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Spionage-Vorwurf: Walesa will internationale Expertise zu Geheimdienstakte

Lech Walesa 2015: "Das stinkt von Weitem nach Fälschung" Zur Großansicht
AP

Lech Walesa 2015: "Das stinkt von Weitem nach Fälschung"

Lech Walesa kämpft um seinen Ruf: Als Reaktion auf die Vorwürfe, er habe mit dem polnischen Geheimdienst kooperiert, geht der Friedensnobelpreisträger in die Offensive - und verlangt internationale Aufklärung.

Der ehemalige polnische Arbeiterführer Lech Walesa setzt beim Umgang mit seiner angeblichen Geheimdienstakte auf Experten aus dem Ausland. "Ich reiche das zur internationalen Klärung weiter", sagte er dem polnischen Nachrichtensender TVN24. "Ich lasse nicht zu, dass der Leichnam Kiszczaks gewinnt."

Der Friedensnobelpreisträger soll zur Zeit des kommunistischen Regimes mit dem polnischen Geheimdienst zusammengearbeitet haben. Bislang wies der ehemalige Präsident des Landes die Anschuldigungen zurück, räumte inzwischen jedoch einen "Fehler" ein - ohne näher darauf einzugehen. "Der Mann, der Täter, der die Wahrheit aufklären kann, lebt noch, und ich zähle darauf", schrieb Walesa.

Das zur Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit zuständige Institut des Nationalen Gedenkens (IPN) hatte in der vergangenen Woche aus dem Privatarchiv des verstorbenen früheren Innenministers Czeslaw Kiszczak die Personalakte des Geheimdienstspitzels "Bolek" aus den Siebzigerjahren sichergestellt. Darin befindet sich eine angeblich von Lech Walesa unterzeichnete Verpflichtung, mit dem kommunistischen Sicherheitsdienst zusammenzuarbeiten.

"Das stinkt von Weitem nach Fälschung", sagte Walesa, der Spitzelvorwürfe stets bestritten hat. Walesa widersprach Gerüchten, er wolle Polen nun verlassen: "Ich liebe Polen, und niemand schmeißt mich von dort raus noch werde ich wegziehen."

Walesa hatte 1980 den Streik der Danziger Werftarbeiter angeführt und der kommunistischen Regierung die Anerkennung der unabhängigen Gewerkschaft Solidarnosc (Solidarität) abgetrotzt. Er ist ein prominenter Kritiker der seit Oktober regierenden, neuen nationalkonservativen Regierung und des Chefs der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Jaroslaw Kaczynski.

Angebliches Beweisstück: polnische Geheimdienstakte Zur Großansicht
AFP

Angebliches Beweisstück: polnische Geheimdienstakte

apr/dpa

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