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Abhöraffäre in Warschau: Polens Außenminister hält Bündnis mit den USA für "wertlos"

Polnischer Außenminister Sikorski: "Das polnisch-amerikanische Verhältnis ist schädlich" Zur Großansicht
REUTERS

Polnischer Außenminister Sikorski: "Das polnisch-amerikanische Verhältnis ist schädlich"

Eine Abhöraffäre hält Polen in Atem. Das Nachrichtenmagazin "Wprost" hat nun geheime Äußerungen von Außenminister Sikorski veröffentlicht. Die Mitschnitte haben es in sich: Warschaus Chefdiplomat bezeichnet das Bündnis mit den USA als "wertlos".

Warschau - Die Veröffentlichung weiterer Abhörprotokolle sorgt für Aufregung in Polen. Das Nachrichtenmagazin "Wprost" hat Auszüge eines Gesprächs zwischen Außenminister Radoslaw Sikorski und dem ehemaligen Finanzminister Jacek Rostowski publiziert. Darin äußert sich Sikorski sehr kritisch über das Verhältnis zu den USA.

"Du weißt, dass das polnisch-amerikanische Bündnis wertlos ist. Es ist sogar schädlich, da es Polen das falsche Gefühl von Sicherheit gibt", sagte der Außenminister laut dem Magazin. "Völliger Bullshit! Wir bekommen Probleme mit Deutschland, mit Russland, und sind der Meinung, dass alles super ist, weil wir den Amerikanern einen geblasen haben. Das ist absolut naiv." Die Regierungssprecherin Malgorzata Kidawa-Blonska wollte den Bericht nicht kommentieren.

Nach Angaben einer "Wprost"-Mitarbeiterin sei das zitierte Gespräch Ende Januar oder Anfang Februar geführt worden. Herausgeber Michal Lisiecki twitterte am Sonntag, das Treffen von Sikorski und Rostowski habe in einem Restaurant in der Nähe des Warschauer Außenministeriums stattgefunden. Dieses Restaurant ist auch bei Warschauer Diplomaten beliebt für Geschäftsessen. Quelle der Informationen sei ein Geschäftsmann.

Premier Tusk schließt Neuwahlen nicht mehr aus

Sikorskis Äußerungen sind auch deshalb besonders bemerkenswert, weil der Politiker bisher als sehr amerikafreundlich galt. Er lebte mehrere Jahre in Washington und ist mit der US-Historikerin und Pulitzer-Preis-Trägerin Anne Applebaum verheiratet.

Das Magazin hatte bereits vergangenes Wochenende mit der Veröffentlichung eines Gesprächsmitschnitts von Innenminister Bartlomiej Sienkiewicz und Zentralbankchef Marek Belka eine Staatsaffäre ausgelöst. Darin sind Sienkiewicz und Belka bei einem Gespräch in einem Warschauer Restaurant im vergangenen Juli zu hören, bei dem der Notenbankchef als Bedingung für seine Unterstützung der Regierung die Entlassung des damaligen Finanzministers Rostowski forderte. Dieser wurde Ende November tatsächlich entlassen.

Die Opposition kritisierte nach Veröffentlichung der Aufnahme eine illegale Einflussnahme und forderte den Rücktritt der Regierung. Ministerpräsident Donald Tusk lehnte dies ab und sprach von einem Versuch zum Sturz der Regierung. Allerdings schloss er am Mittwoch vorgezogene Neuwahlen nicht aus. Zusätzlich geriet er unter Druck, als die Staatsanwaltschaft am Dienstag die Redaktion von "Wprost" durchsuchen ließ, um die Mitschnitte zu beschlagnahmen. Angesichts des Widerstands der Journalisten mussten die Beamten aber wieder abziehen.

syd/AFP/dpa

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insgesamt 73 Beiträge
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1. Danke liebe NSA
WernerT 23.06.2014
Dass ihr dafür gesorgt habt, dass nun jeder weiß, wie die polnische Regierung über den Rest der Welt denkt. Gut ist nicht gerade schmeichelhaft für die Deutschen, aber realistisch was die USA und Russland angeht.
2. Smarty
pwolters 23.06.2014
Der Mann ist bekanntlich recht smart. Wobei man ein Flippsel beim Mittagstisch nicht sooo ernst nehmen sollte. Ein Kern Wahrheit steckt dennoch in dieser Plattitüde. Aber wo sind die Alternativen für Polen?
3. Zufall?
rwinter77 23.06.2014
Eine Regierung gerät unter Druck, u.a. weil ihr Außenminister das Bündnis mit den USA kritisch betrachtet und jemand dies illegal mitgehört hat. Ein Schelm, der Schlechtes dabei denkt!
4.
hjm 23.06.2014
---Zitat--- Angesichts des Widerstands der Journalisten mussten die Beamten aber wieder abziehen. ---Zitatende--- Da fehlt der polnischen Polizei wohl die nötige Ausrüstung. Wer könnte da helfen (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/panzer-fuer-us-polizei-militaer-gibt-material-an-polizisten-a-975855.html)?
5. Nebensatz viel interessanter
andreu66 23.06.2014
Der Nebensatz, dass Polen mögliche Probleme mit dem Nachbarn und EU-Partner Deutschland durch Druck aus den USA regeln möchte, ist doch eigentlich viel interessanter.
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Fläche: 312.679 km²

Bevölkerung: 38,419 Mio.

Hauptstadt: Warschau

Staatsoberhaupt:
Andrzej Duda

Regierungschef:
Beata Szydlo

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