Medienbericht Polen sollen antipolnische Äußerungen melden

"Informieren Sie uns über jede Verleumdung": Die Regierung in Warschau hat einem Bericht zufolge Polen im Ausland dazu aufgerufen, Behörden von mutmaßlich antipolnischen Äußerungen zu berichten.

Demonstration in Warschau
REUTERS/Krzysztof Miller/Agencja Gazeta

Demonstration in Warschau


Die rechtskonservative polnische Regierung fordert im Ausland lebende Landsleute auf, vermeintlich antipolnische Äußerungen an offizielle Stellen zu melden. Das berichtet der NDR und beruft sich dabei auf ein dreiseitiges Schreiben, das weltweit über die Botschaften und Konsulate verbreitet werde.

"Bitte dokumentieren Sie alle antipolnischen Äußerungen, Darstellungen und Meinungen, die uns schaden, und reagieren Sie darauf. Informieren Sie unsere Botschaften, Konsulate und Honorarkonsulate über jede Verleumdung, die den guten Ruf Polens beeinflusst", heißt es demnach in dem Schreiben von Senatsmarschall Stanislaw Karczewski.

Hintergrund für den Brief ist das umstrittene Holocaust-Gesetz, das Präsident Andrzej Duda in der vergangenen Woche trotz Kritik unterzeichnet hatte. Das Gesetz droht denjenigen eine Strafe von bis zu drei Jahren an, "die öffentlich und wahrheitswidrig dem polnischen Volk oder Staat" eine Mitschuld an Verbrechen zuweisen, die durch das NS-Regime begangen wurden. Das Vorhaben hat eine diplomatische Krise mit Israel ausgelöst und belastet auch das Verhältnis zwischen Polen und der Ukraine. Kritiker befürchten, Polen könne die eigene Verantwortung abstreifen und den Anteil polnischer Bürger am Holocaust an den Juden verleugnen.

Stanislaw Karczewski in Warschau
Radek Pietruszka/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Stanislaw Karczewski in Warschau

Der polnische Botschafter in Berlin, Andrzej Przylebski, teilte laut NDR mit, bei dem Aufruf handele es sich um "die üblichen Aufgaben einer diplomatischen bzw. konsularischen Vertretung". Auf die Frage, ob Maßnahmen zur Strafverfolgung vorgesehen seien, teilte der polnische Botschafter mit, es gebe noch keine Ausführungsbestimmungen für das Gesetz.

Karczewski schrieb dem Bericht zufolge, Polen seien im In- und Ausland seit vielen Jahren "konfrontiert mit der schmerzhaften, ungerechten - und vor allem - faktisch nicht richtigen Formulierung 'polnische Todeslager' ebenso wie mit der Beschuldigung, Polen sei in den Holocaust involviert gewesen." Dies sei eine Kränkung der nationalen Würde.

aar/dpa/AFP



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