Politik

Polen

Zehntausende Katholiken beten an den Grenzen

Menschenketten und Rosenkranzgebete: Zehntausende Katholiken haben sich an Polens Außengrenzen versammelt. Kritiker sprechen von einer antimuslimischen Aktion.

DPA

Gläubige in Szklarska Poreba (Polen) an der tschechisch-polnischen Grenze

Sonntag, 08.10.2017   11:30 Uhr

Zehntausende polnische Katholiken haben am Samstag an den Außengrenzen des Landes Menschenketten gebildet und Gott um die "Rettung Polens und der Welt" gebeten. Die Gläubigen folgten einem Aufruf der Stiftung Solo Dios Basta. Zu der Aktion "Rosenkranzgebet an den Grenzen" hatte auch die polnische Bischofskonferenz eingeladen.

Die Bischöfe bezeichneten die Kundgebungen an der gut 3500 Kilometer langen Landesgrenze als Massengebet für den Weltfrieden. Kritiker sahen die Aktion hingegen als gegen Muslime gerichtet.

In einer live im ultrakatholischen Sender Radio Maryja übertragenen Messe erklärte Krakaus Erzbischof Marek Jedraszewski, er bete "für die anderen europäischen Nationen, damit sie die Notwendigkeit verstehen, zu den christlichen Wurzeln zurückzukehren, damit Europa Europa bleibt".

Mehr als tausend Menschen nahmen in der Kirche der Ortschaft Koden an der Grenze zu Weißrussland an einer Messe teil. Der 64-jährige Adam Hernik, der mit dem Reisebus aus seiner Diözese eintraf, sagte: "Ich kenne die Muslime nicht, aber wir dürfen sie nicht in unser Land lassen. Dann haben wir unsere Ruhe."

Die Aktion fand am Tag des Fests "Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz" statt, das seit der Seeschlacht von Lepanto im Jahr 1571 begangen wird. Damals besiegte die christliche Flotte die muslimische Übermacht und rettete damit "Europa vor der Islamisierung", wie die Stiftung in ihrem Aufruf erklärte. An der Aktion nahmen Hunderte Kirchen aus 22 Diözesen in Grenznähe teil.

Die Organisatoren weisen Vorwürfe, es handle sich um eine islamophobe Aktion, zurück. Das Gebet richte sich nicht gegen jemanden, sondern sei ausschließlich religiös motiviert.

cte/AFP

Weitere Artikel
© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH