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Pöbel-Präsident: Ahmadinedschads absurder Droh-Dschihad

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Schwule, Demokraten, den US-Dollar - Mahmud Ahmadinedschad beschimpft eigentlich alles und jeden. Zum 60-jährigen Staatsjubiläum hat er Israel erneut die "Vernichtung" prophezeit. SPIEGEL ONLINE dokumentiert die heftigsten Zitate des Pöbel-Präsidenten.

Hamburg - Mahmud Ahmadinedschad ist kein einfacher Präsident. Er ist ein Holzhammer-Diplomat mit Schaum vor dem bartumkränzten Mund, der einen verbalen Dschihad gegen seine Gegner ausficht. Manche seiner Drohungen sind schlicht absurd. Im November 2007 behauptete Irans Präsident beispielsweise, die US-Wirtschaft stehe unmittelbar vor dem Zusammenbruch. Der Dollar sein "nur noch ein wertloses Stück Papier".

Andere Drohungen sind nicht nur absurd, sondern obendrein gewaltverherrlichend und volksverhetzend: Jüngstes Beispiel sind die Verbalattacken, die Ahmadinedschad gegen Israel abfeuerte - pünktlich zu dessen 60-jährigem Staatsjubiläum.

In einer Ansprache, die am Mittwochmittag im staatlichen Fernsehen übertragen wurde, schleuderte er gegen Israel unter anderem das Wort "ismihlal". Es kann mit "Vernichtung", "Tod" oder "Zusammenbruch" übersetzt werden. Die aktuellen Feiern würden den jüdischen Staat vor diesem Schicksal nicht bewahren, drohte Ahmadinedschad.

Es ist nicht das erste Mal, dass Irans Präsident Israel mit der Auslöschung droht. Dass das "Besatzerregime Geschichte werden muss", hatte er schon auf der Konferenz "Eine Welt ohne Zionismus" im Oktober 2005 in Teheran gefordert. Damals drohte er zudem Israels Unterstützern, sie würden "im Feuer der islamischen Gemeinschaft verbrennen".

Über den Holocaust stellte Ahmadinedschad wiederholt absurde Verschwörungstheorien auf: "Verehrte Frau Bundeskanzlerin, ich habe nicht vor, über den Holocaust zu streiten. Aber ist es nicht plausibel, dass manche Siegermächte des Zweiten Weltkrieges vorhatten, einen Vorwand zu schaffen, um die besiegten Völker auf Dauer in ihrer Schuld zu halten?", fragte er Angela Merkel im August 2006 per Brief.

"Mieser kleiner Diktator"

Auch US-Präsident George W. Bush belehrte er im Mai 2006 in einem 18-seitigen Brief - unter anderem darüber, dass der "Liberalismus und die Demokratien nach westlichem Muster gescheitert" seien, da sie nicht in der Lage waren, "die Ideale der Menschheit zu verwirklichen".

Nicht minder befremdlich wirken bisweilen die Kommentare, die Ahmadinedschad über sein eigenes Land macht. "Im Iran haben wir keine Homosexuellen", behauptete er beispielsweise bei einem Vortrag an der New Yorker Columbia Universität im September 2007. Als ihm eine Reporterin am darauffolgenden Tag mitteilte, sie kenne aber welche, sagte Ahmadinedschad mit kaum verhohlenem Unwillen: "Geben Sie mir die Adressen!"

Solch Kampfrhetorik provoziert viele Feinde. Und deren Verbalattacken sind oft ähnlich grobschlächtig wie die Ausfälle Ahmadinedschads. Dieser sei ein "mieser kleiner Diktator" wetterte beispielsweise Lee Bollinger, Präsident der Columbia-Universität, gegen Irans Präsidenten. Die US-Zeitung "Daily News" nannte Ahmadinedschad schlicht "das Böse", der Journalist Michel Friedman bezeichnete ihn in einem "Stern"-Interview als "verbalen Hitler".

Andere, wie Israels Staatspräsident Schimon Peres, ließen das "verbal" gleich weg. "Ich identifiziere ein Phänomen wie bei Hitler, und die Welt reagiert wieder gleichgültig", sagte er erst Anfang Mai der israelischen Zeitung "Haaretz".

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Ahmadinedschad: Die Verbalausfälle des iranischen Präsidenten


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