Flugzeugunglück von Smolensk Präsidentenmaschine zerbrach angeblich schon in der Luft

2010 starb der polnische Präsident Lech Kaczynski beim Flugzeugabsturz von Smolensk. Ein Unfall, so der offizielle Untersuchungsbericht. Die polnische Justiz stärkt nun die Anschlagstheorie der Regierungspartei PiS.

Die Unglücksstelle von Smolensk
AFP

Die Unglücksstelle von Smolensk


Der Absturz der Tupolew-154 am 10. April 2010 im russischen Smolensk war kein tragischer Unfall, sondern ein Anschlag - davon ist Jaroslaw Kaczynski überzeugt. Der Vorsitzende der polnischen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) verlor bei dem Unglück seinen Zwillingsbruder Lech Kaczynski, den damaligen Präsidenten des Landes.

Die polnische Justiz präsentierte jetzt zum siebten Jahrestag des Absturzes neue Indizien, die diese Theorie angeblich stützen: Die Präsidentenmaschine sei schon "in der Luft" auseinander gebrochen, sagte Ermittlungsleiter Waclaw Berczynski am Montag im Fernsehsender TVP. Dies habe sich aus der erneuten Auswertung der aufgezeichneten Gespräche zwischen Cockpit und Kontrollturm ergeben.

Bei dem Unglück vor sieben Jahren waren alle 96 Passagiere ums Leben gekommen. Der erste offizielle Untersuchungsbericht war 2010 zu dem Schluss gekommen, dass menschliches Versagen und technische Mängel für die Katastrophe beim Landeanflug im Nebel verantwortlich waren. Eine Auswertung des Stimmenrekorders zeigte, dass mehrere Militär- und Regierungsvertreter die Piloten im Cockpit trotz des schlechten Wetters zur Landung gedrängt hatten. Beim Landeanflug habe das Flugzeug dann einen Baum gestreift und stürzte ab, heißt es in dem Bericht.

Kampf um die richtige Geschichte

Diese Unfalltheorie halten die PiS-Regierenden und viele Anhänger der konservativen Partei für falsch. Sie versuchen seit ihrer Machtübernahme im Oktober 2015 zu beweisen, dass die mit ranghohen Politikern und Militärs besetzte Regierungsmaschine absichtlich zum Absturz gebracht worden sei.

Die polnischen Ermittlungsbehörden kommen nun zu dem Schluss, dass schon vor dem Absturz Teile der Maschine "weit entfernt von der berühmt-berüchtigten Birke" zu Boden gefallen seien. "Der Baum hatte keine Auswirkung auf den Absturz", hieß es.

Der Kampf um die Geschichte des Absturzes wird seit Langem geführt. Bereits im November vergangenen Jahres begannen die Ermittler mit der Exhumierung der Opfer des Absturzes. Die Staatsanwaltschaft will zudem Trümmerteile der Maschine an vier ausländische Labore übergeben, um sie auf Sprengstoffspuren zu untersuchen.

Vor einer Woche hatte die Staatsanwaltschaft außerdem ihre Anklage gegen die Fluglotsen aus Smolensk ausgeweitet. Sie werden nun beschuldigt, den Absturz "absichtlich" verursacht zu haben. Einer der beiden Russen war bereits 2015 beschuldigt worden, die "unmittelbare Gefahr eines Flugzeugunglücks" verursacht zu haben. Seinem Kollegen wurde Fahrlässigkeit vorgeworfen.

dop/AFP/dpa



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