilige... alle haben das Blut von Tausenden an Ihren Händen... Anstatt diese Leute ins Exil ziehen zu lassen wurden sie in der Festung oberhalb der Stadt mit Kopfschüssen hingerichtet... finde es immer "Klasse" wenn Leute Ché auf T-Shirts oder sonstige Sachen zur Coolness tragen...
Schnurz321 26.10.2009
4. ...
Zitat von smokeonitals wären Ché, Fidel & Raul Heilige... alle haben das Blut von Tausenden an Ihren Händen... Anstatt diese Leute ins Exil ziehen zu lassen wurden sie in der Festung oberhalb der Stadt mit Kopfschüssen hingerichtet... finde es immer "Klasse" wenn Leute Ché auf T-Shirts oder sonstige Sachen zur Coolness tragen...
Guevara dient vielmehr als Symbol. Die reale Gestalt spielt dabei kaum eine Rolle - ist prinzipiell ähnlich wie mit Jesus.
Mülheimer, 26.10.2009
5. Natürlich haben Sie recht, aber...
Zitat von smokeonitals wären Ché, Fidel & Raul Heilige... alle haben das Blut von Tausenden an Ihren Händen... Anstatt diese Leute ins Exil ziehen zu lassen wurden sie in der Festung oberhalb der Stadt mit Kopfschüssen hingerichtet... finde es immer "Klasse" wenn Leute Ché auf T-Shirts oder sonstige Sachen zur Coolness tragen...
Natürlich haben sie recht, aber was war denn vorher? Der Diktator Batista (mit dem die Amerikaner, wie mit fast allen Diktatoren gut Freund waren) war jedenfalls weit schlimmer. Komischerweise, sobald der Diktator gestürzt war gingen die Repressionen der Amerikaner los. Die sind so blöde und wundern sich hinterher, dass die Kubaner sich Hilfe bei den Russen geholt haben
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