Zwei Tage verschleppt: PKK lässt entführten Parlamentarier frei

Von Jan Lukas Strozyk

Mit der Entführung des Abgeordneten Hüseyin Aygün hat die PKK die Türkei schockiert: Jetzt ist die Geiselnahme unblutig zu Ende gegangen, berichten einheimische Medien - die Terrorgruppe ließ den Politiker offenbar gehen.

CHP-Abgeordneter Aygün (Archivbild): Er soll von der PKK wieder freigelassen worden sein Zur Großansicht
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CHP-Abgeordneter Aygün (Archivbild): Er soll von der PKK wieder freigelassen worden sein

Ankara - Die kurdische Rebellenorganisation PKK hat den Abgeordneten Hüseyin Aygün nach zweitägiger Geiselhaft freigelassen. In einer Stellungnahme teilte die PKK-nahe Organisation "Union der Gemeinschaft Kurdistans" mit, dass sie Aygün um 17 Uhr Ortszeit (16 Uhr MESZ) in ein Dorf nahe der Kreisstadt Ovacik in der Region Tunceli gefahren und übergeben habe. Der Gouverneur von Tunceli, Mustafa Taskesen, bestätigte die Meldung gegenüber türkischen Medien. Aygün sei den Umständen entsprechend in einer guten Verfassung. Er vertritt im Parlament die ostanatolische Stadt Tunceli als Mitglied der oppositionellen Republikanischen Volkspartei (CHP).

Aygün, von Beruf Anwalt, war am Sonntag am frühen Abend von bewaffneten Rebellen der PKK auf einer Straße in Richtung Ovacik aus seinem Auto entführt worden. Einen Journalisten und einen Assistenten, die ihn begleiteten, ließ die PKK umgehend frei. Die Armee rückte daraufhin mit einem Großaufgebot aus, um auch Aygün zu befreien. Die Operation wurde am Montagabend abgebrochen, aus Sorge um das Leben des Politikers, wie der türkische Regierungssprecher Bülent Arinç mitteilte.

Die PKK teilte mit, sie habe den Politiker wegen seiner Politik in seiner Heimatregion Tunceli entführt. Aygün hatte sich in der Vergangenheit mit Menschenrechtsverletzungen in der Region beschäftigt und sich für eine Demokratisierung starkgemacht, um dem Einfluss der PKK entgegenzuwirken. Man habe Aygün "daran erinnert, wie er sich der Bevölkerung gegenüber zu verhalten habe", und dann freigelassen, hieß es aus Kreisen der PKK.

Aygün war der erste türkische Parlamentarier, den die PKK verschleppt hat. Seit 1984 kämpft die PKK im Osten der Türkei für einen kurdischen Staat. Schätzungen zufolge kamen bei dem Konflikt bisher fast 50.000 Menschen ums Leben.

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