Nach Attentat in Synagoge Hunderte demonstrieren gegen Trump-Besuch in Pittsburgh

Elf Menschen starben bei dem Massaker in einer US-Synagoge, nun reiste Präsident Trump mit seiner Familie nach Pittsburgh, um sein Beileid zu bekunden. Rund 1500 Menschen protestierten: "Hassreden erzeugen Hassverbrechen."

REUTERS

Drei Tage nach dem Attentat auf jüdische Gläubige in einer Synagoge in Pittsburgh ist US-Präsident Donald Trump in der Stadt eingetroffen. Zusammen mit First Lady Melania Trump, seiner Tochter Ivanka Trump und deren Ehemann Jared Kushner besuchte er die "Tree of Life"-Synagoge, in der ein Rechtsextremist am Samstag elf Menschen erschossen hatte.

An einer provisorischen Gedenkstätte vor der Synagoge legten Donald und Melania Trump weiße Rosen und entsprechend der jüdischen Tradition einen Stein für jeden getöteten Menschen nieder.

Trumps Besuch wurde von Protesten begleitet: Nach Polizeiangaben nahmen rund 1500 Menschen daran teil. "Trump, schwöre dem weißen Nationalismus ab" oder "Hassreden erzeugen Hassverbrechen" war auf Transparenten zu lesen. Proteste gegen einen Kondolenzbesuch nach einem Gewaltakt sind in den USA ein höchst ungewöhnlicher Vorgang.

Jüdische Vertreter aus Pittsburgh hatten bereits kurz nach dem Anschlag gesagt, dass sie einen Besuch des Präsidenten ablehnten. "Präsident Trump, Sie sind in Pittsburgh nicht willkommen, bis Sie den weißen Nationalismus umfassend verurteilen", hieß es in einem offenen Brief.

Die ersten Opfer werden beigesetzt

Zeitgleich zum Besuch des Präsidenten wurden in Pittsburgh die ersten Todesopfer beigesetzt. Zahlreiche Trauernde hätten an den Gottesdiensten für die ersten drei der elf Toten teilgenommen, berichtete die "Pittsburgh Post-Gazette". Melania Trump legte an Gedenksteinen für die Toten weiße Rosen nieder. Auch Finanzminister Steve Mnuchin und der israelische Botschafter in den USA, Ron Dermer, besuchten die Synagoge.

Am Samstag war ein 46-jähriger Rechtsradikaler während des Sabbats in die Synagoge eingedrungen und hatte elf Menschen im Alter zwischen 50 und 97 Jahren erschossen und sechs weitere Personen verletzt. Der mutmaßliche Täter liegt derzeit noch im Krankenhaus. Donald Trump verurteilte die Tat. "Es darf keine Toleranz für Antisemitismus in Amerika geben", sagte er.

Video zum Massaker in Pittsburgh: Polizei veröffentlicht Audiomitschnitt

Kritiker werfen Trump jedoch vor, mit seiner Rhetorik Spannungen zu schüren und Gewaltausbrüche wie jenen in Pittsburgh mit zu verantworten. Trump wiederum gab den Medien eine Mitschuld an der wachsenden Spaltung des Landes. Bei seinem Besuch in Pittsburgh äußerte sich der Präsident zunächst nicht öffentlich.

Der demokratische Bürgermeister der Stadt, Bill Peduto, und der demokratische Gouverneur Tom Wolf hatten angekündigt, sich nicht mit Präsident Trump zeigen zu wollen. Peduto soll Trump nach übereinstimmenden Berichten gebeten haben, nicht zu den Beerdigungen zu kommen. Der Rabbi der Lebensbaum-Synagoge, Jeffrey Myers, sagte jedoch im Vorfeld, dass der Präsident willkommen sei. Er begrüßte Trump und seine Familie bei ihrem Kondolenzbesuch.

"Mit den Menschen trauern"

Trump hatte dem Sender Fox News vor seiner Reise nach Pittsburgh gesagt, er wolle mit seinem Besuch Respekt zollen. Trump wollte auch Verletzte im Krankenhaus besuchen, darunter Polizisten, die bei dem Angriff verwundet wurden. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee Sanders, sagte, Donald und Melania Trump wollten die Unterstützung des amerikanischen Volkes zum Ausdruck bringen und mit den Menschen in Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania trauern.

In dem Interview mit Fox News erneuerte Trump seine Kritik an Medien, die seiner Darstellung nach Fake News verbreiten. Die Kritik, dass er seit Kurzem offen Nationalismus propagiere, wies der US-Präsident zurück. "Ich bin stolz auf dieses Land, und das nenne ich Nationalismus", sagte er. "Ich sehe darin keine andere Assoziation."

Vor dem Attentat auf die Synagoge hatte ein anderer Mann mehrere Briefbomben an Trump-Kritiker geschickt. Er wurde am Tag vor dem Attentat in Pittsburgh festgenommen. Die beiden Vorfälle ereigneten sich nur wenige Tage vor den wichtigen US-Kongresswahlen.

kko/dpa/AFP



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