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Polens Präsident Kaczynski Tragisches Ende einer nationalen Mission

2. Teil: Kaczynskis Gespür für die Gefühlslagen der Polen

Auch vor den Wahlen zur Präsidentschaft und zum Parlament 2005 bewiesen Lech und Jaroslaw ein gutes Gespür für die Gefühlslagen ihrer Landsleute. Sie versprachen die sogenannte Dritte Republik, die Ordnung nach der Wende von 1989, abzuschaffen und durch eine "Vierte Republik" zu ersetzen. Darin sollten die alten postkommunistischen Eliten endgültig entmachtet sein, die Korruption wirksam bekämpft werden, Spitzel bestraft und die Nation nach gutem katholischen Glauben, das heißt ohne Abtreibungen und Schwulenehe, harmonisch zusammenleben.

Die Botschaft verfing, der Frust über die Affären und Vetternwirtschaft der bis dahin regierenden Linken war gewaltig. Die Kaczynskis bekamen Stimmen nicht nur von den Verlierern der Wendezeit. Ihre Vision kam auch bei gebildeten Städtern an.

Beim Ausmisten des politischen Mobiliars der Dritten Republik gingen auch deren außenpolitische Leitlinien mit auf den Sperrmüll: Schon Mazowiecki aber auch die linken Regierungen nach ihm hatten großen Wert auf ein gutes Verhältnis zu den Deutschen gelegt. Damit war jetzt Schluss. Der Ton zwischen Warschau und Berlin verschärfte sich dramatisch.

Selbstzufrieden hatten sich die Deutschen eingerichtet mit dem kleinen, vermeintlich schwachen Nachbarn, hatten sich zu Polens Fürsprecher beim EU-Beitritt gemacht und geglaubt, damit sei ausreichende Buße getan für die Verbrechen der Nazis. Doch plötzlich sahen sie sich einer polnischen Regierung - Jaroslaw war mittlerweile Premier - gegenüber, die sich nicht mit Sonntagsreden und "Versöhnungskitsch" (so der einstige Botschafter Janusz Reiter) abspeisen ließ.

"Im Westen haben einige wohl gedacht, Polen habe keine eigenen Interessen mehr, sondern würde sich einfach der Meinung anderer anschließen. So ist es auf keinen Fall", donnerte Lech Kaczynski damals im SPIEGEL-Gespräch.

Wütende Polemik gegen Deutschland

Das Polen der Zwillinge wütete gegen die Ostseepipeline, deren Bau über den Kopf Warschaus hinweg zwischen Deutschen und Russen vereinbart worden war. Sie polemisierten gegen das von den Vertriebenen geplante Gedenkzentrum in Berlin und den ihrer Meinung nach übergroßen Einfluss der Deutschen in der EU. Eine neue Generation von rechten Publizisten warf den Deutschen Geschichtsvergessenheit vor. Die westlichen Nachbarn - so ihre Lesart - würden die Juden und die Vertriebenen zu den einzigen Opfern des Zweiten Weltkriegs stilisieren.

Bald, so sagte damals Jaroslaw, sei es gar so weit, dass die Polen sich bei den Deutschen für den Zweiten Weltkrieg entschuldigen müssten. In Brüssel hätte Lech Kaczynski beinahe der Lissabon-Vertrag zu Fall gebracht. Sein Argument: Polen habe ein höheres Stimmgewicht verdient, schließlich wäre das Land heute viel größer und reicher, wenn die Deutschen es nicht zu dem Schlachtfeld des Zweiten Weltkrieges gemacht hätten.

Auch auf deutscher Seite sahen sich viele in ihren Vorurteilen bestätigt. Das schratige Zwillingspaar an der polnischen Staatsspitze bewies doch, was viele Deutsche immer schon für richtig hielten: die Polen seien eine Volk verspannter, zurückgebliebener Nationalisten, gefangen in einem leicht kränkbaren Geschichtspathos.

Doch die Hysterie ebbte bald wieder ab. Deutschland ist Polens wichtigster Handelspartner, vor allem im Westen des Landes treffen täglich deutsche Bürgermeister ihre polnischen Amtskollegen, arbeiten täglich polnische Unternehmer mit ihren Nachbarn zusammen.

Im Oktober 2007 gewann die liberale Bürgerplattform die Parlamentswahl. Die Lust an der Polemik, das Geschick der Kaczynskis, jeden politischen Konflikt auf einen einfachen schwarz-weißen Kontrast, auf klare Freund-Feindbilder zu reduzieren, wandte sich gegen sie. Die Polen waren die ewigen Polarisierungen leid. Denn nicht nur nach außen hatten sich die Kaczynskis von Feinden umzingelt gesehen. Auch im Inneren witterten sie überall Feinde der Nation: reiche Unternehmer, schwule Teletubbies, korrupte Ärzte, alte kommunistische Seilschaften.

