Warschau Polens Außenministerium verteidigt Aufmarsch von Rechten

In Warschau demonstrierten Zehntausende Nationalisten und Rechtsextreme - nun verteidigt Polens Regierung die Kundgebung als "Ausdruck patriotischer Werte". Israel spricht dagegen von einem "gefährlichen Aufmarsch".

Getty Images

Das polnische Außenministerium hat den Aufmarsch von Ultrarechten am Wochenende in Warschau verteidigt. Man verurteile "rassistische, antisemitische und ausländerfeindliche Ideen", teilte das Ministerium der Nachrichtenagentur AP mit. Doch die Demonstration von Rechtsradikalen und Anhängern der nationalkonservativen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) am Samstag sei "im Wesentlichen ein Ausdruck patriotischer Werte" gewesen.

Hintergrund der Aufmärsche war der 99. Jahrestag der Wiedererlangung der staatlichen Unabhängigkeit Polens im Jahr 1918. Damals war die lange Teilung Polens durch Preußen, Österreich-Ungarn und Russland überwunden worden. Etwa 60.000 Menschen nahmen an der Kundgebung teil, darunter auch Familien. Einige Demonstranten trugen rechtsradikale Banner und Symbole.

Das Außenministerium nannte den Aufmarsch "eine große Feier der Polen, mit unterschiedlichen Ansichten, aber vereint in den gemeinsamen Werten von Freiheit und Treue zu einem unabhängigen Heimatland". Es sei nicht gerechtfertigt, den Marsch aufgrund der Taten Einzelner zu beurteilen.

Fotostrecke

9  Bilder
Polen: Aufmarsch in Warschau

Polens Innenminister Mariusz Blaszczak (PiS) hatte am Sonntag gesagt, der Unabhängigkeitstag sei in einer "sehr guten Atmosphäre" verlaufen. "Wir konnten die weiß-roten Fahnen in den Straßen Warschaus sehen, das war ein schöner Anblick", merkte er der Agentur PAP zufolge an. Gefragt nach rassistischen Spruchbändern wie "Weißes Europa" oder "Reines Blut" sagte der Innenminister, er habe diese "persönlich nicht gesehen". Man dürfe solchen "Vorkommnissen" nicht alles unterordnen.

Das Außenministerium weist in seiner Stellungnahme nun darauf hin, dass die polnische Regierung den US-amerikanischen Rechtsnationalisten Richard Spencer ausgeladen habe. Ursprünglich sei ein Auftritt von Spencer am Tag vor den Demonstrationen in Warschau vorgesehen gewesen. Das Außenministerium habe dem US-Amerikaner aber mitgeteilt, dass man ihn nicht im Land wolle.

Israels Regierung verurteilte indes die Kundgebung in Warschau. Es habe sich dabei um "einen gefährlichen Aufmarsch von extremen und rassistischen Elementen" gehandelt, sagte ein Sprecher des israelischen Außenministeriums. "Wir hoffen, dass die polnischen Behörden gegen die Organisatoren vorgehen." Die Geschichte lehre, so der Sprecher, dass "wir gegen rassistische Hetze schnell und bestimmt vorgehen müssen".

cte/AP



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.