Unabhängigkeitstag in Polen Hooligans randalieren in Warschau

Hunderte Nationalisten haben am polnischen Unabhängigkeitstag bei einer Demonstration Polizisten in Warschau angegriffen. Die Beamten setzten Wasserwerfer ein. Mehr als 200 Randalierer wurden festgenommen.

Aus Warschau berichtet

DPA

In der polnischen Hauptstadt ist es am Unabhängigkeitstag zu Krawallen gekommen: Hooligans attackierten mehrfach Polizeibeamte vor dem Warschauer Nationalstadion mit Pflastersteinen, Böllern und Feuerwerkskörpern. Auch Journalisten wurden angegriffen, wie die polnische Zeitung "Gazeta Wyborcza" berichtete.

Die Randalierer waren an der Spitze des "Marsches der Unabhängigkeit" gelaufen, sagte ein Polizeisprecher am frühen Dienstagabend. Er sprach von einer "großen Gruppe" von mehreren Hundert Hooligans, die sich mehr als zwei Stunden lang Straßenschlachten mit den Beamten lieferten. Sie führten zunächst den Demonstrationszug mit Zehntausenden Teilnehmern zum Gedenken an die staatliche Unabhängigkeit 1918 an.

Mehr als 200 Randalierer festgenommen

Die Polizei stoppte den Marsch, der durch die Warschauer Innenstadt auf die rechte Weichsel-Seite führte, und setzte Wasserwerfer ein. Es wurden mindestens zwei Beamte und zwei Teilnehmer des Marsches verletzt. Mehrere maskierte Randalierer wurden festgenommen: 215 Menschen waren es am Dienstagabend, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Die Beamten hatten nach den Angriffen begonnen, nach und nach Randalierer festzunehmen. Am Abend beruhigte sich die Lage vor dem Stadion.

Die Organisatoren des Marsches unter dem Motto "Armee der Patrioten" hatten mehrmals versucht, die Teilnehmer mit Durchsagen zu beruhigen. Sie sprachen von mehr als 50.000 Menschen, die in diesem Jahr mitmarschierten. Die Demonstration wurde von den rechtsextremen Gruppen "Mlodziez Wszechpolska" (Allpolnische Jugend) und "Oboz Narodowo-Radykalny" (Nationalradikales Lager) veranstaltet. Sie wurde um 19 Uhr offiziell für beendet erklärt.

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Nationalfeiertage in Polen: Krawalle in Warschau
Immer wieder war es in den vergangenen Jahren zu Gewalt gekommen: 2013 griff eine Gruppe ein Gebäude der russischen Botschaft an. Zudem zündeten Nationalisten eine Regenbogen-Installation vor der Erlöserkirche in der polnischen Hauptstadt an. In diesem Jahr war dort bereits am Mittag verstärkt Polizei aufmarschiert.

Ein Demonstrationsmarsch mit Präsident Bronislaw Komorowski und Regierungschefin Ewa Kopacz unter dem Motto "Gemeinsam für die Unabhängigkeit" verlief am frühen Nachmittag friedlich. Allerdings nahmen an dem Umzug nur wenige Tausend Menschen teil.

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