Ohne seinen Bruder Jaroslaw als Premier an seiner Seite schwächelte Lech. Er lieferte sich noch einige kleinkarierte Streitigkeiten mit der neuen Regierung von Donald Tusk und gab ansonsten den obersten Zeremonienmeister des Landes, von dem aber keine politischen Impulse mehr ausgingen. Im Herbst hätte er sich wieder zur Wahl stellen müssen. Umfragen sahen seinen Herausforderer vorn: den Präsident des polnischen Parlaments, Bronislaw Komorowski.

Nach der Katastrophe von Smolensk übernimmt dieser jetzt vorzeitig das Amt des Staatsoberhauptes.

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insgesamt 844 Beiträge
Berto v. Klick 10.04.2010
An sich eine traurige Angelegenheit - aber eine große Chance für Polen zu besserer Intgration in die Europäische Gemeinschaft.
Zitat von sysopLech Kaczynski prägte mit seinem Zwillingsbruder Jaroslaw über Jahre die polnische Politik, hielt die Europäische Union in Atem. Jetzt stürzte das Flugzeug des Präsidenten ab - ausgerechnet auf dem Weg zur Gedenkfeier in Katyn. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,688250,00.html
An sich eine traurige Angelegenheit - aber eine große Chance für Polen zu besserer Intgration in die Europäische Gemeinschaft.
Smartone 10.04.2010
Wie kann man so zynisch sein und als alle Menschen um in der Katastrophe getötete trauern, über umstrittene politische Fragen zu diskutieren. Die Integration von Polen in die EU ist eine interne Angelegenheit von Polen... [...]
Zitat von Berto v. KlickAn sich eine traurige Angelegenheit - aber eine große Chance für Polen zu besserer Intgration in die Europäische Gemeinschaft.
Wie kann man so zynisch sein und als alle Menschen um in der Katastrophe getötete trauern, über umstrittene politische Fragen zu diskutieren. Die Integration von Polen in die EU ist eine interne Angelegenheit von Polen... Herzliches Beileid an das polnische Volk!!!
AlexN 10.04.2010
Der Pilot hat eindringliche Nebelwarnungen sowie Vorschläge für Ersatzflughäfen bekommen. Er hat trotzdem vier (!) Landeversuche unternommen. Bei mir drängt sich ein Verdacht auf. Ich glaube, Kaczynski sperrte sich, in Minsk oder [...]
Der Pilot hat eindringliche Nebelwarnungen sowie Vorschläge für Ersatzflughäfen bekommen. Er hat trotzdem vier (!) Landeversuche unternommen. Bei mir drängt sich ein Verdacht auf. Ich glaube, Kaczynski sperrte sich, in Minsk oder in Moskau zu landen, um Lukaschenko oder Putin aus dem Weg zu gehen. Er hat wohl den Piloten angewiesen trotz allem in Smolensk zu landen. Der ganzen Reise ist ohnhein schon ein politisches Hickhack sondergleichen vorausgegangen, da Putin nur Tusk nach Katyn eingeladen hatte, während Kaczynski sich selbst einlud. Vermutlich sind die 130 Opfer der Sturheit dieses Mannes zu verdanken...
Klaschfr 10.04.2010
Viele werden es nicht sein, die ihm eine Träne nachweinen - allen internationalen Trauerbekundungen zum Trotz.
Viele werden es nicht sein, die ihm eine Träne nachweinen - allen internationalen Trauerbekundungen zum Trotz.
Berto v. Klick 10.04.2010
Macht Merkel auch, wenn sie den traurigen und sinnlosen Tod von bedauernswerten Bundeswehrsoldaten nutzt, um die fragwürdige Kriegspolitik in Afghanistan politisch zu rechtfertigen.
Zitat von SmartoneWie kann man so zynisch sein und als alle Menschen um in der Katastrophe getötete trauern, über umstrittene politische Fragen zu diskutieren. Die Integration von Polen in die EU ist eine interne Angelegenheit von Polen... Herzliches Beileid an das polnische Volk!!!
Macht Merkel auch, wenn sie den traurigen und sinnlosen Tod von bedauernswerten Bundeswehrsoldaten nutzt, um die fragwürdige Kriegspolitik in Afghanistan politisch zu rechtfertigen.
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