Pleite bei Kommunalwahlen Italiener strafen Berlusconi ab

Silvio Berlusconi kassiert offenbar die Quittung für seine privaten Eskapaden. Bei den Kommunalwahlen in Italien erlitt seine Partei herbe Verluste. In Neapel verliert die Rechte das Bürgermeisteramt - eine Niederlage setzte es auch in Berlusconis Heimatstadt Mailand.

Ministerpräsident Berlusconi: Schlappe bei den Wahlen in Italien?
REUTERS

Ministerpräsident Berlusconi: Schlappe bei den Wahlen in Italien?


Rom - Seit Monaten beherrscht er mit negativen Schlagzeilen die Gazetten, nun kommen Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi seine privaten Eskapaden auch politisch teuer zu stehen: Bei den Kommunalwahlen in Italien hat seine regierende Rechte laut Hochrechnungen in Mailand und Neapel herbe Niederlagen erlitten.

Bei der Bürgermeisterwahl in Berlusconis Heimatstadt Mailand holte der Kandidat der Linken, Giuliano Pisapia, nach der Auszählung der meisten Stimmen 55,2 Prozent - und ist damit nicht mehr einzuholen. Auf Amtsinhaberin Letizia Moratti von Berlusconis Partei Volk der Freiheit (PdL) entfielen demnach 44,8 Prozent der Stimmen.

In Neapel lag Berlusconis Kandidat Gianni Lettieri fast 30 Prozentpunkte hinter seinem Herausforderer Luigi de Magistris, einem früheren Richter. Dieser kam auf rund 65 Prozent. Die Stadt plagt seit Monaten eine schwere Müllkrise.

Die Kommunalwahl galt als wichtiger Stimmungstest für Berlusconi. Am Sonntag und am Montag war in 88 Städten und Gemeinden die zweite Runde der Abstimmung abgehalten worden.

Berlusconi hatte zwar noch am Sonntag versichert, dass das Ergebnis der Kommunalwahl keinen Einfluss auf seine Regierung haben werde. Aber vor allem die Niederlage in seiner Heimatstadt Mailand dürfte schwer wiegen. "Die ganze Welt weiß, dass Mailand die politischen Gleichgewichte im Land verändern kann", schrieb die Zeitung "La Stampa". Berlusconi könnte demnach der Rückhalt seines Koalitionspartners, der Liga Nord, verloren gehen.

Der Regierungschef muss sich derzeit gleich in mehreren Verfahren vor Gericht verantworten. Berlusconi wird vorgeworfen, mit seinem Medienimperium Mediaset Ausstrahlungsrechte für US-Filme über zwei Offshore-Firmen gekauft und die Kosten dafür falsch angegeben zu haben, um Steuern zu sparen. So soll er 470 Millionen Euro schwarz in Übersee verdient haben. Neben Berlusconi sind auch zehn weitere Personen angeklagt.

Für noch mehr Schlagzeilen sorgt jedoch der Sexprozess im Fall Ruby. In diesem Verfahren wird Berlusconi Amtsmissbrauch und Sex mit der damals minderjährigen, marokkanischen Prostituierten Ruby Rubacuori alias Karima el-Marough vorgeworfen. Der Politiker bestreitet die Vorwürfe.

Zuletzt war über einen möglichen nahenden Rückzug des 74-Jährigen aus der Politik spekuliert worden.

jok/dpa/AFP

insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Nikolai C.C. 30.05.2011
1. Italo, oder alles Gute kommt aus Italien
Zeit wird es, gewisse Ähnlichkeiten sind vorhanden ;-): http://www.memoro.org/de-de/video.php?ID=1737 Memoro wurde auch zuerst in Italien gegründet..
Campagnano 30.05.2011
2. Richtigstellung
Lieber Spiegel, bitte noch mal recherchieren. In Neapel hat nicht die Rechte regiert sondern Rosa Iervolino vom Partito Democratico (entspricht SPD). Da diese genausowenig wie Berlusconis Partei die Müllkrise in den Griff bekam ist nun der lachende Dritte de Magistris von ganz links. Hier wie in Mailand haben die privaten Eskapaden von Berlusconi weniger eine Rolle gespielt wie bei SPON. Ausschlaggebend waren unfähige Bürgermeistzer vor Ort gepaart mit einer unfähigen Rechts-Regierung in Rom. Gruß aus Italien.
Easyrider1958, 30.05.2011
3. Wir reden hier von einem alten Mann...
Zitat von sysopSilvio Berlusconi kassiert*offenbar die Quittung für seine*privaten Eskapaden. Bei den Kommunalwahlen in Italien erlitt seine Partei herbe Verluste. In Neapel verliert die Rechte das Bürgermeisteramt -*ein Debakel setzte es auch in Berlusconis Heimatstadt Mailand. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,765761,00.html
der im Leben mehr als ALLES erreicht hat, zumindest in Italien....im Ernst was kratzen diesen Herren noch Ergebnisse bei Kommunalwahlen..sind wir wirklich so Realitätsfremd?
sergio56 30.05.2011
4. Nicht nur die Eskapaden
In Mailand hat begonnen , in Mailand endet. Die Niederlage Berlusconis hat auch die Niederlage seiner Partei , der Kandidatin und Ausscheidende Bürgermeisterin Moratti , und auch die Niederlage von der Lega , allesamt mitgeriessen in dem Sumpf was der Cavaliere um sich konstruirt hatte. In Mailand hat die Eskapaden von Berlusconi eine Rolle gespielt , aber nicht entscheidend , entscheidend war die Art und Weise wie die Wahlkampagne in Mailand geführt wurde , es ging nicht um Themen die die Mailänder interessieren sondern es ging nur um den Gegner in dem Supf zu ziehen , das haben die Mailänder nicht mitgemacht und auch der Kandidat der Opposition Giuliano Pisapia , der neue Bürgermeister , hat sich nicht in dem Streitfalle die ihn öfter gestellt worden ist. Die Mailänder haben MP Berlusconi die Rote Karte gezeigt über die Auftritten vor der Justizpalast von Mailand und die Attacke gegenüber Richter und Staatsanwälten , sowas gibt es in ganzen Europa nicht. MP Berlusconi wollte eine Legittimierung seiner Politik in Italien , die Mailänder wollten ein eigenen Bürgermeister , und nicht ein Bürgermeister der nur auf Befehl aus Rom handelt , das hat MP Berlusconi nicht verstanden. Gut so der Nebel verzieht sich und der Himmel über Mailand ab morgen ist etwas blauer .
gnutz, 30.05.2011
5. che buone notizie!
Complimenti an die ItalienerInnen, die sich nicht (mehr) von Berlusconis populistischem Gebrüll haben beeindrucken lassen. Bleibt zu hoffen, dass dieser politische "Trend" sich fortsetzt und im Idealfall einen Amtsrücktritt von SB zur Folge haben wird. Er sollte endlich für Steuerhinterziehung und Amtsmissbrauch zur Rechenschaft gezogen werden können. Seine Neurosen (als "unschuldiges Opfer einer Diktatur von linken Richtern") kann er auch in einer Zelle pflegen. Zumal er weiterhin Medien-Macht über das Volk hat. Und wenn nicht er, so wird sein Sohn grandiose Weisheiten wie "linke Männer sich kaum waschen und linke Frauen sind nicht hübsch" diktieren. Forza vera Italia!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.