Waffenruhe PKK startet Rückzug aus der Türkei

Die Arbeiterpartei Kurdistans hat mit dem Abzug ihrer Kämpfer aus der Türkei begonnen - ein entscheidender Schritt, um den knapp 30 Jahre andauernden Konflikt zu beenden. PKK-Chef Abdullah Öcalan hatte im März zur Waffenruhe aufgerufen.

PKK-Kämpfer im nordirakischen Dohuk (Archivbild): Abzug aus Türkei begonnen
REUTERS

PKK-Kämpfer im nordirakischen Dohuk (Archivbild): Abzug aus Türkei begonnen


Ankara - Die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) hat angefangen, ihre Kämpfer wie angekündigt aus der Türkei abzuziehen. "Wir wissen, dass der Abzug begonnen hat", sagte der Chef der legalen Kurdenpartei BDP, Selahattin Demirtas, am Mittwochvormittag der Nachrichtenagentur AFP. Die Kämpfer werden sich nach Angaben der Partei in den Nordirak begeben.

Der Abzug der etwa 2000 PKK-Mitglieder gilt als entscheidende Wegmarke bei den Bemühungen um ein Ende des Kurdenkonflikts, dem seit 1984 mehr als 40.000 Menschen zum Opfer fielen.

Demirtas hatte am Vortag erklärt, der Abzug der PKK-Kämpfer werde etwa drei bis vier Monate dauern. Die PKK selbst rechnet damit, dass die ersten in etwa einer Woche irakisches Gebiet erreichen werden. Die kurdischen Rebellen wollen den Abzug aber sofort stoppen, falls sie angegriffen werden. Sie hatten in den vergangenen Tagen über Aufklärungsflüge der türkischen Luftwaffe berichtet.

Der Abzug ist Resultat der Friedensverhandlungen, bei denen der inhaftierte PKK-Chef Abdullah Öcalan und der türkische Geheimdienst MIT seit Dezember über Wege zur Beendigung des Kurdenkonflikts sprechen.

Im März hatte Öcalan daraufhin alle kurdischen Kämpfer zum Rückzug aus der Türkei aufgefordert. Die Zeit für eine Waffenruhe sei gekommen. Er forderte eine politische Lösung des Kurdenkonflikts. Öcalan sitzt seit 1999 im Gefängnis.

Die türkische Regierung strebt nach dem Abzug der PKK eine Entwaffnung der kurdischen Kämpfer an. Unklar ist bisher, welche politischen Zugeständnisse den Kurden im Gegenzug gemacht werden sollen. Die PKK und die BDP fordern nicht länger absolute Unabhängigkeit, sondern Autonomie sowie die Verankerung politischer und kultureller Rechte der etwa 13 Millionen türkischen Kurden in einer neuen Verfassung für das Land.

fab/AFP/AP



insgesamt 9 Beiträge
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derandersdenkende, 08.05.2013
1. Die Unterdrückung der Kurden in der Türkei
Zitat von sysopREUTERSDie Arbeiterpartei Kurdistans hat mit dem Abzug ihrer Kämpfer aus der Türkei begonnen - ein entscheidender Schritt, um den knapp 30 Jahre andauernden Konflikt zu beenden. PKK-Chef Abdullah Öcalan hatte im März zur Waffenruhe aufgerufen. PKK startet Abzug aus der Türkei - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/pkk-startet-abzug-aus-der-tuerkei-a-898706.html)
gab es auch schon vor der PKK und die EU auch die deutsche Politik hat dem kritiklos zugesehen. So gesehen entstand die PKK als Antwort auf die praktizierte bzw. geduldete Unterdrückung. Wer glaubt, daß der Rückzug der PKK auch nur ein Quentchen Verbesserung und Anerkennung für die türkischen Kurden bedeutet täuscht sich gewaltig. Es bedeutet nur eine Manifestierung der kolonialen Verhältnisse. Oder werden nun irgendwann diejenigen vor Gericht gestellt, die ganze kurdische Dörfer mit Panzern (auch aus Deutschland stammend) niederwalzten und wird den Kurden weitreichende Automie als erster Schritt zur vollständigen Selbständigkeit zuerkannt?
kl1678 08.05.2013
2.
Zitat von sysopREUTERSDie Arbeiterpartei Kurdistans hat mit dem Abzug ihrer Kämpfer aus der Türkei begonnen - ein entscheidender Schritt, um den knapp 30 Jahre andauernden Konflikt zu beenden. PKK-Chef Abdullah Öcalan hatte im März zur Waffenruhe aufgerufen. PKK startet Abzug aus der Türkei - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/pkk-startet-abzug-aus-der-tuerkei-a-898706.html)
Wenn aus den kurdischen Gebieten im Nordirak und Nordsyrien nun ein unabhängiger kurdischer Staat entstünde. Würde Ankara das tolerieren oder sofort einmarschieren?
brainyboy 08.05.2013
3. WOW Herr Erdogan
na endlich, ich hoffe das nun der Weg für ein friedliches Zusammenleben geebnet ist.. in den letzten Jahrzehnt ist so viel passiert in der Türkei man kann es kaum glauben, die Entmachtung der Militärs, mehr Demokratie, wirtschaftlicher und technischer Aufschwung, abbau von Korruption etc etc.. zwar ist nicht alles perfekt aber es sind entscheidende gute große Schritte gemacht worden.. natürlich gibt es unverbesserliche, nennen wir sie Nationalisten, Linksradikale, Hardliner oder wie man es will! auch gibt es unter uns einige die niemals zufrieden sein werden die jede Verbesserung und jeden Fortschritt leugnen oder kleinreden.. aber wenn dieser Kurs den die türkische Regierung gerade verfolgt weiter ausgedehnt wird, dann sehe ich eine gute Zukunft voraus..
seneca55 08.05.2013
4. Ein Problem weniger für die Türkei ?
30 Jahre Bürgerkrieg in Ost-Anatolien könnte vor dem Ende stehen. Wenn die Türkei nach 90 Jahren ihr Kurden-Problem lösen würde, gäbe es endlich weniger Spannungen in diesem Teil er Islamsichen Welt. Mittlerwiele sind nicht nur IRAK, sondern auch Syrien mit der Türkei verfeindet. Jetzt ist MP Erdogan am Zug.
Antorkh 08.05.2013
5. Obwohl es bitter ist...
... Die mörder nach Nord Irak zurückziehen zu lassen, ist auch verständlich, dass der Konflikt nicht militärisch beendet werden kann. Beide Seiten sind bereit Geständnisse zu machen. Dies ist eine historische Chance. Und ganz ehrlich, dieser ganze Konflikt ist nicht einen einzigen toten türkischen Soldaten wert. Es reicht einfach.
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