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Reaktion auf Luftangriffe: PKK kündigt Waffenstillstand mit Türkei auf

Militäreinsatz: Die Offensive der Türkei Fotos
DPA

Türkische Kampfjets feuern im Schutz der Dunkelheit auf Stellungen der PKK - und alle Friedensbemühungen scheinen über Nacht dahin. Die kurdische Seite erklärt den Waffenstillstand von 2013 für beendet.

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Am späten Freitagabend tauchten die Flugzeuge der türkischen Luftwaffe über den Lagern der PKK auf - nun kommt die Reaktion der kurdischen Arbeiterpartei. Mit den Attacken im Nordirak sei der mühsam ausgehandelte Waffenstillstand aus dem Jahr 2013 geplatzt. Das Abkommen habe "jede Bedeutung verloren, nach diesen harten Luftschlägen der türkischen Besatzungsarmee", heißt es in einer Mitteilung auf der Internetseite der PKK.

Eigentlich richtet sich die neue Offensive der türkischen Armee gegen die Einheiten der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Auch deren Truppen wurden in der Nacht beschossen. Allerdings geht Ankara im gleichen Zug eben auch gegen die PKK vor, die sie als "Terrororganisation" einstuft. Nach Angaben des Militärs seien Bunker, Höhlen, Vorratslager und andere "logistische Punkte" angegriffen worden. Über mögliche Opfer ist noch nichts bekannt.

Offenbar waren neben Kampfjets auch Bodentruppen sowohl gegen den IS als auch die PKK im Einsatz. Wo und in welchem Umfang diese eingegriffen haben, ist allerdings nicht bekannt.

In den vergangenen Monaten hatten kurdische Einheiten in Syrien und im Norden des Irak mit Unterstützung durch internationale Luftschläge einige Erfolge gegen den "Islamischen Staat" verbuchen können. So wurde unter anderen die syrische Grenzstadt Kobane von den Islamisten zurückerobert. Trotz des gemeinsamen Feindes nehmen die Türken aber auch die Kurden ins Visier. Seit Freitag befinden sich Hunderte mutmaßliche Mitglieder und Unterstützer der PKK in Haft.

Video: Hunderte Terrorverdächtige festgenommen

AFP
Mehrere Attacken der PKK auf Polizisten

Zuletzt waren die Spannungen zwischen türkischer Regierung und Kurden eskaliert. Grund ist das Massaker von Suruc. In der türkischen Stadt an der Grenze zu Syrien waren 32 Menschen bei einem IS-Selbstmordanschlag getötet worden, darunter viele Kurden.

Der kurdische Vorwurf an die Führung in Ankara: Man sei nicht konsequent genug gegen die Gefahr durch den IS vorgegangen. Tatsächlich vermied die Türkei in den vergangenen Monaten eine direkte Einmischung in den Konflikt. Zuletzt hatten PKK-Attentäter in "Vergeltungsaktionen" mehrere türkische Sicherheitskräfte getötet.

Der Konflikt zwischen PKK und türkischer Regierung dauert seit mehr als 30 Jahren an, mehr als 40.000 Menschen starben. Beide Seiten bemühten sich in den vergangenen Jahren um einen Friedensprozess, der jedoch immer wieder ins Stocken gerät. Seit März 2013 galt eine Waffenruhe - die nun offenbar beendet ist.

Friedensdemo in Istanbul muss ausfallen

Der eskalierende Konflikt an den Ostgrenzen beschäftigt die Menschen in der Türkei. Viele von ihnen wollten sich an diesem Wochenende in Istanbul zu einem Friedensmarsch treffen. Doch daraus wird nichts, die Behörden haben die Demonstration verboten. Man befürchte "Provokationen und Verkehrsbehinderungen", so die offizielle Erklärung.

Vor den Vereinten Nationen hat die Türkei ihr Vorgehen gegen den IS mit dem Recht auf Selbstverteidigung begründet. Die Regierung in Damaskus sei "offenbar weder fähig noch willens", die von ihrem Staatsgebiet ausgehende Bedrohung für die Türkei zu unterbinden, hieß es am Freitag in einem Schreiben an den Uno-Sicherheitsrat und Generalsekretär Ban Ki Moon.

In Ankara wähnt man sich offenbar auf einem guten Kurs. Der Militäreinsatz gegen den IS habe sein Ziel erreicht und werde fortgeführt, "solange eine Gefahr für die Türkei besteht", erklärte Regierungschef Ahmet Davutoglu am Samstag. Außenminister Mevlüt Cavusoglu kündigte an, Teile Nordsyriens, aus denen die IS-Kämpfer verdrängt würden, zu einer Art Sicherheitspuffer ausbauen zu wollen.


Zusammengefasst: Die Türkei geht militärisch gegen den IS vor - und gleichzeitig auch gegen die Kurden. In der Nacht beschossen Kampfjets Stellungen beider Gruppen. Von der PKK heißt es nun: Der Friedensprozess mit Ankara hat sich damit erledigt. Trotzdem wollen die Türken ihre Offensive fortsetzen.

jok/dpa/Reuters/AFP

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insgesamt 134 Beiträge
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1. Das war zu erwarten
rowes-hh 25.07.2015
und ist auch zu verstehen.
2.
infonetz 25.07.2015
Ich verstehe hier ja nichts mehr! Ist nicht der IS der Feind und kämpft die PKK nicht gegen den IS?
3. die pkk hat den Waffenstillstand seit Monaten schon gekündigt
cico80 25.07.2015
die pkk hat den Waffenstillstand seit Monaten schon gekündigt allein letze woche haben die pkk Terroristen 5 Menschen ermordet über 20 Menschen entführt und Baustellen bombardiert
4.
kuac 25.07.2015
Der Türkische Angriff ist ja dann nach hinten los gegangen. Gibt es jetzt eine Allianz zwischen PKK und IS gegen die Türkei?
5.
retorred 25.07.2015
naja die PKK wird nicht nur von der Türkei als "Terrororganisation" eingestuft sonder auch von den usa und vielen Ländern der westlichen Welt nur weil man jetzt einen gemeinsamen Feind hat heist dass noch lange nicht dass die PKK plötzlich Helden und moralische Kämpfer für die Freiheit sind man muss sich nur mal anschauen was diese Organisation in den letzten 30 Jahren alles angerichtet hat, einen so großen Unterschied zu den Methoden des IS wird sich nicht finden.
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