Nachtaktion Polnische Militärpolizei holt Chef aus Nato-Spionagezentrum

In Polen ist der Streit um die Leitung eines Nato-Spionagezentrums eskaliert. Der bisherige Chef des Stützpunkts in Warschau wurde in der Nacht von der Militärpolizei abgeholt - auf Geheiß der neuen Regierung.

Der versiegelte Eingang des Nato-Zentrums: Geht es um Spionage für die USA?
DPA

Der versiegelte Eingang des Nato-Zentrums: Geht es um Spionage für die USA?


Polens nationalkonservative Regierung hat in einer nächtlichen Aktion den Leiter eines neuen Nato-Spionageabwehrzentrums in Warschau ausgewechselt.

Hochrangige Beamte des Verteidigungsministeriums hätten gegen 1.30 Uhr morgens in Begleitung von Militärpolizisten und dem neuen Chef versucht, in die Einrichtung einzudringen, berichtete die polnische Nachrichtenagentur PAP.

Als Grund für den Einsatz gab Ministeriumssprecher Bartlomiej Misiewicz an, Oberst Krzysztof Dusza sowie eine Reihe von Mitarbeitern des Nato-Quartiers hätten sich einer Versetzungsorder widersetzt. Das neue Spionageabwehrzentrum wurde unter Führung von Polen und der Slowakei errichtet. Deutschland ist an dem Projekt beteiligt.

Die Regierung der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) stand zuletzt vermehrt in der Kritik, weil sie zahlreiche Spitzenposten in Verwaltung und Staatsbetrieben mit regierungstreuen Mitarbeitern neu besetzt hatte. Ex-Präsident Bronislaw Komorowski von der oppositionellen Bürgerplattform (PO) zeigte sich im Sender TOK FM verwundert und beunruhigt über die nächtliche Aktion.

Der öffentlich-rechtliche Sender TVP Info berichtete dagegen unter Berufung auf ungenannte Quellen, es gebe einen Verdacht auf Spionage für die USA. Eine Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

apr/dpa/AP



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