Playboy-Qualitäten Finnen bestellen wegen Berlusconi Botschafter ein

Weil Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi damit prahlte, die finnische Präsidentin Tarja Halonen bei einem EU-Streit mit seinen Playboy-Künsten überzeugt zu haben, ist die Regierung in Helsinki pikiert. Das Außenministerium bestellte den italienischen Botschafter ein.


Halonen: Von Berlusconi betört?
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Halonen: Von Berlusconi betört?

Rom - "Die Finnin und der letzte Latin Lover", kommentierte die Mailänder Zeitung "Corriere della Sera" den Umgang zwischen Berlusconi, 68, und Halonen, 61. Der italienische Regierungschef hatte behauptet, er habe bei der Finnin seine "Playboy-Künste" aufbieten müssen, um im Kampf um die EU-Lebensmittelbehörde die Nordländer zum Einlenken zu bringen. "Man muss alle Waffen einsetzen, die man zur Verfügung hat", hatte Berlusconi bei der jüngsten Einweihung der Behörde in Parma gesagt. Geradezu den Hof gemacht habe er der finnischen Dame.

Noch vor zwei Jahren, als Rom und Helsinki um den Standort der EU-Behörde im Clinch lagen, soll sich Berlusconi weniger charmant geäußert haben: "Die Finnen wissen doch gar nicht, was Schinken ist." Die Regierung in Helsinki findet die Prahlereien Berlusconis alles andere als witzig: Das Außenministerium bestellte den italienischen Botschafter ein.

Berlusconi hatte erst kürzlich die eigenen Landsleute aufgebracht, als er dem Publikum bei einer öffentlichen Veranstaltung in Bozen den Mittelfinger zeigte - angeblich im Scherz.

Nicht immer werden seine Witze gleich als solche erkannt. Als er vor zwei Jahren dem deutschen Europaabgeordneten Martin Schulz nach kritischen Fragen riet, er solle sich in einem Nazi-Film als "Kapo" bewerben, gab es in Deutschland große Empörung. Berlusconi meinte jedoch, dass sei doch nur ironisch gemeint gewesen.



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