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Pinochet: Jubel wegen Mordanklage gegen den Ex-Diktator

Die Anklage gegen den 85-jährigen Ex-General Augusto Pinochet hat bei weiten Teilen der chilenischen Bevölkerung Jubel und Freude hervorgerufen. "Das ist ein historischer Tag für Chile", meinten Menschenrechtsvertreter.

Ex-Diktator Pinochet: Wegen Mordes angeklagt
REUTERS

Ex-Diktator Pinochet: Wegen Mordes angeklagt

Santiago de Chile - Vor dem Justizpalast feierten Vertreter von Menschenrechtsorganisationen und Familienangehörige von Verschwundenen die richterliche Entscheidung. "Wir freuen uns unglaublich über Guzmans Entscheidung, nicht nur wegen der Tausenden politischen Verschwundenen und Ermordeten, sondern auch wegen des Übergangs zur Demokratie in Chile", sagte Klägeranwalt Hugo Gutiérrez der Tageszeitung "La Tercera".

Untersuchungsrichter Juan Guzman will Augusto Pinochet wegen Anstiftung und Beihilfe zu Mord in 57 Fällen und zu Entführung in 18 Fällen durch die so genannte Karawane des Todes 1973 vor Gericht bringen. Guzman ermittelt seit drei Jahren gegen den 85-jährigen Ex-Diktator, dessen Anwälte voraussichtlich Einspruch gegen den neuerlichen Haftbefehl einlegen werden.

Pinochet hält sich auf seinem Landsitz rund 130 Kilometer südwestlich von Santiago auf. Er war am Samstag aus dem Militärkrankenhaus der Hauptstadt entlassen worden, in das er am Freitag wegen eines angeblich drohenden Schlaganfalles eingeliefert worden war.

Richter Juan Guzman bringt Pinochet vor Gericht
AFP

Richter Juan Guzman bringt Pinochet vor Gericht

Guzman, der den Ex-Diktator vergangenen Woche in seiner Residenz verhört hatte, bezeichnete Pinochet als "außerordentlich normal", womit der ehemalige Machthaber prozessfähig wäre.

Schon einmal hatte Richter Guzman Pinochets Verhaftung am 1. Dezember vergangenen Jahres angeordnet. Der Oberste Gerichtshof verhinderte jedoch die Festnahme und wies Guzman an, den Beschuldigten auf seine Prozesstauglichkeit untersuchen zu lassen. Dies steht jedem Chilenen zu, der über 70 Jahre alt ist. Nach den psychologischen Untersuchungen Mitte Januar wurde Pinochet dann am vergangenen Dienstag von Guzman verhört.

"In Chile bewegt sich kein Blatt, ohne dass ich das befohlen hätte", brüstete sich der ehemalige Diktator noch zu Herrschaftszeiten. 1973 hatte General Augusto Pinochet gegen den sozialistischen Präsidenten Salvador Allende geputscht und Chile in den 17 Folgejahren mit eiserner Hand regiert. Seine unbeschränkte Macht, ein militanter Antikommunismus und die grausame Verfolgung politischer Gegner machten ihn zum Symbol des gefürchteten Tyrannen südamerikanischer Prägung.

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