Polen Staatschef Duda entschuldigt sich für antijüdische Kampagne vor 50 Jahren

Während das neue Holocaust-Gesetz die Beziehung zwischen Polen und Israel belastet, bittet Präsident Duda in Warschau halbherzig um Verzeihung - für die Diskriminierung von Juden in den späten Sechzigerjahren.

Präsident Duda
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Kurz nach seinem Inkrafttreten des umstrittenen polnischen Holocaust-Gesetzes hat sich Präsident Andrzej Duda für eine antijüdische Kampagne vor 50 Jahren in Polen entschuldigt. "Bitte verzeihen Sie, verzeihen Sie der Republik und den Polen", sagte er. Gleichzeitig relativierte er die Entschuldigung und betonte, dass das "freie und unabhängige Polen von heute keine Verantwortung trägt" für das Schicksal Tausender Juden, die während der Herrschaft der Kommunisten ins Exil getrieben wurden.

Die Entschuldigung kam zum 50. Jahrestag des Geschehens von 1968. Damals hatte es Studentenproteste gegen das kommunistische Regime gegeben, das Juden aus der Partei ausschließen ließ. Mehr als 12.000 Juden verließen daraufhin das Land, darunter auch prominente Holocaust-Überlebende.

Die Entschuldigung des nationalkonservativen Präsidenten zum Jahrestag erfolgt inmitten eines heftigen Streits zwischen Warschau und Jerusalem um das Holocaust-Gesetz. Es sieht unter anderem Geldstrafen und bis zu drei Jahre Gefängnis vor, wenn der "polnischen Nation oder dem polnischen Staat" eine Mitschuld an den Naziverbrechen gegeben wird.

Die israelische Regierung sieht in dem Gesetz einen Versuch, die individuellen Verbrechen von Polen an Juden im Zweiten Weltkrieg zu verharmlosen.

Kürzlich verschärfte Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki diesen Streit, als er sagte, es habe auch "jüdische Täter" in der NS-Zeit gegeben. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu bezeichnete die Bemerkung als "empörend".

vks/AFP

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