Polen Kaczynski wünscht sich Europa als atomare "Supermacht"

Wie soll sich die EU zwischen USA und Russland behaupten? Jaroslaw Kaczynski, der Chef von Polens Regierungspartei, hat eine Idee: europäische Atomwaffen.

Jaroslaw Kaczynski
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Jaroslaw Kaczynski


Europa steht unter Druck: Im Inneren arbeiten Rechts- und Linkspopulisten am Zerfall der EU, im Osten geht Kreml-Chef Wladimir Putin regelmäßig auf Konfrontationskurs zu Brüssel. Und im Westen? Seit Donald Trumps Wahl zum US-Präsidenten gilt nicht einmal mehr die Zukunft der Nato als in Stein gemeißelt.

Was tun? Geht es nach Polens Ex-Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski, muss die Europäische Union aufrüsten - und zwar gewaltig. Er würde die Idee einer atomaren "Supermacht" Europa begrüßen, sagte der Vorsitzende der Regierungspartei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Allerdings müsste man dafür "zu gewaltigen Ausgaben bereit sein", und das sehe er nicht, so Kaczynski. "Eine eigene Atommacht müsste mit Russland mithalten können."

Am Dienstag reist Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Gesprächen nach Warschau, wo sie auch auf Kaczynski trifft. Dieser hat zwar kein Staatsamt inne, gilt aber als politischer Strippenzieher im Land. Während Merkels Besuch in Polen soll es auch um die Zukunft der EU gehen.

Kaczynski fordert in der "FAZ" eine grundlegende Reform der Union. Die EU sei ein Erfolg gewesen, "bis zwei schwere Fehler gemacht wurden: beim Vertrag von Lissabon und in der Flüchtlingskrise", so Kaczynski. Wenn der amerikanische Präsident Donald Trump sage, Europa nutze nur Deutschland, würde das leider "zum größten Teil stimmen". "Frau Merkel ist absolut die Nummer eins in der EU, und das ist keine gesunde Situation."

Kaczynski will die europäischen Verträge ändern. "Man muss die Nationalstaaten stärken und die Kompetenzen der Union reduzieren. Außerdem müssen wir uns vor Monozentrismus schützen. Deutschland profitiert davon, andere nicht." Zudem erklärte er, eine massenhafte Aufnahme von Flüchtlingen komme einer "Liquidierung der aus dem Christentum hervorgegangenen Zivilisation" gleich.

kev



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 96 Beiträge
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matbhmx 06.02.2017
1. Genau, und am besten unter den ...
... Fittichen der Polen - aber die Deutschen dürfen zahlen! Richtig und wichtig wäre vielmehr eine europäische Armee. Setzte voraus, dass alle Nationen der EU Armeen zur Verfügung stellen, die diese Bezeichnung verdienen. Deutschland fällt also schon Mal aus - es sei denn, man wollte mit Besenstilen als Kanonenersatz und dem zur Patroneneinsparung ersatzweise zu rufenden "Peng" den Angreifer, von wo er auch immer kommen mag, schlicht zum sich Totlachen verpflichten! Atomwaffen sind nur solange gut, solange sie nicht zum Einsatz kommen! Und da wird dem polnischen Politlümmel klar zu machen sein, dass es immerhin zwei europäische Mächte gibt, die zu Abschreckungszwecken über Atomwaffen verfügen.
Tom steeger 06.02.2017
2. Eskalation
des Testosterons
Hänschen Klein 06.02.2017
3.
Solange die Anzahl der Moslems unter 10 % bleibt und Europa keinerlei Zugeständnisse an den Islam macht, kann ich den letzten Satz nicht teilen. Aber ich stimme ihm bei allem anderen zu. Klasse, dass jemand noch Visionen hat und nicht einfach alles beim Status Quo belassen will. Man sollte die EU in eine außenpolitisch-militärische Supermacht verwandeln (auf diese Weise würde auch die Gefahr von Kriegen zwischen Europäern eliminiert), dafür aber die wirtschaftliche und binnenpolitische EU abschaffen und wieder durch eine reine Freihandelszone ersetzen. Der Mensch hängt an seiner Nation, ob das der Elite gefällt oder nicht. Dem Menschen die Nation zu nehmen, geht nach hinten los, denn der Mensch ist von Natur aus egoistisch und rassistisch. Das lässt sich nicht per Gesetz ändern.
master_oftheuniverse 06.02.2017
4. Omg
Das ist genau das was die Welt jetzt noch braucht... noch so ein Spinner mit Atomwaffen...
taglöhner 06.02.2017
5. Soso
Also da muss er sich schon entscheiden: Entweder Rennaissance der Nationalstaaten und damit des Faschismus, oder Integration bis hin zum glaubwürdigen, gemeinsam verantworteten Abschreckungspotential. Und vor allem erst mal wirklich überzeugende gefestigte Demokratien und Demokraten im Osten der EU werden.
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